Angriffe aus den eigenen Reihen, Tod der Stieftochter – dieser Rücktritt hat zwei erschütternde Gründe

Bärbel Bas gibt Ministeramt und SPD-Vorsitz auf – Schweitzer soll neuer Arbeitsminister werden

Stand: 12.10.2026, 08:50 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Bundestagsfraktionen - SPD

Arbeitsministerin und SPD-Co-Chefin Bas tritt zurück. © Kay Nietfeld/dpa

Zuletzt hat sie viel einstecken müssen, politisch wie privat. Jetzt zieht Bärbel Bas die Konsequenzen. Die Ministernachfolge scheint geklärt.

Berlin – Update, 8:48 Uhr: Alexander Schweitzer soll Nachfolger von Bärbel Bas als Arbeitsminister werden. Wer Bas an der Parteispitze ersetzt ist noch unklar.

Bas tritt als SPD-Chefin und Arbeitsministerin zurück

Erstmeldung: Bärbel Bas tritt als SPD-Chefin und Bundesarbeitsministerin zurück. „Da ich momentan nicht die Kraft aufbringen kann, kurzfristig meine Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben, habe ich mich entschieden, beide Ämter aufzugeben“, teilte die 58-Jährige mit. 

Deshalb habe sie ihren Ko-Parteivorsitzenden und Vizekanzler Lars Klingbeil darüber informiert, dass sie ihr Amt als Parteivorsitzende „mit dem heutigen Tag“ niederlege. Gleichzeitig habe sie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gebeten, sie aus dem Amt der Bundesministerin für Arbeit und Soziales zu entlassen.

Grund auch Angriffe aus der Union

Bas begründete den Schritt einerseits mit dem Tod ihrer Stieftochter: Sie benötige nun Zeit, die Trauer zu verarbeiten. „Diese möchte ich mir ausreichend nehmen“, schrieb sie. Gleichzeitig verwies sie aber auch auf die öffentlichen Angriffe gegen sich, die in der persönlich schwierigen Zeit weiter forciert worden seien, „leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners“.

Politiker aus der Union hatten Bas zuletzt scharf dafür kritisiert, dass sie Gesetzentwürfe zu geplanten Reformvorhaben – zum Beispiel in der Rente – nicht schnell genug vorlege. Sie hatten ihr vorgeworfen, die Reformen zu verschleppen und zu blockieren. 

Bas bleibt Bundestagsabgeordnete

In ihrer Mitteilung bedankte sich Bas für die Unterstützung im Arbeitsministerium. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten eine starke Hausleitung verdient, „die mit voller Kraft die anstehenden Gesetze und Reformvorhaben vorantreibt“, erklärte sie. Auch der SPD-Spitze sprach sie Dank aus. Abgeordnete im Bundestag werde sie bleiben, erklärte Bas. 

SPD-Chef Klingbeil teilte in einer persönlichen Erklärung mit, dass er über die Entscheidung von Bärbel Bas „sehr traurig“ sei: „Hinter den Ämtern sind wir alle nur Menschen. Deshalb kann ich ihren Schritt persönlich nachvollziehen. Die Angriffe gegen sie in den letzten Tagen ihrer Trauer waren unanständig. Sowas gehört sich nicht“, betonte der Vizekanzler. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch würdigte, Bas habe Haltung gezeigt, auch wenn es unbequem wurde. „Aber die Kraft ist endlich.“