Bewegende Schicksale jüdischer Familien: Langenfelder Forscher vom Auschwitz Komitee geehrt

Ein jüdisches Schicksal aus Langenfeld: die Familie Zade. Hugo Zade, ein Arzt, 1907 von Berlin nach Langenfeld gezogen, Mitglied der "Theaterkommission", Träger des Verdienstkreuzes für Kriegshilfe.

Dann kommen die Nationalsozialisten an die Macht. Ab 1935 wird seine Praxis boykottiert, er muss als Arzt aufgeben. Zade verlässt mit seiner Familie die Stadt, wird Arzt im Jüdischen Krankenhaus in Köln. Aber er entgeht dem Nazi-Terror nicht: 1941 wird er mit seiner Frau Marta ins Ghetto Litzmannstadt deportiert und vermutlich im Jahr 1944 in Auschwitz ermordet.

Es sind diese Schicksale, die den Langenfelder Historiker Günter Schmitz zutiefst berühren.

Ein Portrait des Langenfelder Forschers Günter Schmitz
"Die Kühle des Historikers blieb irgendwann auf der Strecke. Es waren ja fast immer anrührende Geschichten, die man erlebt hat." Günter Schmitz, Historiker aus Langenfeld

Aus Namen werden Schicksale

Ein besonderer Ort hatte seinen Forscherdrang geweckt: der jüdische Friedhof im Stadtteil Richrath. Ruhig gelegen zwischen Bäumen, am Rand der Stadt. Dort war Schmitz mit seiner Frau Ingrid oft mit dem Fahrrad vorbeigekommen. Der Friedhof mit seinen etwa 50 erhaltenen Gräbern wurde zum Ausgangspunkt der Recherchen.

Größte Auszeichnung des Internationalen Auschwitz Komitees

Der Langenfelder Günter Schmitz steht nun in einer Reihe mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem britischen König Charles, und Papst Franziskus.

Forscherarbeit dient auch als Warnung für die Gegenwart

Der Geschichtsverein Kulturgut e.V. in Langenfeld hatte Günter Schmitz für die Ehrung vorgeschlagen. Ohne seine Lebensleistung als Chronist jüdischen Lebens in Langenfeld gäbe es den Verein nicht, sagt die Vorsitzende, Annemarie Hubert.

Ein Portrait einer Frau vor einem Fenster
"Es ist so traurig, darüber zu reden. Aber es ist leider so, dass Antisemitismus und Rassismus wieder hochkommen, und es ist so wichtig, daran zu arbeiten, dass wir die Wurzeln dessen kennen, vor allem in der eigenen Stadt." Annemarie Hubert, Kulturgut e.V. Langenfeld

Günter Schmitz hält noch viel Kontakt zu den Nachfahren der Familien, die den Holocaust überlebt haben. Zur Preisverleihung am Samstag wird auch ein Enkel von Hugo und Marta Zade nach Langenfeld kommen.