Bahnübergang in Unterlaindern soll schließen: Anwohner protestieren
Stand: 11.08.2026, 06:30 Uhr
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Der geplante Rückbau eines Bahnübergangs sorgt in Unterlaindern für großen Unmut. Anwohner fordern, den Beschluss neu zu prüfen und sie stärker einzubeziehen. Bürgermeister Bernhard Schäfer verweist dagegen auf Sicherheitsvorgaben und fehlenden Handlungsspielraum.
Unterlaindern – Groß ist das Unverständnis in Unterlaindern über einen Beschluss des Valleyer Gemeinderats. Demnach soll der Bahnübergang beim „Vogl Michi“ geschlossen werden. Die Anwohner fordern, dass der Beschluss aufgehoben wird. Bürgermeister Bernhard Schäfer sieht keinen Handlungsspielraum.
Erst vor wenigen Tagen habe man zufällig von den Plänen erfahren, berichtet Anwohnerin Silvia Lechner im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein Gemeindemitarbeiter habe am Feldweg neben der Bahnlinie mit einer Spraydose Markierungen gesetzt. Auf die Frage ihres Mannes, was der Grund dafür sei, habe der Mitarbeiter geantwortet, dass es einen Beschluss des Gemeinderats zur Schließung des Bahnübergangs gebe. Daraufhin initiierte Lechner eine Unterschriftenliste und setzte im Namen der Dorfgemeinschaft ein Schreiben an den Bürgermeister und den Gemeinderat auf. Auch an die Deutsche Bahn ging ein Protestbrief.
In ihrem Schreiben ans Rathaus fordern die Unterlainderner, den Beschluss zurückzunehmen und das Verfahren neu aufzurollen – unter Einbeziehung der betroffenen Bürger. „Der Bahnübergang ist ein essenzieller Punkt für uns. Wir als Dorfgemeinschaft wurden weder gefragt noch gehört“, kritisiert Lechner.
Einziger sicherer und weitgehend autofreier Zugang
Die Gleisquerung sei der einzige sichere und weitgehend autofreie Zugang zu Spazier- und Radwegen sowie zum DJK-Sportgelände, heißt es in dem Schreiben. Auch für die Landwirtschaft spiele der Übergang eine wichtige Rolle, so Lechner. Seit Langem sei er die straßenfreie Zufahrt zu Feldern und Waldflächen. Deswegen habe der Feldweg beim Bau der Eisenbahnlinie einen eigenen Übergang bekommen. Eine Schließung würde einen massiven Eingriff in die Betriebsabläufe bedeuten.
Die von der Gemeinde vorgeschlagene Ausweichroute würde pro Fahrt mindestens 500 Meter Umweg bedeuten, und aus Richtung Unterlaindern kommend, dürfe man da gar nicht abbiegen. Auch Gefahrenpotenzial sieht Lechner. Sie spricht von zwei 90-Grad-Abzweigungen, einer völlig unübersichtlichen Einmündung – von einer Seite Autos, gleich daneben der Bahnübergang, davor eine Steigung. Mit einer vollen Ladung Holz oder einem vollgeladenen Erntekipper sei das ein sehr gefährliches Unterfangen.
Ziel der Deutschen Bahn ist es, die Anzahl von Bahnübergängen weiter zu verringern – auch um Unfällen vorzubeugen. Doch dieses Sicherheitsargument überzeugt die Unterzeichner nicht. Sie verweisen darauf, dass sich an diesem Bahnübergang nach ihrer Kenntnis in den vergangenen Jahrzehnten lediglich ein schwerer Unfall ereignet habe. Sie fordern: Solange die bestehende Signalanlage funktioniert, soll der Übergang erhalten bleiben. Sollte später eine Modernisierung erforderlich werden, könne diese im Zuge anderer Bahnbaumaßnahmen erfolgen.
Die Bürger betonen, dass es ihnen nicht nur um einen Feldweg gehe. Für Unterlaindern sei der Bahnübergang ein unverzichtbarer Bestandteil der Lebensqualität, der Sicherheit für Kinder und ältere Menschen sowie der Zukunft der örtlichen Landwirtschaft.
Das sagt die Gemeinde dazu
Was sagt die Gemeinde Valley zum Protest aus Unterlaindern? Bürgermeister Bernhard Schäfer (FWG) erklärt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass man das Thema aufgrund der Dringlichkeit kurzfristig auf die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung am 30. Juni genommen habe. „Bei dem Sachverhalt ging die Verwaltung auch davon aus, dass persönliche Belange berührt würden“, erklärt Schäfer den Grund für die Nichtöffentlichkeit.
Dringlich sei die Angelegenheit deshalb, weil die Sicherungstechnik am Bahnübergang nicht mehr zulässig sei. Es bestehe großer Handlungszwang. Es gehe um die Sicherheit der Nutzer, und da gebe es keinen Handlungsspielraum. „Was wäre, wenn wir auf Biegen und Brechen den Übergang offenhalten würden und es passiert ein Unglück? Dann heißt es, es gab doch Warnungen der Bahn. Warum wurden diese nicht ernst genommen? Warum hat man nicht reagiert?“ Die Sicherheit der Bevölkerung müsse bei den Entscheidungsträgern vor Eigen- oder Freizeitinteressen stehen.
Der Rathauschef versichert, dass man die Anliegen der Anwohner sehr ernst nehme. „Darum wurde von der Gemeinde auch die Auflage an die Bahn gemacht, für einen adäquaten Ersatzweg zu sorgen.“ Dieser soll ertüchtigt werden. Ob die Bahn die dafür anfallenden Kosten übernimmt, sei noch nicht bestätigt. Nach Auskunft des Bürgermeisters verlängert sich die Wegstrecke um 300 Meter. Schäfer ergänzt, dass es im Gemeindebereich Valley bereits zwei ähnliche Fälle gebe. „Es wurden jedes Mal entsprechende Ersatzwege angelegt, dort waren die Umwege viel länger.“