Verschwunden in Containern? Die Suche nach den Bocholter Theaterstühlen geht weiter

Deshalb führt uns unsere Suche nach Hannover. Dort war der Polsterer ansässig, als er sich auf die Ausschreibung der Stadt Bocholt beworben hatte. Das Schaufenster am Firmensitz ist abgeklebt. In Kürze soll hier ein Barbershop eröffnen.

An den Polsterer kann sich eine Nachbarin gut erinnern, die hier einen Friseursalon betreibt.

Junger Unternehmer hat den Auftrag erhalten

"Der war ganz jung, Anfang dreißig", sagt Nilofar Tofighmanesh. Das Geschäft habe es schon länger gegeben.

Die Adresse in Hannover ist die, die der Stadt Bocholt bekannt ist. Die Sanierung hatte sich hingezogen. Der Auftrag wurde schon 2021 vergeben. Die Stühle wurden daraufhin auftragsgemäß abgebaut. Doch dass der Polsterer kurze Zeit später seinen Firmensitz verlegte, bemerkte die Stadt zunächst nicht.

Kontakt wurde schwierig

Der Austausch mit ihm sei anfangs problemlos verlaufen, sagt der Bocholter Stadtbaurat Dave Welling.

Baudezernent Dave Welling schaut in die Kamera
"Der Restaurationsfortschritt wurde sogar per Bilder dokumentiert." Dave Welling, Bocholter Stadtbaurat

"So gab es für uns auch keinen Anlass, zu hinterfragen, ob die Leistung fachgerecht durchgeführt wird", sagt Welling weiter.

Erst als 2025 erneut eine Rechnung für die Lagerung der Stühle ins Haus flatterte - die Stadt hatte bis dahin bereits 190.000 Euro für Abbau, Lagerung und Material bezahlt - wollte die Stadt nochmal jemanden zur Begutachtung vorbeischicken. Doch der Polsterer habe darauf unfreundlich reagiert.

Staatsanwaltschaft liegen mehrere Anzeigen vor

Laut Staatsanwältin Christine Wotschke liegen bereits mehrere Anzeigen gegen den Mann bei anderen Staatsanwaltschaften vor. Der Polsterer sei in Deutschland nicht mehr auffindbar. Das Verfahren wurde deshalb vorläufig eingestellt. Erst, wenn ein deutlicher Verdacht besteht, dass er im Ausland untergetaucht ist, soll er europaweit zur Fahndung ausgeschrieben werden.

Möbel nach Osteuropa gebracht?

In Sarstedt wird gemunkelt, dass der Polsterer die ihm anvertrauten Möbel in einem anderen Land bearbeiten ließ. Vermutlich in Osteuropa. Keine Seltenheit, sagt Pierre Marcel Stolle, der Innungsobermeister für das Raumausstatter- und Sattlerhandwerk in Niedersachsen.

Der gesuchte Polsterer war kein Innungsmitglied und hatte offenbar auch keinen Meisterbetrieb. "Ein Einzelunternehmer bräuchte für 650 Stühle fast zwei Jahre", so der Experte. Die Behauptung, dass der Mann die Stühle in Ländern aufpolstern ließ, in denen die Arbeit günstiger ist, hält er für denkbar.

Der Bocholter Stadtbaurat Dave Welling findet das nicht verwerflich. Es sei nicht unüblich, das Unternehmen andere Subunternehmen im Ausland hinzuziehen, um einen großen Auftrag erledigen zu können.

Kein Grund für Misstrauen seitens der Stadt

Die Referenzen seien ausgiebig überprüft worden. Ein Stuhl sei bereits gepolstert worden. Stadtmitarbeiter hatten die Arbeit für gut befunden. Nur blieb es leider bei dem einen Exemplar.

Stühle lagern vielleicht in einem Container

Dass die Stühle je wieder auftauchen, gilt als unwahrscheinlich. Die Stadt hat bereits 800.000 Euro für einen Ersatz der Stühle eingeplant.

Doch der Innungsobermeister aus Hannover, Pierre Marcel Stolle, würde die Hoffnung nicht aufgeben:

"Die können nicht weg sein. Wegschmeißen wird die keiner. Es ist ja ein Wert, irgendeiner will ja daran Geld verdienen." Pierre Marcel Stolle, Innungsobermeister

Doch ob derjenige davon weiß, dass die Stühle der Stadt Bocholt gehören?