Atemnot bei Gewitter: Auch Menschen ohne Asthma sind gefährdet
Publiziert14. Juli 2026, 18:47
AllergensturmAtemnot bei Gewitter: Es trifft auch Menschen ohne Asthma
Gewitter bringen Pollenallergikern nicht unbedingt Erleichterung: 2016 bescherten sie Tausenden sogenanntes Thunderstorm Asthma. Das kann auch hier auftreten.

Darum gehts
- Gewitter können bei hoher Gräserpollenbelastung schwere Asthmaanfälle auslösen.
- Winde und Regen sorgen für eine erhöhte Pollenkonzentration in Bodennähe und winzig kleine Pollenpartikel, die tief in die Lunge gelangen.
- Betroffen sein können auch Menschen ohne Asthma oder bekannte Pollenallergie.
Nach Tagen mit sehr hohen Temperaturen sehnen sich viele Menschen Gewitter geradezu herbei. Am besten solche ohne Hagel. Schliesslich bringen diese die lang ersehnte Abkühlung. 2016 aber brachte ein Gewitter über Melbourne vielen Menschen auch Leid.
Leid durch Gewitter?
Mehr als 9000 mussten damals wegen Husten und Atemnot behandelt werden. Die Spitäler gerieten ans Limit. Neun Menschen starben. Schuld war das «Thunderstorm Asthma» – Gewitterasthma. In kleinerer Form trat diese Asthma-Form auch in Grossbritannien, Italien, Iran und Kanada auf. Fachleute sehen Gewitterasthma als eine Form von allergischem Asthma.
Gewitterasthma: Wie hängen Wetter und Atmung zusammen?
Fachleute nennen so Asthma-Attacken, die auftreten, wenn ein schweres Gewitter und eine hohe Konzentration von Gräserpollen aufeinandertreffen. Die genaue Ursache ist noch nicht klar. Doch es gibt eine Theorie: Die Abwinde des Gewitters sorgen für eine mitunter stark erhöhte Pollenkonzentration in Bodennähe. «Durch die hohe Luftfeuchtigkeit saugen sich die Pollen voll, bis sie aufgrund des osmotischen Drucks bersten», teilt das aha! Allergiezentrum mit.
«Auf diese Weise werden viele kleinste allergene Partikel freigesetzt, die noch tiefer in die Atemwege eindringen können als ganze Pollenkörner», so Georg Schäppi, Stiftungsrat und Vizepräsident bei aha!, der in Australien auf diesem Gebiet geforscht hat. Die Kleinstpartikel werden Sub-Pollen-Partikel genannt.
Mögliche andere Erklärung
Forschende der Deakin University haben nun erstmals die Rolle elektrischer Ladung in Gewitterwolken untersucht. Im Labor konnte das Team mithilfe von Gräserpollen und simulierten statischen elektrischen Feldern und Blitzen zeigen, dass Feuchtigkeit und Ladung ebenfalls zu einer Fragmentierung von Pollen führen. Dabei galt: Je höher Feldstärke und Luftfeuchtigkeit, desto grösser die Zahl der Sub-Pollen-Partikel. Unklar ist jedoch, ob sich die im Fachjournal «Scientific Reports» veröffentlichten Ergebnisse auch unter realen Umweltbedingungen erzielen lassen. Bisher ist auch dieser Zusammenhang nur eine Theorie.
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Ich habe weder Asthma noch Heuschnupfen: Bin ich sicher?
Nein. Zwar sind am häufigsten Asthmatiker und Pollenallergiker betroffen. Doch laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. können auch Menschen Gewitterasthma entwickeln, die noch nie Probleme damit hatten. Denn anders als ganze Pollen, die so gross sind, dass sie in Nase und Rachen stecken bleiben, sind die Sub-Pollen-Partikel so winzig, dass sie bis in die Bronchien gelangen. Dort können sie verstärkten Juck- und Niesreiz, Husten oder starke Atembeschwerden auslösen.
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In Zukunft könnte es häufiger auftreten
Auch in unseren Breitengraden beobachten Fachleute einen Zusammenhang zwischen Gewittern und Asthmaanfällen, wie Tagesschau.de unter Berufung auf Forschende aus Berlin und Bayern schreibt. Auch das aha! Allergiezentrum erklärt, dass «kurz vor oder zu Beginn eines Sommerregens oder Gewitters» Heuschnupfenreaktionen gehäuft auftreten, so Schäppi. Sogar von einem «wahren Allergensturm» ist beim Allergiezentrum die Rede.
Die Fälle systematisch zu erfassen, ist aber schwierig. Entsprechend ist unklar, wie oft «Thunderstorm Asthma» tatsächlich vorkommt.
Hast du während Gewittern schon einmal Schwierigkeiten beim Atmen gehabt?
Ja, mehrmals schon.
Ja, einmal.
Nein, noch nie.
Wenn, dann kann ich mich nicht daran erinnern.
Gennaro D'Amato, Professor für Pneumologie an der Universität Neapel Federico II, geht davon aus, dass es in Zukunft häufiger auftreten könnte: Denn «Untersuchungen haben gezeigt, dass Gewitter und ihre zerstörerischen Winde im Zuge des Klimawandels heftiger werden», zitiert ihn «The Guardian». Zudem lässt der Klimawandel Pollen anders fliegen als früher und macht sie aggressiver.
So reduzierst du das Risiko
Damit die Gewitterasthma-Symptome möglichst moderat bleiben, rät Schäppi allen Allergikerinnen und Allergikern, «bei einem nahenden Gewitter im Haus zu bleiben und unbedingt die Fenster zu schliessen. Oder unterwegs auf jeden Fall mit Notfallmedikamenten gewappnet zu sein». Die Gefahr sei erst nach rund einer halben Stunde «ausreichend Regen» gebannt: «Dann sind die Pollenpartikel aus der Luft gewaschen.»
Auch D'Amato hält dies für den effektivsten Weg, Gewitterasthma vorzubeugen: «Jene, die sich während des Gewitters in geschlossenen Räumen aufhalten, sind nicht betroffen.»

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Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen/AI, Data und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.