Ausstellung zum Gedenken an Dr. Kurt Reuber: Aus den Trümmern von Stalingrad über Niedergailbach nach Kassel: Die Geschichte der Friedensmadonna
Ausstellung zum Gedenken an Dr. Kurt Reuber Aus den Trümmern von Stalingrad über Niedergailbach nach Kassel: Die Geschichte der Friedensmadonna
Die Plastik der „Stalingrad-Madonna“ aus Niedergailbach ist Teil einer Ausstellung in Kassel zum Gedenken an Dr. Kurt Reuber. Sie ist ein Zeichen für Frieden und Versöhnung.
18.09.2026 , 14:00 Uhr
Die Plastik der Niedergailbacher Stalingrad-Madonna ist ein Teil der Ausstellung „Menschlich in unmenschlichen Zeiten“ in Kassel. Hingebracht hatten sie (von links) Roland Schneider, Herbert Buhr und Stefan Selgrad.
Foto: Herbert Buhr
Von Wolfgang Degott
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Es ist ein Bild, das Krieg, Leid und die Hoffnung auf Frieden miteinander verbindet: Die Stalingrad-Madonna des Kasseler Arztes und Theologen Kurt Reuber. Sie steht im Mittelpunkt der Ausstellung „Menschlich in unmenschlichen Zeiten“ in Kassel. Zur Vernissage reiste auch eine Delegation aus Niedergailbach, bestehend aus Herbert Buhr, Mitglied des Pfarreirates und des Gemeindeausschusses Reinheim/Niedergailbach, Stefan Selgrad, Mitglied des Verwaltungsrates, und dem ehemaligen Mitglied Roland Schneider.
Auch Porträts russischer und ukrainischer Zivilisten werden gezeigt
Sie brachten „ihre“ Stalingrad-Madonna mit, die seit Jahrzehnten in der Friedenskapelle des Grenzdorfes ihren Platz hat. Das Bildungsforum Sankt Michael des Bistums Fulda erinnert mit der Ausstellung an Reuber, der 1906 in Kassel geboren wurde und dessen 120. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird. Rund 40 Exponate geben Einblick in das Leben des Arztes, Theologen und Künstlers. Zu sehen sind neben Aquarellen und Kohlezeichnungen auch Porträts russischer und ukrainischer Zivilisten. Sie zeugen von Reubers Tätigkeit als Arzt, der während des Krieges auch die Zivilbevölkerung behandelte, und von seinem Wirken als Seelsorger.
Berühmt wurde er durch jene Zeichnung, die er Weihnachten 1942 im Kessel von Stalingrad anfertigte. Mit einem Kohlestift zeichnete der als Truppenarzt eingesetzte Theologe auf die Rückseite einer sowjetischen Landkarte eine Mutter, die ihr Kind schützend in ihren Mantel hüllt. „Licht, Leben, Liebe“ schrieb er an den Rand. Inmitten von Hunger, Kälte und Tod sollte das Bild den eingeschlossenen Soldaten Hoffnung geben. Er geriet 1943 in sowjetische Gefangenschaft und starb im Jahr 1944 im Lager Jelabuga.
Stalingrad-Madonna wurde Zeichen für Frieden und Versöhnung
Dort befand sich von 1943 bis 1945 auch der Niedergailbacher Alfons Wilbert in Gefangenschaft. Er überlebte und entwickelte eine besondere Beziehung zu Reuber und dessen Madonna. Diese Verbindung spielte eine wichtige Rolle, als in Niedergailbach nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Marienbild für die 1816 errichtete und schwer beschädigte Kapelle gesucht wurde. Sie wurde nach einer umfassenden Renovierung durch Pfarrer Hugo Vogelgesang 1969 als Friedenskapelle eingeweiht.
Die Wahl fiel auf die Stalingrad-Madonna und wurde für das Grenzdorf zum sichtbaren Zeichen für Frieden und Versöhnung. Buhr erinnerte an deren Geschichte. Der Schweizer Friedensheiliger Nikolaus von Flüe, unter dessen Patronat die Niedergailbacher Pfarrkirche steht, und die Madonna seien Ausdruck derselben Sehnsucht: Frieden mit den Nachbarn und ein Ende von Krieg und Gewalt. (loz/ten)
Die Ausstellung ist bis Mitte Oktober im Regionalhaus Adolph Kolping, Die Freiheit 2, Kassel, zu sehen. Geöffnet ist sie montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr, der Eintritt ist frei.