Paschinjan kontert Moskau: Russische Militärbasis in Armenien plötzlich „entbehrlich“

Armenien stellt sich gegen Putin: „Sollen sie uns ausschließen“ – Militärbasis wackelt

Stand: 21.09.2026, 07:51 Uhr

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Paschinjan erklärt Russlands Militärbasis für entbehrlich und spricht über einen möglichen Abzug.

Jerewan – Armeniens Ministerpräsident Paschinjan verschärft den Ton gegenüber Moskau. Der Regierungschef weist einen möglichen Ausschluss seines Landes aus dem russisch geführten Militärbündnis OVKS zurück und erklärt die russische Militärbasis im nordwestarmenischen Gjumri für entbehrlich. Damit betrifft der Streit sowohl Armeniens Bündnismitgliedschaft als auch Moskaus dauerhafte Militärpräsenz im Land.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de.

Am Donnerstag (17. September) äußerte sich Paschinjan nach einer Sitzung der armenischen Regierung zum angespannten Verhältnis mit Moskau. Laut dem armenischen Nachrichtenportal NEWS.am sagte er: „Man muss uns nicht mit einem Ausschluss aus der OVKS drohen. Wenn sie uns ausschließen wollen, sollen sie uns ausschließen.“

Armeniens Regierungschef weist Moskau zurück: „Man muss uns nicht drohen“

Paschinjan erklärt Russlands Militärbasis für entbehrlich und spricht über einen möglichen Abzug. © © IMAGO / ITAR-TASS / Archivbild

Die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) soll ihren Mitgliedern gegenseitigen militärischen Beistand garantieren. In seiner heutigen Form besteht das Bündnis seit 2002. Neben Russland gehören ihm Belarus, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan an. Formell ist auch Armenien weiterhin Mitglied.

Das Land fror seine Teilnahme jedoch bereits 2024 ein und blieb anschließend den hochrangigen Treffen des Bündnisses fern, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.

Russische Militärbasis infrage gestellt

Zur Militärbasis erklärte Paschinjan, Russland sei weiterhin ein befreundetes Land. Entscheide sich Moskau jedoch für einen Abzug, werde Eriwan diesen nicht verhindern. Bleibe der Stützpunkt bestehen, sei die armenische Regierung zu Gesprächen über die Bedingungen für seinen Verbleib bereit.

Nicht Eriwan, sondern Moskau habe die Zukunft der Basis zur Debatte gestellt, hieß es weiter. Dass der Stützpunkt keinen Beitrag zur Sicherheit Armeniens leiste, hätten aus Paschinjans Sicht die schweren Grenzkämpfe mit Aserbaidschan im September 2022 gezeigt. Die armenische Regierung wirft Russland und der OVKS vor, das Land damals nicht ausreichend geschützt zu haben.

Putin brachte schnellen Abzug ins Spiel

Bereits Anfang September hatte Russlands Präsident Wladimir Putin erklärt, Moskau sei bereit, seine Soldaten „schon morgen“ abzuziehen, falls die armenische Bevölkerung und Führung die Präsenz nicht mehr für nötig hielten. Das berichtete der armenische Radiosender Public Radio of Armenia.

Die 102. russische Militärbasis befindet sich dem Sender zufolge seit 1995 in Gjumri. Eine zwischenstaatliche Vereinbarung sieht ihren Verbleib bis 2044 vor. Ein Beschluss über einen vorzeitigen Abzug ist bislang nicht bekannt.

Moskau warnt Armenien vor EU-Kurs

Parallel dazu hat Armenien seine Beziehungen zur Europäischen Union und zu den USA vertieft. Das russische Außenministerium warf Eriwan im Mai vor, sich in eine „antirussische Umlaufbahn“ der EU ziehen zu lassen. Dieser Kurs werde negative politische und wirtschaftliche Folgen für Armenien haben, erklärte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa laut Reuters.

Dem Bericht zufolge drohte Moskau im selben Monat außerdem damit, Vereinbarungen über vergünstigte Lieferungen von Öl, Gas und Rohdiamanten auszusetzen oder zu beenden, falls Armenien seinen Kurs in Richtung EU fortsetze. Armenien gehört zugleich weiterhin der von Russland geführten Eurasischen Wirtschaftsunion an.

Quellen: NEWS.am, Public Radio of Armenia, Reuters, nif/red.