ARD-Sommerinterviews: Wie die Wahrheitsfahnder im Ersten abermals schlecht performten
Mit großem Tamtam inklusive Live-Schalte in die Faktenfinder-Zentrale hat die ARD ihre Faktenchecks nach den Sommerinterviews mit Politikern aller im Bundestag vertretenen Parteien beworben. Doch Rundfunkbeitragszahler, die hier ihren 18,36 Euro bei der Arbeit zusehen wollten, wurden massiv enttäuscht. Die Faktenfinder sind mal wieder durchgefallen. Den Nachweis, dass wir es hier mit einem ziemlich verpeilten Haufen zu tun haben, erbrachten die Tagesschau-Wahrheitsfahnder ja schon des Öfteren.
Im Februar 2023 lieferten sie einen schweren Übersetzungsfehler bei der Analyse eines Berichts des US-amerikanischen Journalisten Seymour Hersh zur Nord-Stream-Sprengung, bei dem von angeblichem Sprengstoff „in Form von Pflanzen“ die Rede war. 2024 wischten sie alle Zweifel am Gesundheitszustand des US-Präsidenten Joe Biden vom Tisch.
Auch als sie 2017 bei den Macron-Leaks die Dokumente, die den französischen Präsidenten belasteten, in völliger Unkenntnis der Technik des Portable Document Format (PDF) mal schnell für manipuliert erklärten – auf eines konnte und kann man sich bei den Faktenfindern verlassen: Sie liegen gern daneben.
Ein journalistischer Offenbarungseid nach dem anderen
Und dass sie das wirklich gut können, haben sie bei Auswertung und Einordnung der diesjährigen ARD-Sommerinterviews nachdrücklich bewiesen. Statt einer Faktenprüfung nach allen Regeln der Recherchekunst, gab es eher Meinungschecks mit einseitigen Bewertungen bloßer Behauptungen und relativierenden Aussagen mit teilweise erheblichen Widersprüchen.
Bei früheren Recherchen der glorreichen Faktenfinder war ich noch der Meinung: Sie können es einfach nicht. Inzwischen sehe ich das anders: Sie betreiben schlicht Gesinnungsjournalismus und politische Propaganda. Und es kommt mir beinahe so vor, als wollten sie deshalb Faktenprüfung nicht können. Das ist eine ideologische Basisentscheidung. Das haben sie bei Sommerinterviews noch einmal bewiesen.
Den Interviewgästen Tino Chrupalla von der AfD, Lars Klingbeil von der SPD, Friedrich Merz von der CDU und Markus Söder von der CSU wurden umfangreiche Fact-Checks mit großem Besteck und Riesenmannschaft gewidmet. Allein für den Check von Tino Chrupalla waren 15 Faktenfinder und noch weitere Zulieferer im Einsatz.
CC BY 3.0/Alexander Klink
Unser Autor
Peter Welchering, 65, aus Niedersachsen, ist einer der wenigen Journalisten in Deutschland, die als langjährige freie Mitarbeiter Missstände im öffentlich-rechtlichen Fernsehen beklagen. Er ist Wissenschafts- und Technikautor, hat lange für diverse Medien, unter anderem das ZDF und den Deutschlandfunk, gearbeitet, war im Presserat und unterrichtet Nachwuchsjournalisten. 2024 hat er das „Manifest für einen neuen öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland“ unterschrieben.
Und diese Vier, Chrupalla, Klingbeil, Merz, Söder, kamen nicht gut weg. Ihre Aussagen wurden auseinandergenommen, allerdings eben nicht durchweg lege artis, also nicht nach den Regeln der Kunst. Eher wurde mit dem Bewertungsdegen drauf eingedroschen. Klingbeil kam noch am glimpflichsten dabei weg. Er hatte im Interview darauf hingewiesen, dass der Tankrabatt weitergegeben worden sei. Das fanden die Faktenfinder „mindestens missverständlich“.
Denn auch das Bundeskartellamt gehe davon aus, „dass der Tankrabatt möglicherweise nicht zu jedem Zeitpunkt vollständig weitergereicht worden ist“. Das hatte Klingbeil auch so nicht behauptet. Seine Bemerkung zur Weitergabe des Tankrabatts war eine allgemeine Bewertung. Und die könnte nur ad absurdum geführt werden, wenn überhaupt nichts weitergegeben worden wäre. Stattdessen arbeiteten die Faktenkundler lieber inflationär mit dem Adverb „möglicherweise“.
Wenn die Meinungsmannequins von der Tagesschau Fakten suchen
Ähnlich auch bei seiner wertenden Aussage: „Wenn man verhindern will, dass es einen AfD-Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt gibt, dann muss man SPD wählen. Wenn wir dabei sind, dann gibt es eine demokratische Mehrheit gegen einen AfD-Ministerpräsidenten.“
„Nur teilweise richtig“, lautete das Verdikt der Faktenfinder. Denn auch andere Parteien könnten einen AfD-Ministerpräsidenten verhindern, wenn sie in den Landtag einziehen. Es gebe „also keinen Zwang, die SPD zu wählen, um einen AfD-Ministerpräsidenten zu verhindern“. Nur hatte Klingbeil das so auch gar nicht formuliert.
Ines Schwerdtner, Bundesvorsitzende der Partei „Die Linke“, im ARD-Sommerinterview für die Sendung „Bericht aus Berlin“.
© Carsten Koall/dpa
Die Sympathien der Faktenfinder für die Linken-Vorsitzende Schwertdner schienen jedenfalls ziemlich groß. Ihr wurde im Meinungscheck überwiegend zugestimmt. Beim Thema Einkommenssteuer ist dafür allerdings etwas sophistischer Aufwand vonnöten.
Frau Schwertdner hatte ausgeführt: „Das, was bei der Einkommenssteuer jetzt vielleicht an Entlastung bei den Menschen ankommt, wenn sie denn durchkommt, wird an Belastung an anderer Ecke wieder hochgezogen. Das heißt, die Menschen haben am Ende nicht mehr Geld in der Tasche.“
Zunächst mussten die Faktenfinder einräumen: „Konkret sehen die Pläne vor, Familien – etwa mit zwei Kindern und einem zu versteuernden Gesamteinkommen von 60.000 Euro – jährlich um mehr als 600 Euro zu entlasten.“ Aber dieses Faktum können sie so nicht stehen lassen. Es würde ja Frau Schwerdtner Aussage widersprechen.
Weit vor der Demarkationslinie der Faktenprüfung
Deshalb kritisieren die Jungs und Mädels unter dem Faktenfinder-Logo beinhart: „Die Schätzungen gehen alle vom derzeitigen Stand der Sozialabgaben aus.“ Das aber wollen die Tagesschau-Faktenchecker nicht mitmachen. „Berücksichtigt man, dass etwa die Lohnnebenkosten und die Rentenversicherungsbeiträge in den kommenden Jahren sprunghaft steigen, schmilzt die tatsächliche Entlastung zusammen.“
Das aber ist reine Spekulation. Auch wenn diese zur Ehrenrettung von Frau Schwerdtners Aussage beitragen soll, bleibt sie eben doch Spekulation. Prognosen dieser Art und andere Blicke in die Glaskugel sind einem Faktencheck in der Regel nicht zugänglich. Das hat tatsächlich damit zu tun, dass Prognosen von der Zukunft handeln. Ob Prognosen sich bewahrheitet haben, kann man deshalb immer erst im Rückblick sehen.
Wenn man Aussagen wie die von Frau Schwerdtner wirklich an Wahrheitskriterien messen will, geht das nur am gegenwärtigen Beschlusspapier der Koalition. Und da steht etwas anderes. Das widerspricht der Aussage von Frau Schwerdtner. Man hätte also allenfalls anmerken können, dass die Koalition das anders machen will und anders sieht als Frau Schwerdtner.
Das wollen die bestellten Prüfer aus dem ARD-Wahrheitsministerium aber nicht. Deshalb rutschen sie schnell mal in den Konjunktiv: „Wenn man dann noch beachtet, dass künftig Ausgaben etwa für eine Kapitalrente oder steigende Beiträge bei Krankenkasse und Pflegeversicherung dazukommen könnten, könnte die Rechnung letztlich auch für Familien negativ ausfallen, was Schwerdtners Aussage stützen würde.“
Interessant ist auch, welche Tatsachenbehauptung von Ines Schwerdtner verifiziert wurde. Sie hatte nämlich behauptet, bei VW würden 100.000 Arbeitsplätze wegfallen. Lobend merken die Faktenchecker dazu an: „Tatsächlich wurden diese und ähnliche Zahlen vor der Aufsichtsratssitzung des Konzerns in mehreren Medien genannt und soll (sic!) auf einem internen Papier des Unternehmens basieren.“ Doch konkrete Zahlen hatte VW zu diesem Zeitpunkt noch nicht genannt.
Eine korrekte Aussage wurde auch der Grünen-Vorsitzenden Franziska Brantner von der ARD bescheinigt: „Erbschaftssteuer-Aussage korrekt“. Sie hatte ausgeführt: „Wenn Sie heute 300 Wohneinheiten haben, 300 Häuser, und Sie vererben sie an die nächste Generation – dann zahlt die nächste Generation keinen Cent Erbschaftssteuer. Das ist irre!“
Zunächst einmal: Die Bewertung „Das ist irre“ ist keinem Faktencheck zugänglich, auch nicht dem verpeiltesten Faktenfinder. Dass es Freibeträge im Steuerrecht gibt, wissen auch die Brantner-Sympathisanten von der Tagesschau. Dass diese für Ehe- und Lebenspartner bei 500.000 Euro, für Kinder bei 400.000 Euro und für Enkel bei 200.000 Euro liegen, dürften selbst die härtesten Grünen-Aktivisten bei ARD-Aktuell wissen.
Dass 300 Wohneinheiten oder Häuser diese Freibeträge übersteigen würden, könnten sich die Faktenfinder theoretisch ausrechnen. Dazu müsste man nur die vier Grundrechenarten beherrschen.
Verbales Sperrfeuer bei der Faktensuche
So weit wollen es die Faktenjongleure aber nicht kommen lassen. Denn sie weichen einfach auf geerbte Immobilien als Bestandteil des Betriebsvermögens aus. Das würde zwar immer besteuert. Aber die ARD-Wahrheitsministerialen haben da einen rhetorischen Ausweg.
Sie dekretieren schnell: „So kann unter bestimmten Bedingungen das geerbte Vermögen tatsächlich steuerlich stark begünstigt oder praktisch steuerfrei übergehen.“ Welches diese Bedingungen denn wären, teilen sie dem geneigten Leser leider nicht mit. Sie dekretieren nur: „Erbschaftssteuer-Aussage korrekt“.
Am härtesten schlagen die Faktenfinder beim CDU-Vorsitzenden zu. So können sie die Behauptung von Friedrich Merz nicht nachvollziehen, dass die Bundesregierung die Zahlen in Sachen Migration innerhalb von gut einem Jahr um über 60 Prozent herunterbringen konnte.
Hätten die Faktenfinder mal ins Archiv geschaut und dort zur Kenntnis genommen, was die „Tagesschau“ am 2. September 2025 meldete: „Zahl der Asylanträge sinkt um 60 Prozent“. War das vielleicht die Zahl, die Merz im Hinterkopf hatte?
Noch tadelnder schreiben die Checker: „Auf die Frage, welche konkreten Maßnahmen der Staat umsetze, um vulnerable Bevölkerungsgruppen vor extremer Hitze zu schützen, antwortete Merz ausweichend: Die Bundesregierung habe bereits über 300 verschiedene Maßnahmen, zum Teil mit den Ländern, auf den Weg gebracht, um die Bevölkerung vor den Folgen der Klimaerwärmung zu schützen.“
Diese Zahlen konnten die untalentierten Checker nicht ermitteln. Hier offenbart sich eine bei den Faktenfindern oft anzutreffende Recherche-Unfähigkeit. Die sehen sie allerdings nicht als eigenes Versagen. Sie werfen sie in diesem Fall Merz vor.
Nun, das Geheimnis um die Zahlen ist schnell gelöst. Allein eine Schnellrecherche mit KI-Tools wie Perplexity, Grok, ChatGPT ergibt die ungefähre Zahl von über 300 Hitzeschutzmaßnahmen des Bundes, der Länder und der Kommunen.
Gut dokumentiert sind dabei knapp 40 Maßnahmen in Bayern, 40 weitere in NRW, knapp 80 in Berlin. Die Zahlen aus Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Thüringen variieren.
Auf der aktivistischen Seite der Macht
Hier müsste eine Detailrecherche erfolgen. Die nimmt das Faktenfinder-Team nicht vor. Die Faktenfinder mutmaßen hier also nur. Das scheint ohnehin die Basis ihrer Arbeit zu sein: ideologische Mutmaßung.
Irreführend finden die Factchecker auch folgende Aussage des CDU-Vorsitzenden: „Wir sind immer noch ein Land, das mit Abstand das beste Rating aller europäischen Länder hat.“ Korrekt weisen die Weisen aus dem Faktenfinderland darauf hin, dass Agenturen wie Fitch, Moody’s oder Standards & Poors Deutschland stets die Note „AAA“ im Rating verleihen.
Das wollen sie aber – wenngleich etwas ungeschickt – gegen Merz wenden: „Deutschland gehört also zur Spitzengruppe bei den Finanzratings – von ‚Abstand‘ kann hier keine Rede sein.“ Man nennt das postfaktische Alternativbeweisführung.
Ziemlich schief geht auch der Versuch der Relativierung einer Aussage von Merz in Bezug auf die Arbeitsleistung. Merz hatte darauf hingewiesen, dass diese pro Jahr durchschnittlich 200 Stunden geringer sei hierzulande als in der Schweiz. Das wollen die Faktenfinder so nicht stehen lassen. Sie müssen zwar einräumen, dass die Arbeitszeitauswertung der OECD Merz recht gibt, kontern aber sofort: „Doch diese Arbeitszeit ist in der Schweiz noch deutlich ungleicher verteilt als in Deutschland.“
Was sie damit belegen wollen, erschließt sich dem geneigten Leser nicht. Denn die genannte Zahl ist ja belegt worden. Die Relativierung, dass Schweizer in der Regel mit 65 Jahren früher in Rente gehen können als Deutsche, widerlegt die Aussage von Merz, dass dort 200 Stunden pro Jahr mehr gearbeitet werden als in Deutschland, ebenfalls nicht.
Brutal verwahrloster Zustand der Faktenfinder
Ein Scheingefecht, das auch in der Frage der Arbeitsproduktivität so ähnlich geführt wird. Merz hatte darauf hingewiesen: „Wenn wir von 35 auf 40 Stunden zurückgehen würden, wären große Teile unserer Wettbewerbsfähigkeit wiederhergestellt.“ Dies wird vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung bestätigt. Aber die Faktenfinder führen ein ultimatives Argument dagegen an: Eine Arbeitszeiterhöhung bringe nichts, wenn am Markt vorbeiproduziert werde, begründen sie ihre Faktenverdammnis.
So zieht sich das durch den gesamten länglichen Faktencheck. Merz hatte gesagt: „Die CO₂‑Bilanz der Elektromobilität ist nicht so rosig, wie das immer dargestellt wird.“ Eine klassische Meinungsäußerung.
Nun hätte Merz seine Meinung mit einer Studie der Technischen Universität München belegen können. Dort wurde ausgeführt, dass die CO₂‑Bilanz eines E-Autos mit 41 Prozent weniger CO₂ als ein Verbrenner deutlich geringer sei als mit den in einer Studie des International Council on Clean Transportation behaupteten 71 Prozent.
Die Faktenfinder blieben jedoch dabei: Die Merz-Aussage sei irreführend. Was interessieren da Fakten und Zahlen. Das Narrativ führt die Gläubigen ins Paradies.
AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla kam noch schlechter weg im Meinungscheck der Wahrheitsministerialen. Ihm wird nicht einmal die Meinungsäußerung zugestanden, dass der Sommer 2026 für ihn „ein ganz normaler Sommer“ sei. Es rettete Chrupalla vor dem Verdikt der Ideologie-Checker nicht einmal, dass er hervorhob: „Ja, es gab Trockenperioden, es gab auch lange Regenperioden.“ Urteil der Fakten-Inquisitoren: „Das ist jedoch in mehrerer Hinsicht falsch.“
Bundeskanzler Friedrich Merz im ARD-Sommerinterview.
© IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Begründen konnten sie ihre Bewertung nicht. Sie erklärten auch nicht, warum sie die offensichtliche Meinungsäußerung eines „ganz normalen Sommers“ überhaupt in die Faktenprüfung genommen hatten. Dünnlippig verwiesen sie darauf, dass es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in den ersten sieben Monaten des Jahres mehr Todesfälle in Zusammenhang mit Hitze gegeben habe als je zuvor.
Sie erwähnten dabei mit keinem Wort, dass es sich hier um eine bloße Modellrechnung des RKI handelt. Und sie erklärten auch nicht, warum die ersten sieben Monate 2026 für die Bewertung des Sommers wichtig seien. Chrupallas Aussage, dass es auch in der Wissenschaftsszene Widersprüche gebe beim Thema des menschengemachten Klimawandels und dessen Ausmaß, wollten die Faktenfinder doch tatsächlich mit einer Studie als falsch einschätzen, die aus Zitationsdaten gerade sauber belegt, dass zwei bis drei Prozent der Klimaforscher hier Widerspruch äußern. Das ist praktizierte Esoterik, kein Faktencheck.
So geht es weiter. Chrupalla hält den Klimawandel für ein Nebenthema. Das darf er nicht laut den Factcheckern der ARD. Und auch die Zahlenangaben, die von der Bundesregierung bestätigt werden, gereichen den ARD-Mitarbeitern zur Klassifikation einer falschen Aussage.
Elchtest für Faktenprüfer nicht bestanden
Chrupalla hatte gesagt, dass es im Sommer 2025 eine Million abgelehnte Asylanträge gegeben habe. Die Zahl wird in der Bundestagsdrucksache 21/4681 auch bestätigt. Das geniale Argument der Faktenfinder für die Falschheit dieser Chrupalla-Aussage: „Fraglich ist allerdings, wie aussagekräftig diese Zahl ist.“
Dass es Briefwahl-Manipulationen gegeben habe, wollen die ARD-Mitarbeiter von der aktivistischen Seite der Macht Chrupalla auch nicht durchgehen lassen. Sie müssen zwar einräumen, dass es solche Manipulationsfälle gab. Aber das waren eben nur Einzelfälle.
Die Chrupalla-Aussage muss einfach falsch sein, auch wenn man aufgrund der Faktenlage gezwungen ist, sie zu bestätigen. Sonst klappt das mit dem Meinungschecker-Narrativ nicht.
Dass es dem CSU-Vorsitzenden Markus Söder da nicht besser in seinem Sommerinterview ergehen kann, liegt auf der Hand. Seine Behauptung, dass Pendler durch die Anhebung der Pendlerpauschale noch mal „viel Geld“ zurückbekommen würden, wird zwar durch die reinen Zahlen gedeckt. Die Pendlerpauschale wurde zum 1. Januar 2026 von 30 auf 38 Cent ab dem ersten Kilometer angehoben.
Doch was nicht sein darf, das kann auch nicht sein, finden die Faktenfinder. Denn die Pendlerpauschale unterliege ja der Steuerprogression. Außerdem erfolge die Rückzahlung erst nach Abgabe der Steuererklärung. Das soll also die Aussage widerlegen, dass Pendler durch Anhebung der Pauschale viel Geld zurückbekämen?
Dass Söder etwas Bayern-Werbung machte und sein Bundesland als das „mit Abstand sicherste“ und „das innovativste Land“ in Deutschland lobte, kann man ihm aus guten Gründen verübeln. Aber dann hätte der Interviewer hier eben eingreifen müssen.
Faktenprüfung im Politbüro-Stil
Stattdessen wollen die Faktenfinder die werblichen Aussagen nun nachträglich widerlegen. Die Zahlen sprechen zwar für Söder. Mit 4371 gemeldeten Straftaten pro 100.000 Einwohner steht Bayern gut da. Aber Zahlen greifen den Geschichtenerzählern der ARD bekanntlich zu kurz.
In Berlin herrsche eben eine andere Kriminalitätslage „als im eher ländlich geprägten Bayern“, rechtfertigen die Factchecker ihr Verdikt: „Das Bundesland also grundsätzlich als ‚das sicherste‘ zu beschreiben, greift zu kurz.“
In Sachen Innovation dasselbe Spiel. Söders Aussage wird von Zahlen des Deutschen Startup-Verbandes, des Deutschen Patent- und Markenamtes und des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg zwar gestützt, doch das Urteil der Faktendreher bleibt jedoch eindeutig, völlig unabhängig von der Faktenlage: „Bayern liegt bei Innovationen durchaus weit vorne, allerdings ist Söders Darstellung des Landes als grundsätzlicher Spitzenreiter nicht korrekt.“
Wer sich durch die Factchecks der ARD-Sommerinterviews gequält hat, wird vor allen Dingen zu diesen Befunden kommen: Es werden viel zu oft Meinungen geprüft, keine Fakten. Auch wenn die Faktenlage nachgewiesenermaßen für den Interviewgast spricht, wird seine Aussage als „missverständlich“, „zu kurz greifend“ oder „nicht korrekt“ abqualifiziert.
Und so verstoßen die Faktenfinder permanent gegen die Regeln des Internationalen Fact-Checking-Networks bei den Sommerinterviews. Und vor allen Dingen: Belegte Tatsachen werden von den Geschichtenerzählern in der AG Faktencheck der ARD einfach beiseite gewischt, wenn sie dem vorgefassten Urteil nicht entsprechen oder gar widersprechen. Deshalb kann es nur einen Rat an die ARD-Hierarchen geben: Macht eure „Faktencheck“ genannte Desinformationsbude endlich dicht! Oder installiert ein Pendant, das den Namen auch verdient.
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