Strafbefehl akzeptiert: Embolo nicht in der Nations-League-Aufstellung

Auch Breel Embolo verpasst die Nations-League-Spiele – der Schweizer Fussball macht gerade gar keine gute Falle

Der Stürmer reist nicht zum Nationalteam, weil ihn eine alte Geschichte um ein gefälschtes Covid-Zertifikat einholt. Auch der SFV sieht in der Sache alt aus.

25.09.2026, 20.21 Uhr

5 Leseminuten

Aktualisiert


Breel Embolo sollte nach dem Auftaktspiel gegen Nordmazedonien zur Nationalmannschaft stossen. Nun bestreitet die Schweiz den Zusammenzug ohne ihn.

Breel Embolo sollte nach dem Auftaktspiel gegen Nordmazedonien zur Nationalmannschaft stossen. Nun bestreitet die Schweiz den Zusammenzug ohne ihn.

Arne Amberg / Imago

Eigentlich ist Murat Yakin am Freitagabend ja nach Skopje gekommen, um über die Nations-League-Begegnung mit Nordmazedonien zu sprechen. Aber über Fussball wird im Zusammenhang mit dem Schweizer Nationalteam gerade kaum einmal geredet. Es geht in diesen Tagen öfter einmal um Spieler, die gar nicht anreisen. Granit Xhaka, natürlich. Und, wie es ein paar Stunden zuvor bekanntgeworden war: auch Breel Embolo, der Stürmer.

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Und so sitzt Yakin an diesem Abend im Stadion von Skopje, und irgendwann ruft er in Erinnerung, dass morgen noch ein Spiel stattfinde, «einfach zur Information».

Es ist noch nicht lange her, dass der Schweizerische Fussballverband (SFV) den grössten Erfolg seiner Geschichte feierte; im Sommer erreichte die A-Nationalmannschaft den WM-Viertelfinal. Jetzt muss der Verband eine Krise nach der anderen moderieren. Den Rücktritt von Noah Okafor wegen eines Zerwürfnisses mit Murat Yakin. Die Impfaffäre um Granit Xhaka, den Captain.

Am Freitag meldet der SFV dann schon wieder, dass ein Nationalspieler wegen einer Affäre aus seinem Privatleben nicht zum Team stossen werde. Es ist bereits die zweite solche Mitteilung innerhalb von fünf Tagen, was mutmasslich einen Rekord in der Schweizer Fussballgeschichte darstellt.

Diesmal geht es um Breel Embolo und um eine Geschichte, die in ihren Grundzügen bereits bekannt war. Sie war 2024 publik geworden, im Zusammenhang mit dem Prozess gegen ein früheres Mitglied der Hells Angels. Embolo soll von ihm im Jahr 2021 gefälschte Covid-Zertifikate bezogen haben.

«Schweiz heute» berichtet am Freitag, dass gegen den Stürmer in diesem Zusammenhang im November 2025 ein Strafbefehl wegen mehrfacher Anstiftung zur Urkundenfälschung erlassen worden sei. Der Verfasser ist die Basler Staatsanwaltschaft, die eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 3000 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren verhängt hat.

Es dauert nach dem Erscheinen des Artikels nur ein paar Minuten, bis der SFV per Medienmitteilung bekanntgibt, dass Embolo nicht wie geplant nächste Woche zur Nationalmannschaft stossen werde. Laut dem SFV hat Embolo den Verband Mitte Woche über die «in den Medien bekanntgewordene Angelegenheit aus seinem Privatleben» informiert. Daraufhin habe die Verbandsführung entschieden, dass Embolo nicht wie geplant zum Team stossen werde.

Die Tonalität ist bei Embolo anders als bei Xhaka

Der Vorgang ist aus verschiedenen Gründen interessant. Einerseits, weil der SFV im Umgang mit Embolo eine andere Tonalität anschlägt als ein paar Tage zuvor bei Xhaka. Damals hiess es, man habe im Gespräch mit dem Captain entschieden, dass dieser nicht zum Zusammenzug komme. Das Wort «gemeinsam» findet sich in der kurzen Medienmitteilung drei Mal. In Embolos Fall heisst es nun, dass der Entscheid des SFV, auf ihn zu verzichten, vom Nationalmannschaftsdirektor Pierluigi Tami «mitgeteilt» worden sei.

Man kann daraus einen gewissen Ärger im SFV über den Vorgang herauslesen. Und einen Geduldsfaden vor sich sehen, der allmählich reisst. Wobei Adrian Arnold, der SFV-Sprecher, betonte, dass Embolo nur für diesen Zusammenzug nicht aufgeboten werde.

Der Stürmer sorgte in der Vergangenheit schon öfter für negative Schlagzeilen und ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen mehrfacher Drohung. Allerdings macht auch der Verband selbst in der Angelegenheit keine gute Figur. Dass sich Embolo gefälschte Covid-Zertifikate besorgt haben soll, steht seit dem Prozess im Jahr 2024 im Raum. Dennoch hat der SFV die Sache offensichtlich bis vor kurzem nicht selbst auf dem Radar gehabt.

Das ist zumindest erstaunlich. Und wirft nicht zum ersten Mal die Frage auf, ob der Verband im Umgang mit seinen wichtigsten Fussballern seine Hausaufgaben erledigt.

Bereits im Sommer waren daran Zweifel entstanden, und auch damals ging es um Breel Embolo. Der Stürmer stand Anfang Juni schon am Flughafen Zürich, um an die WM in Nordamerika zu reisen. Doch dann stellte sich heraus, dass Embolos Esta-Einreisebewilligung nicht mehr gültig war. Die amerikanischen Behörden hatten wegen der Verurteilung wegen mehrfacher Drohung noch Fragen.

Der SFV wurde davon überrascht. Und wirkte nicht sehr professionell, weil er angesichts der Vorgeschichte nicht von Anfang an den sicheren Weg gewählt und ein Visum für Embolo beantragt hatte. Embolo musste auf der amerikanischen Botschaft in Bern vorsprechen und konnte schliesslich mit ein paar Tagen Verspätung doch noch in die USA reisen.

Jetzt wurde der SFV schon wieder von einer Embolo-Affäre überrascht. Und wehrt sich dagegen, etwas verpasst zu haben. Noch einmal Adrian Arnold, der in Skopje rhetorisch fragt: «Müssen wir bei jedem Spieler nachfragen, ob ein Verfahren läuft oder nicht?» Und die Frage dann selbst beantwortet und sagt, es wäre die Aufgabe Embolos gewesen, den Verband zu informieren.

Die Umstände zwingen Yakin zu Änderungen

Auch wenn es gerade kaum einmal um Fussball geht: Am Samstag spielen die Schweizer gegen Nordmazedonien, in den kommenden Wochen folgen drei weitere Nations-League-Partien gegen Schottland, Slowenien und erneut Nordmazedonien.

Nach all den Affären im Vorfeld finden die Begegnungen unter besonderen Vorzeichen statt. Aber irgendwie hat es auch seinen Reiz, dass mit Embolo und Xhaka, den beiden Freunden aus Basel, zwei der wichtigsten Fussballer fehlen. Und mit Denis Zakaria, der sich in jüngerer Zeit als Rechtsverteidiger etabliert hatte, ein anderer Stammspieler. Dazu ist mit Ricardo Rodriguez ein weiterer Routinier mit wenig Spielpraxis zum Nationalteam gestossen.

Die Umstände zwingen den Nationaltrainer Yakin zu Änderungen. Vielleicht spielen gegen Nordmazedonien die jungen Aussenverteidiger Sascha Britschgi und Zachary Athekame, die beide in der Serie A unter Vertrag stehen. Und vielleicht darf für Embolo der junge Winsley Boteli vom FC Sion stürmen.

Dann ist da noch Ardon Jashari, der die besten Chancen hat, Granit Xhakas Platz in den nächsten Spielen zu erben. Der Mittelfeldspieler gilt schon länger als designierter Nachfolger des Captains, aber im Nationalteam konnte er sich bisher nicht entfalten. Nun fehlt Xhaka. Für Jashari geht ein Fenster auf.

In der Nations League treten die Schweizer nach ihrem Abstieg vor zwei Jahren nur noch in der zweithöchsten Liga an. In ihrer Gruppe sind sie der Favorit. Das gilt auch für das Spiel vom Samstag in Skopje gegen Nordmazedonien, den schwächsten Gegner.

Es ist noch nicht lange her, dass der Trainer Yakin die Nations-League-Partien nicht wirklich als Pflichtspiele verstand und das auch kaum verheimlichte. Doch jüngst mass er ihnen mehr Bedeutung zu. Was auch daran liegt, dass es vom Schweizer Abschneiden abhängt, ob sie es bei der Auslosung der EM-Qualifikationsgruppen im Dezember in den zweiten Lostopf schaffen. Das würde ihnen einen einfacheren Weg ans Turnier 2028 in Grossbritannien verschaffen.

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