Ausbildungsmarkt St. Wendel: Mehr Bewerber als Stellen – Lehrstellenmangel spitzt sich zu
Ausbildungsmarkt St. Wendel Mehr Bewerber als Stellen – Lehrstellenmangel spitzt sich zu
Im Landkreis St. Wendel suchen 439 Jugendliche einen Ausbildungsplatz – doch nur 385 Stellen sind gemeldet. Die Zahl der Lehrstellen ist um 38 Prozent eingebrochen.
16.08.2026 , 07:14 Uhr
Im Landkreis St. Wendel haben sich insgesamt 16 Jugendliche für den Ausbildungsberuf Maler/Lackierer beworben.
Foto: picture alliance / dpa/Patrick Pleul
Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt im Landkreis St. Wendel hat sich im Vergleich zum Vorjahr verschärft: Zwar ist die Zahl der Ausbildungssuchenden deutlich zurückgegangen, doch die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist noch stärker gesunken. Damit gibt es aktuell mehr junge Menschen, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, als verfügbare Stellen. Diese Bilanz zieht Stefan Müller-Recktenwald, Sprecher der Agentur für Arbeit Saarland. Auf Nachfrage der Saarbrücker Zeitung hat er die Statistiken zum Ausbildungsmarkt genauer unter die Lupe genommen und die momentanen Entwicklungen eingeordnet.
385 Ausbildungsstellen im Landkreis St. Wendel
Demnach meldeten Unternehmen im Ausbildungsjahr 2025/26 bislang nur 385 Ausbildungsstellen im St. Wendeler Land. „Das sind 232 weniger Ausbildungsstellen – also minus 38 Prozent – als im Vorjahr“, konkretisiert Müller-Recktenwald. Demgegenüber stehen 439 Jugendliche, die sich bis Ende Juli bei der Agentur für Arbeit Saarland ausbildungssuchend gemeldet haben. Das sind 104 (minus 19 Prozent) weniger als 2025.
Diese Schulabschlüsse haben die Bewerber
Was sich nicht verändert hat: Auch dieses Mal haben die meisten Bewerberinnen und Bewerber wieder einen Realschulabschluss. Insgesamt nämlich 165 (minus 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Insgesamt 107 Jugendliche (minus 32 Prozent), die eine Lehrstelle suchen, können eine (Fach-)Hochschulreife vorweisen. 141 Heranwachsende (minus neun Prozent) bewerben sich derweil mit einem Hauptschulabschluss. Darüber hinaus haben laut Müller-Recktenwald 19 Jugendliche (minus 17 Prozent) keinen Schulabschluss und bei sieben (minus 22 Prozent) liegen keine Angaben vor.
149 Jugendliche suchen noch Lehrstellen
Von all den Bewerbern haben 149
noch keine Ausbildungsstelle oder anderweitige Alternative wie etwa ein duales Studium gefunden. „Bis Ende September wird die Zahl noch sinken“, ist sich der Sprecher sicher. Gleiches gelte für die Zahl der unbesetzten Lehrstellen. Nach Angaben von Müller-Recktenwald waren Ende Juli 150 Lehrstellen unbesetzt. Die meisten freien Plätze im Landkreis St. Wendel gebe es in folgenden Bereichen:
- Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz. (45)
- Verarbeitenden Gewerbe (29)
- Freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (27)
- Baugewerbe (elf)
- Gastgewerbe (elf)
- Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (elf)
- Gesundheits- und Sozialwesen (acht).
Bewerbung jetzt noch möglich
Die Ausbildungen beginnen im August oder September. „Aber auch jetzt haben Jugendliche noch gute Chancen, eine Ausbildungsstelle im Landkreis St. Wendel anzutreten, denn ein späterer Einstieg ist oft auch nach dem offiziellen Start eines Ausbildungsjahres noch möglich“, betont Müller-Recktenwald. Dazu gehörten das Interesse des jeweiligen Betriebes und das Einverständnis der zugehörigen Kammer. Die Berufsberaterinnen und Berufsberater der Agentur für Arbeit Saarland informieren und unterstützen Jugendliche rund um Fragen zu Ausbildung und (dualem) Studium oder zeigen weitere Möglichkeiten auf, wie den Besuch von weiterführenden Schulen.
Berufsberatung bietet Unterstützung
„Für Beratungswünsche vergibt die Berufsberatung auch kurzfristig Termine“, merkt der Sprecher an. Ein Termin kann online per Kontaktformular unter www.mein-beruf.de oder über die gebührenfreie Servicerufnummer 08 00 4 55 55 00 vereinbart werden. „Auf der Mein-Beruf-Webseite finden Interessierte zudem hilfreiche Angebote zu den Themen Ausbildung, Studium und Bewerbung“, sagt Müller-Recktenwald.
Sich ausführlich und regelmäßig zu informieren, lohne sich. Denn: „Ausbildungsberufe werden regelmäßig modernisiert oder neu geordnet, um sie an Veränderungen in der beruflichen Praxis anzupassen“, sagt der Sprecher. Ab Januar 2027 werde es zum Beispiel einen neuen Ausbildungsberuf zum Pflegefachassistenten geben. Dieser ersetze die folgenden bisherigen Ausbildungen: Altenpflegehelfer, Gesundheits- und Krankenpflegehelfer sowie Pflegeassistent. Im Gegensatz dazu wurden die Ausbildungsberufe Kaufmann im Eisenbahn- und Straßenverkehr sowie Tankwart zum 1. August aufgehoben. (evy)
Hinweis: Basis für diesen Artikel sind die Ausbildungsmarktzahlen Stand Juli 2026. Die aktuellen Zahlen sind nur vorläufig, da das Ausbildungsjahr erst Ende September endet.