Ausgerechnet in der Moschee: AfD landet in besonderem Wahllokal auf Platz 1

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Alle waren sie da: die Deutsche Presse-Agentur (dpa), Reuters, diverse Berliner Lokalmedien und sogar Al Jazeera. Ein wenig pathetisch ließe sich sagen, dass am Wahlsonntag die Augen der Welt auch ein bisschen auf die Khadija Moschee im Pankower Ortsteil Heinersdorf gerichtet waren. Der Gemeinderaum, wo sonst Sitzungen und Koranunterricht stattfinden, war zum Wahllokal 504 umfunktioniert worden. Das Bild der Kaaba in Mekka hatten Gemeindevertreter abgenommen und passend zum Anlass die Fahnen Berlins, Deutschlands und der Europäischen Union aufgehängt.

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„Kirchen und andere religiöse Einrichtungen sind schon längst als Wahllokale aktiv, und in dem Sinne ist es eine Art der demokratischen Neutralität oder der demokratischen Normalität, dass jetzt auch die Moschee als Wahllokal fungiert“, sagte Scharjil Khalid, Imam und islamischer Theologe in der Khadija-Moschee, am Wahltag. Das Wahllokal auf dem Gelände der Moschee sei ein Zeichen, dass der Islam und Muslime zu Berlin und Deutschland gehörten.

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AfD mit starkem Ergebnis – was der Imam sagt

Eine Partei, die das anders sieht, hat nun ausgerechnet in diesem Wahllokal besonders stark abgeschnitten. Die AfD erreichte 34,4 Prozent der Zweitstimmen und damit vor der Linken (19 Prozent) das stärkste Ergebnis. „Im ersten Moment fühlt es sich ein Stück weit so an, als hätten wir mit unserer jahrelangen Nachbarschaftsarbeit manche Menschen nicht erreicht. Gleichzeitig wäre es zu einfach, aus einer Wahlentscheidung automatisch auf die Haltung eines Menschen gegenüber Muslimen oder unserer Moschee zu schließen. Menschen wählen Parteien aus ganz unterschiedlichen Gründen“, erklärte Imam Scharjil Khalid das für die muslimische Gemeinde wenig erfreuliche Ergebnis.

Einige Berliner Wählerinnen und Wähler durften ihre Stimme am Sonntag auf dem Gelände einer Moschee in Berlin-Pankow abgeben.

Einige Berliner Wählerinnen und Wähler durften ihre Stimme am Sonntag auf dem Gelände einer Moschee in Berlin-Pankow abgeben. © dpa | Christoph Soeder

Die AfD bekennt sich in ihrem Programm zwar zur im Grundgesetz verbürgten Religionsfreiheiheit, macht aber immer wieder mit islamfeindlichen Tiraden Stimmung gegen Muslime.

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Wahllokal auf Moscheegelände in sozialen Medien kritisiert

Das Wahllokal im Gemeinderaum der Moschee war besonders in sozialen Medien auch kritisiert worden. Kritiker forderten eine klare Trennung von Staat und Religion. Dem hielt der Imam entgegen, dass ebenso Kirchen und andere christliche Räume als Wahllokale genutzt würden.

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Auch der Leiter des zuständigen Bezirkswahlamts Pankow, Marc Albrecht, sagte vor der Wahl: „Das ist alles Teil unserer Gesellschaft.“ Neben muslimischen Räumen werde auch in christlichen und jüdischen Gemeinderäumen gewählt. „Wir brauchen viele Wahllokale. Wir stehen für einen vielfältigen Bezirk und haben daher auch Wahllokale in vielfältigen Objekten“, sagte Albrecht.

tok mit dpa