AWOL Valerion Pro 2 im Test: So wird jeder Fernseher zum Winzling

Okay, ich muss zugeben: Ich bin auf den Geschmack gekommen. Nachdem ich einen Projektor für knapp 1.000 Euro getestet habe, wage ich mich nun in die nächste Preisklasse. Der AWOL Valerion Pro 2 kostet normalerweise weit über 2.000 Euro, ist aktuell aber für 1.999 Euro erhältlich. Was bietet er fürs Geld und auf welche Details müsst ihr achten?
„VisionMaster Pro2 ist für hochwertiges Home Entertainment, Filmabende und reaktionsschnelles Gaming konzipiert“, heißt es vom Hersteller. „Er kombiniert 4K-RGB-Triple-Laser-Projektion, Dolby Vision, HDR10+, IMAX Enhanced und niedrige Eingabeverzögerung.“ Das alles klingt doch gar nicht mal so verkehrt.
Ein kleiner Abstecher: Die motorisierte Projektorleinwand von AWOL
Das Heimkino sollte bei mir zuhause diskret im Wohnzimmer einziehen. Den klassischen Fernseher an der Wand wollte ich für den Alltag aber nicht komplett von der Wand verbannen. Also sollte es zusätzlich dazu eine Leinwand sein. AWOL bietet verschiedene Optionen an, unter anderem auch eine motorisierte Leinwand zur Deckenmontage.
Das 120 Zoll Modell wird links und rechts mit mehreren Schrauben an der Decke angebracht. Ein bisschen handwerkliches Geschick und zwei oder besser vier helfende Hände sind dafür notwendig. Am Ende ist die Montage keine große Sache, allerdings sind mir zwei Dinge nicht ganz so positiv aufgefallen: Es fehlen Abdeckkappen für die beiden Enden und das Stromkabel ist definitiv zu kurz. Leider hat das auch einen speziellen Anschluss, so dass man nicht einfach zu einem anderen Kabel greifen kann. Hier muss ich mir noch etwas einfallen lassen.

Ansonsten punktet die Leinwand mit einer Laser-Speckle-Optimierung speziell für die Projektoren von AWOL und einem 50 Zentimeter langen Vorlauf. So kann die Leinwand angenehm tief nach unten gefahren werden und hängt nicht direkt unter der Decke. Außerdem gibt es einen kleinen USB-Dongle, der in den Projektor gesteckt werden kann – und die Leinwand so automatisch herunterfährt, wenn es losgehen soll. Alternativ kann man das auch manuell mit einer kleinen Fernbedienung machen.
Einfache Einrichtung des AWOL Valerion Pro 2
Hat man eine passende Fläche zur Projektion geschaffen, geht es mit der Einrichtung des Projektors selbst weiter. Dieser kann optional auf einen großen Standfuß gestellt oder mit einer Halterung an der Decke befestigt werden. Ich habe den AWOL Valerion Pro 2 der Einfachheit halber einfach auf den Couchtisch gestellt. Hier hat man relativ schnell die richtige Position gefunden, dabei hilft auch ein ausklappbarer Standfuß an der Unterseite des Geräts.

Ohne komplett festen Platz ist nach dem Start eine Bildausrichtung notwendig. Die startet automatisch und hat in 75 Prozent der Fälle sehr gut funktioniert. Ein manches Mal musste ich manuell nachjustieren, wenn man aber schon eine ordentliche Aufstellposition gefunden hat, ist das eine Sache von 20 bis 30 Sekunden. Hier hilft definitiv auch der optische Zoom, der das Bild ein wenig vergrößern oder verkleinern kann, ohne dass die Bildqualität darunter leidet.
Obwohl ich ein Fan von meinem Apple TV bin, sehe ich keinen Grund, noch ein zusätzliches Gerät am Projektor anzuschließen. Grund dafür sind die integrierte Google TV Oberfläche und die ordentliche (aber nicht perfekte) Fernbedienung. Man findet alle Apps, kann schnell zwischen den Favoriten wechseln und sobald man einmal „drin“ ist, gibt es ja keinen wirklichen Unterschied zwischen Netflix auf Google TV oder Apple TV.
Wenn die Kinder mal eine Serie schauen oder ich einfach nur ein bisschen abschalten möchte, sind auch die integrierten Lautsprecher absolut in Ordnung. Natürlich reden wir hier nicht von HiFi-Qualität, aber um abends mal ein wenig Fernsehen zu schauen, passt das absolut. Wenn ich mehr Klang haben möchte, etwa für einen Film, dann schließe ich den AWOL Valerion Pro 2 per HDMI eARC an meine Sonos Arc Soundbar an. Das ist dann natürlich schon ein Unterschied.

Neben dem eARC-Anschluss bietet der Projektor zwei weitere HDMI-Anschlüsse, für PlayStation, BluRay-Player oder andere Geräte ist also genügend Platz. In Sachen Konnektivität bekommt ihr zudem zwei USB-Ports, Bluetooth 5.2, WiFi 6E, zwei Audioausgänge (S/PDIF und 3,5mm) und einen LAN-Port.
Die wichtigsten technischen Details auf einen Blick
Beim Bild setzt der AWOL Valerion Pro 2 auf einen DLP-Chip in Kombination mit einer RGB-Triple-Laser-Lichtquelle. Die 4K-Auflösung mit 3.840 x 2.160 Pixeln wird per Pixel-Shifting erzeugt. Das klingt zunächst nach Datenblatt, sorgt in der Praxis aber vor allem dafür, dass auch auf einer großen Leinwand viele Details erhalten bleiben. Gerade bei meinem 120 Zoll großen Bild wirkt die Darstellung angenehm scharf und nicht so, als hätte man einfach ein Fernsehbild in die Länge gezogen.
Noch wichtiger ist im Alltag die Helligkeit. Valerion gibt hier 3.000 ISO-Lumen an – und das merkt man. Natürlich fühlt sich der (oder besser gesagt jeder) Projektor in einem abgedunkelten Raum am wohlsten, man muss für ein ordentliches Bild aber nicht jedes Mal das Wohnzimmer komplett zur Höhle machen. Auch mit einer ordentlichen Portion Restlicht bleibt das Bild noch gut nutzbar. Wenn tagsüber allerdings die Sonne direkt ins Zimmer scheint, kommen auch 3.000 Lumen irgendwann an ihre Grenzen. Einen Fernseher ersetzt ein Projektor bei solchen Bedingungen eben nicht ganz.


Beim Kontrast verspricht der Hersteller mit seiner dynamischen EBL-Technologie bis zu 15.000:1. Viel wichtiger als die Zahl selbst ist aber, was davon auf der Leinwand ankommt. Dunkle Filmszenen wirken deutlich differenzierter, schwarze Bereiche sehen nicht sofort grau und ausgewaschen aus und helle Elemente können sich stärker davon absetzen. Die RGB-Laser-Technik hilft zusätzlich dabei, Farben sehr intensiv darzustellen. Das war im Vergleich zum günstigeren Projektor schon ein erheblicher Unterschied.
Und auch Gamer kommen auf ihre Kosten. In Full-HD sind bis zu 240 Hertz möglich, bei 120 Hertz gibt Valerion eine Eingabeverzögerung von nur 8 Millisekunden an. Hier sage ich euch aber ganz ehrlich: Mit ein bisschen Apple TV und vielleicht mal der Switch 2 komme ich bei weitem nicht an das heran, was der AWOL Valerion Pro 2 zu leisten im Stande ist.
Gibt es denn gar nichts zu meckern?
Ja, der Ton könnte besser sein und in meinen tiefsten Träumen wäre eine drahtlose und verzögerungsfreie Anbindung zum Sonos-System natürlich eine super Sache. Und natürlich könnte der Projektor in manchen Situationen auch noch ein bisschen heller sein. Aber wir müssen da auch mal die Kirche im Dorf lassen. Gibt es sonst keinen Grund zur Kritik?

Eine Sache, die ich nicht ganz nachvollziehen kann, ist die Fernbedienung. Zunächst macht sie einen hochwertigen Eindruck, da passt eigentlich alles. Es sind sogar Tasten beleuchtet. Aber eben nicht alle. Gerade in einem abgedunkelten Raum wäre es ungemein praktisch, wenn beim Anheben der Fernbedienung alle Tasten beleuchtet wären. Da hat man vielleicht ein paar Euro am falschen Ende gespart.
Ansonsten fällt es in dieser Preisklasse wirklich schwer, irgendwelche superkritischen Dinge zu finden. Ich bin ja nun auch kein echter Heimkino-Experte, aber das dürften auch die wenigsten von euch sein. Ich bin der Überzeugung, dass man beim AWOL Valerion Pro 2 wahnsinnig viel Bild und Leistung für einen noch angemessenen Preis bekommt.