Asyl-Kriminalität: SEM-Direktor präsentiert neue Massnahmen

Asylstrategie 2027 Bund plant Massnahmen gegen kriminelle Asylsuchende

Delikte von Asylsuchenden aus Nordafrika sorgen für Schlagzeilen. Der Bund will nun ein neues Gesetzespaket erarbeiten.

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25.08.2026, 20:32

Über 80 Prozent aller nordafrikanischen Asylsuchenden in der Schweiz werden während ihres Verfahrens oder nach dem negativen Entscheid mindestens einer Straftat beschuldigt. Das berichtete der «Blick» kürzlich, gestützt auf unveröffentlichte Zahlen.

Staatssekretär Vincenzo Mascioli vom Staatssekretariat für Migration (SEM) bestätigt: «Das ist ein reales Problem. Und diese Personen richten einen doppelten Schaden an – einerseits durch ihr Verhalten, durch ihre Straffälligkeit. Und zweitens schaden sie auch allen Personen im Asylbereich, die sich korrekt verhalten. Und das sind 96 Prozent der Schweizer Asylbevölkerung.»

Koordination verbessern, Haftlücken schliessen

Im Rahmen der Asylstrategie 2027 suchen Bund und Kantone in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe nach Lösungen. Laut Mascioli werden die bestehenden Mittel gegen kriminelle Asylsuchende bislang nicht ausgeschöpft.

Polizist durchsucht Mann, der an der Wand steht.
Legende:

Zusammen mit Kantonen und Gemeinden arbeitet der Bund derzeit an der Asylstrategie 2027.

KEYSTONE/Ti-Press/Massimo Piccoli

Die zuständigen Behörden müssten sich besser gegenseitig informieren und koordinieren. Künftig soll es beispielsweise nicht mehr vorkommen, dass Personen in Ausschaffungshaft mangels Ausreisepapieren wieder auf freien Fuss gesetzt werden müssen.

Darüber hinaus kündigt SEM-Direktor Mascioli an: «Wir arbeiten an ganz gezielten Massnahmen, weil es eben auch ein sehr spezifisches Problem ist. Wir wollen dem Bundesrat noch in diesem Jahr ein Gesetzespaket im Sicherheitsbereich vorlegen.»

Neues vorgelagertes Verfahren soll Asylsystem entlasten

Neben dem Sicherheitspaket plant das SEM ein zweites Massnahmenpaket: Vorgelagerte Verfahren sollen das Asylsystem künftig entlasten. Mascioli sagt dazu: «Das Ziel besteht darin, dass wir die Zahl offensichtlich unbegründeter Asylgesuche reduzieren können.» Konkret: Menschen ohne realistische Aussicht auf Asyl treten gar nicht erst in ein reguläres Asylverfahren ein. Stattdessen würden sie in einem früheren Schritt darüber informiert, dass sie keinen Anspruch auf Schutz haben und die Schweiz verlassen müssen.

Person im Anzug in einem modernen Innenraum mit unscharfem Schweizer Kreuz im Hintergrund.
Legende:

Vincenzo Mascioli ist seit Anfang 2025 im Amt als Staatssekretär für Migration.

KEYSTONE/Christian Beutler

Mascioli nennt vier Gruppen, auf die dieses Verfahren abzielen soll: Personen aus Staaten mit sehr tiefer Schutzquote, Fälle mit ausschliesslich medizinischen Gründen, EU-Bürgerinnen und -Bürger sowie Personen, die in einem anderen Staat bereits einen Schutzstatus besitzen.

Potenzial von rund 20 Prozent der Gesuche

Heute gibt es für Personen mit geringer Aussicht auf Asyl bereits das sogenannte 24-Stunden-Verfahren. Das geplante vorgelagerte Verfahren könnte dieses in vielen Fällen ablösen.

Der Bund erwartet eine spürbare Entlastung des Asylsystems. Staatssekretär Vincenzo Mascioli beziffert das Potenzial auf rund 20 Prozent der Fälle. «Wir reden im Moment vielleicht von rund 4000 bis 5000 Personen.» Zu dem neuen Verfahren stellen sich allerdings noch verschiedene rechtliche Fragen. Auch ein Pilotversuch ist geplant.