Audi zieht "Schlechtwetterklausel" für Werk in Neckarsulm
Stand: 08.10.2026 • 20:07 Uhr
Audi steckt in der Krise. Für das Werk im baden-württembergischen Neckarsulm will der Autobauer deshalb mit den Arbeitnehmern über weitere Einsparungen verhandeln - und die sogenannte Schlechtwetterklausel einsetzen.
Von Luca Bauer
Zum ersten Mal nach der Ankündigung der Sparpläne bei VW hat sich Konzernchef Oliver Blume am Donnerstag der Belegschaft des bedrohten Audi-Werks in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) gestellt. Dabei wurde er teilweise ausgebuht.
Der Belegschaft wurde bei der Versammlung mitgeteilt, dass Audi die sogenannte "Schlechtwetterklausel" ziehen möchte. Damit kann über weitere Einsparungen verhandelt werden. Über betriebsbedingte Kündigungen vor 2033 soll nicht verhandelt werden, erklärte der Betriebsrat dem SWR.
Schlechtwetterklausel: Zukunftsvereinbarung bei Audi in Neckarsulm soll neu verhandelt werden
Bislang hat eine Zukunftsvereinbarung zwischen dem Konzern und der IG Metall die Belegschaft abgesichert und betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2033 ausgeschlossen. Die "Schlechtwetterklausel" bei Audi ist eine im Zukunftspakt des Unternehmens vereinbarte Regelung, die festlegt, dass Geschäftsführung und Betriebsrat in Verhandlungen über Sparmaßnahmen treten müssen, wenn sich wesentliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen deutlich verschlechtern. Das sei nun der Fall, so Döllner.
Damit kann dann über Stellenabbau und Arbeitsbedingungen verhandelt werden. Audi hatte die Klausel bereits 2024 angewendet. Als Ergebnis entstand die Zukunftsvereinbarung von März 2025. Darin wurden unter anderem betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2033 ausgeschlossen. Dafür werden bis 2029 rund 7.500 Stellen sozialverträglich abgebaut. Nun sollen die beschlossenen Punkte neu verhandelt werden. Betriebsbedingten Kündigungen vor Ende 2033 sind laut Betriebsrat von der Klausel ausgenommen.
Alexander Reinhardt, Betriebsratschef des Audi-Standorts Neckarsulm, erklärte, dass aktuell eine Überprüfung laufe, ob die entsprechenden Voraussetzungen zum Ziehen der Klausel gegeben sind. Sollte dies der Fall sein, wäre der Betriebsrat bereit, in weitere Gespräche im Sinne der Zukunftsperspektive des Standorts einzusteigen.
Es gab aber auch etwas Hoffnung für die Mitarbeitenden bei der Betriebsversammlung. Laut Blume ist der Konzern durch viele Maßnahmen und Einsparungen in zweistelliger Milliardenhöhe stärker geworden. Sie würden beginnen zu wirken, auch wenn vieles davon nicht sichtbar sei.
Audi A8 soll in Leipzig statt in Neckarsulm produziert werden
Audi-Chef Gernot Döllner betonte, dass das Neckarsulmer Werk zwar bedroht sei, aber die Last nicht alleine tragen müsse. Denn auch der Audi-Stammsitz in Ingolstadt müsse beim Sparen mitziehen. Laut Döllner müssen die Kosten gesenkt werden und gleichzeitig muss das Unternehmen gezielt in Wachstum investieren.
Neckarsulm verfügt über große industrielle Kompetenz und eine beeindruckende Geschichte. Aber Tradition allein sichert keine Zukunft. Audi-Chef Gernot Döllner
Weiterhin könnten ab 2034 die Bänder stillstehen, da bislang für diese Zeit keine Baureihen für das Werk eingeplant sind. Ende 2033 laufen die aktuell in Neckarsulm produzierten Modelle A5 und A6 aus, noch in diesem Jahr der A8. Der A8-Nachfolger möchte VW wohl eher in Leipzig bei Porsche produzieren. Dort sollen Synergieeffekte bei der Herstellung genutzt werden.
Zukunft von Audi in Neckarsulm großes Thema
Die Sparpläne sorgen sowohl bei den rund 15.000 Beschäftigten als auch in der gesamten Region für Zukunftsängste. Deshalb wurde zuletzt auch die "Allianz für Audi Neckarsulm" ins Leben gerufen. Sie wurde von Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig (SPD), dem Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD) und Landrat Norbert Heuser (parteilos) gegründet.
Die Allianz setzt sich aus verschiedenen Entscheidern aus Wirtschaft und Politik der Region zusammen. Das Bündnis will zusammen Vorschläge erarbeiten, wie im Audi-Werk Neckarsulm die Kosten gesenkt und bestehende Kompetenzen ausgebaut werden können.