ARD-DeutschlandTrend: Deutsche fühlen sich durch Russland bedroht
Stand: 03.09.2026 • 18:00 Uhr
Eine Mehrheit sieht durch Russland die Sicherheit Deutschlands stark bedroht. Das gilt laut ARD-DeutschlandTrend vor allem für ältere Menschen sowie Anhänger aller im Bundestag vertretenen Parteien - mit einer Ausnahme.
Als Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) heute mit seinen Amtskollegen aus Frankreich und Polen zusammenkam, da war Russland wieder ein zentrales Thema. Man sei immer bereit zum Dialog, sagte Wadephul in Weimar. Zunächst aber müsse Moskau seinen Aggressionskrieg gegen die Ukraine beenden und Attacken gegen Deutschland und seine Verbündeten unterlassen.
Russland - ein Sicherheitsrisiko für Deutschland? Ja, sagt eine Mehrheit in einer repräsentativen Umfrage, die infratest dimap von Montag bis Mittwoch für den ARD-DeutschlandTrend durchgeführt hat. Demnach sind 56 Prozent der Meinung, Deutschlands Sicherheit sei sehr stark oder stark von Russland bedroht. Vier von zehn Deutschen (39 Prozent) sehen das anders.
Ältere schätzen Bedrohung besonders groß ein
In den vergangenen Wochen wurde viel über den "Drohnen-Vorfall" gesprochen. Am Flughafen Leipzig/Halle war Anfang August eine mit Sprengstoff bestückte Drohne gefunden worden. An diesem Dienstag - also bei laufender Befragung von infratest dimap - traten hierzu Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Außenminister Wadephul vor die Kameras: Die Bundesregierung, so Dobrindt, sehe eine "russische Verantwortung für den versuchten Anschlag". Sie gehe zudem davon aus, "dass Deutschland das Ziel weiterer hybrider Angriffe Russlands ist".
Welches Sicherheitsrisiko von Russland ausgeht, das wird in der Bevölkerung unterschiedlich bewertet. Während sich die 18- bis 34-Jährigen uneins sind, ob von Russland eine Bedrohung für die Sicherheit unseres Landes ausgeht, halten zwei Drittel der Über-65-Jährigen diese Bedrohung für sehr stark oder stark.
Für Anhänger aller im Bundestag vertretenen Parteien ist Russland mehrheitlich eine Bedrohung für die Sicherheit Deutschlands - mit einer Ausnahme: Gut zwei Drittel der AfD-Anhänger sehen Deutschlands Sicherheit durch Russland wenig bzw. gar nicht bedroht.
Gut jeder Zweite unterstützt Waffenlieferungen an Ukraine
Verändert hat sich in den vergangenen Jahren der Blick der Deutschen auf die Unterstützung der Ukraine bei deren Verteidigung gegen den Angriffskrieg Russlands. Viereinhalb Jahre nach der russischen Vollinvasion steht gut jeder Zweite hinter Waffenlieferungen an die Ukraine: 38 Prozent halten diese für angemessen, 14 Prozent würden sie sogar ausweiten.
Inzwischen aber sagen gut vier von zehn Deutschen (42 Prozent), die Waffenlieferungen gingen zu weit - so hoch war dieser Wert in den vergangenen Jahren nie. Den Wahlberechtigten im Osten gehen die Waffenlieferungen sogar mehrheitlich zu weit.
Den Frieden in Europa zu sichern, das ist aktuell wohl eine der größten außenpolitischen Herausforderungen der Bundesregierung. Unter den deutschen Parteien trauen Bürgerinnen und Bürger das am ehesten der Union zu: 23 Prozent sehen dafür bei ihr die größte Kompetenz, 16 Prozent bei der AfD, 12 Prozent bei der SPD. Andere Parteien - darunter Grüne (8), Linke (6), BSW (3) und FDP (2) - haben die Menschen bei diesem Thema weniger auf dem Schirm.
AfD bleibt in Sonntagsfrage vorn
Wenn schon am Sonntag Bundestagswahl wäre, läge die AfD mit 27 Prozent vorne - ein Punkt weniger als im Vormonat. Die Union käme unverändert auf 21 Prozent, die Grünen blieben bei 15 Prozent. Dahinter verbessern sich um je einen Punkt die SPD auf 13 und die Linke auf 12 Prozent. Die FDP bliebe mit 4 Prozent unterhalb der Mandatsschwelle. Alle anderen Parteien kämen derzeit zusammen auf 8 Prozent.
Untersuchungsanlage
Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Deutschland
Erhebungsmethode: Zufallsbasierte Online- und Telefon-Befragung (davon 60 Prozent Festnetz, 40 Prozent Mobilfunk)
Erhebungszeitraum: 31. August bis 02. September 2026
Fallzahl: 1.319 Befragte (787 Telefoninterviews und 532 Online-Interviews)
Gewichtung: nach soziodemographischen Merkmalen und Rückerinnerung Wahlverhalten
Schwankungsbreite: 2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 10 Prozent, 3 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent
Durchführendes Institut: infratest dimap
Die Ergebnisse sind auf ganze Prozentwerte gerundet, um falsche Erwartungen an die Präzision zu vermeiden. Denn für alle repräsentativen Befragungen müssen Schwankungsbreiten berücksichtigt werden. Diese betragen im Falle einer Erhebung mit 1.000 Befragten bei großen Parteien rund drei Prozentpunkte, bei kleineren Parteien etwa einen Punkt. Hinzu kommt, dass der Rundungsfehler für kleine Parteien erheblich ist. Aus diesen Gründen wird keine Partei unter drei Prozent in der Sonntagsfrage ausgewiesen.