Archäologen finden Burggraben und Ringmauer beim Zürcher Hardturm
Archäologischer Sensationsfund Zürcher Hardturm war Teil einer grösseren Burganlage
Der Hardturm stand im Mittelalter nicht allein. Archäologen haben einen Burggraben und Teile einer Ringmauer entdeckt.
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Ob auf dem Hardturm-Areal je ein neues Fussballstadion entsteht, ist ungewiss. Klarer wird dagegen, wie die Gegend im Mittelalter aussah. Neue Funde zeigen, dass der mittelalterliche Hardturm nicht allein stand, sondern zu einer grösseren Burganlage gehörte.
Am Fischerweg in Zürich-West steht etwas versteckt zwischen moderner S-Bahn-Brücke und Wohnblöcken der mittelalterliche Hardturm. Dem mächtigen Wohnturm hat die ganze Gegend ihren Namen zu verdanken. Zum Beispiel die Hardbrücke, das Rathaus Hard – und natürlich auch das ehemalige Hardturm-Stadion, das ganz in der Nähe liegt. Der Turm ist einer der letzten Zeugen aus der Zeit des 13. Jahrhunderts.
Wo die Moderne auf das Mittelalter trifft: In Zürich-West steht mit dem Hardturm der letzte Zeuge des Hochmittelalters. Er wird sogar bewohnt.
Keystone/Gaetan Bally
Weil die Stadt entlang des Fischerwegs eine wichtige Wasserleitung ersetzt, öffnete sich ein Fenster in die Vergangenheit. Für die Stadtarchäologinnen und -archäologen bot sich die Gelegenheit, rund um den ehemaligen Wehrturm nach historischen Artefakten zu suchen. Eine interessante Aufgabe, denn lange gab der Hardturm den Forschenden Rätsel auf.
Bislang ging die Fachwelt davon aus, dass er als einzelner Wehrturm in der Landschaft stand. Dann fanden die Archäologen Überraschendes: einen breiten Burggraben und eine Ringmauer. Das Ganze war eine sogenannte Niederungsburg mit Brücke über die Limmat.
Die Geschichte des Hardturms
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Der Hardturm liegt direkt am Ufer der Limmat im Westen Zürichs, etwa drei Kilometer vor der Altstadt. Der markante Turm entstand vermutlich im 12. Jahrhundert zur Sicherung eines Flussübergangs. Gesicherte Nachweise stammen aus dem 13. Jahrhundert. Nachdem ein Steg zur Anlage im 14. Jahrhundert zerstört worden war, verlor der Hardturm seine strategische Funktion. Später diente er als Landsitz wohlhabender Zürcher Familien. Ende der 1990er-Jahre wurde das denkmalgeschützte Bauwerk umfassend renoviert. Heute wird es als Wohnhaus genutzt.
(Quelle: Zunft Hard)
Für die Archäologen ein aussergewöhnlicher Fund: Es sei eine «Once-in-a-lifetime-Grabung», sagt Manuel Zürcher. Der Archäologe arbeitet seit 15 Jahren bei der Zürcher Stadtarchäologie und sagt: «Wir haben jetzt ganz klar einen Beweis: Da war eine Burg mit einem Graben und einer Mauer ringsum.» Es müsse zudem weitere Gebäude gegeben haben zum Wohnen, aber auch für Vorräte, Stallungen oder das Handwerk.
Grabung rund um den Hardturm
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Bild 1 von 3. Der Hardturm ist ein sogenannter Megalith-Wehrturm aus Stein, der von Gletschern abgelagert wurde.
Bildquelle: Stadtarchäologie Zürich .
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Bild 2 von 3. Die Grabungen finden auf etwa zehn Meter Länge und drei Metern Tiefe statt.
Bildquelle: Stadtarchäologie Zürich .
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Bild 3 von 3. Die freigelegte Mauer wird im Anschluss an die Grabungen entweder wieder zugedeckt oder entsorgt.
Bildquelle: Stadtarchäologie Zürich .
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Es sind Funde, die das Herz der Stadtarchäologen höher schlagen lassen. Für Stephan Wyss, Leiter der Stadtarchäologie, zeigt der Fund, wie wichtig der Ort im Mittelalter war. Ein Ort, an dem der Übergang über die Limmat überwacht werden konnte.
«An dieser Stelle ist die Limmat seicht. Es hat eine Insel. Sie eignet sich topographisch für einen Flussübergang.» Im Mittelalter wurde beim Hardturm so Verkehr und Handel kontrolliert und es wurden wohl auch Zölle erhoben. Der Turm hatte auch eine militärische Bedeutung und stand für die Wehrhaftigkeit der Stadt.
Stephan Wyss, Leiter der städtischen Archäologie, interessierte sich schon während des Studiums für das Handwerkliche in der Archäologie.
SRF/Peter Schürmann
Die Entdeckung der Burganlage werde die Geschichte des Hardturms entscheidend ergänzen, sagt Stephan Wyss: «Die Geschichte von Zürich, seinen Quartieren, seinen Burgen – sie ist nicht abschliessend geschrieben, es schlummert noch vieles im Boden.»
Es sei wichtig, diese Geschichte aufzuarbeiten und zu teilen. Zum Beispiel mit Führungen oder Ausstellungen. Zudem biete die Stadt auch digital einen Blick in ihre Geschichte: Ein Zeitstrahl, der Zürich im Zeitraffer rekonstruiert – von 3000 vor Christus bis in die Zukunft.
Der digitale Blick auf die Stadt Zürich
In den nächsten Wochen wollen die Archäologen noch weiter ins Innere der Anlage vorstossen. Sie hoffen, noch mehr Spuren zu finden zu den Häusern und dem Leben in der Burg.
Entsorgt statt ausgestellt
Doch so einzigartig und wichtig die Entdeckung ist: Archäologie kann auch sehr pragmatisch und geradezu unsentimental sein, ein «kontrollierter Abbruch», wie es Stephan Wyss ausdrückt. Im Fall der Ringmauer werden die Reste deshalb nicht ausgestellt, sondern dokumentiert und danach entsorgt.
Zeit um die Vergangenheit festzuhalten, haben die Stadtarchäologen noch bis Ende September. Die Stadt gibt für das Projekt gut 120'000 Franken aus.
Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 24.8.2026, 12:03 Uhr ; kerf;ledn;rama