Barry fährt am Geburtstag in der Gruppe des Tages zum Titel | radsport-news.com

Alvarez gewinnt bei der U23 Silber vor Stiansen

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Barry fährt am Geburtstag in der Gruppe des Tages zum Titel"
Ashlin Barry kann nicht glauben, dass er U23-Weltmeister geworden ist. | Foto: Cor Vos

25.09.2026  |  (rsn) – Noch bevor bei der Podiumszeremonie “The Star-Spangled Banner“ erklang, stimmte das Publikum “Happy Birthday to you“ an. Denn an seinem 19. Geburtstag hat sich Ashlin Barry den Titel im U23-Straßenrennen gesichert. Der US-Amerikaner hatte sich nach 30 Kilometern mit der Gruppe des Tages abgesetzt, die letzten 31 fuhr er als Solist. Als die Favoriten heranstürmten, konnte er auf der letzten Runde seinen Vorsprung auf seine Verfolger weiter ausbauen.

Silber ging 53 Sekunden danach im Fünfersprint an Hector Alvarez (Spanien), Bronze sicherte sich Jesper Stiansen (Norwegen) vor Aubin Sparfel (Frankreich), Niels Driesen (Belgien) und Matteo Scalco (Italien). Moritz Mauß war als 21. mit 1:30 Minuten Rückstand auf den Sieger der beste Fahrer im Trikot von German Cycling und drittbester Athlet des jüngsten Jahrgangs, dem auch Barry angehört. Der deutsche Verband hatte Eike Behrens trotz dessen zuletzt grandiosen Leistungen nicht nominiert.

Barry ist der Sohn des kanadischen ehemaligen US-Postal-Profis Michael Barry und der US-amerikanischen Berufsradfahrerin Deirdre Demet, die 1989 Junioren-Weltmeisterin wurde und 2004 Silber im Straßenrennen gewann. Er gilt seit einigen Jahren als Ausnahmetalent. Als 16-Jähriger entschied er ein Event der UCI-Gravel-World-Series bei der Elite für sich. Ein Jahr später wurde er beim UCI Track Nations Cup bei der Elite Zweiter im Omnium. Bei der Junioren-WM im Zeitfahren musste er sich 2025 in Kigali überraschend dem Niederländer Michiel Mouris geschlagen geben, beim ersten Anlauf in der U23 in seiner Spezialdisziplin verpasste er vor vier Tagen als Vierter knapp eine Medaille.

Mit der klappte es dafür im Straßenrennen – und zwar mit jener in Gold. Und damit hatte der Teenager selbst nicht gerechnet. “Es ist unglaublich. Ich kann es ehrlicherweise nicht glauben. Ich weiß nicht, wie ich das gemacht habe“, sagte er im Ziel-Interview. “Ich wollte einfach antizipieren. Ich dachte nicht, dass ich stark genug sein werde, um den besten Fahrern bergauf folgen zu können. Also wollte ich einfach vor ihnen sein, um an den Anstiegen etwas langsamer zu fahren und es trotzdem in die Spitzengruppe zu schaffen“, gab er zu. Bis zur letzten Runde hätte er selbst nicht an den Sieg geglaubt, zwischenzeitlich hatte sein Vorsprung nur noch 20 Sekunden betragen.

“Ich dachte ehrlich, dass es unmöglich sei und ich im besten Fall eine Medaille oder einfach nur ein schönes Ergebnis erreichen kann. Ich dachte eher, dass ich im Zeitfahren eine Chance hätte. Aber auf diesem Kurs zu gewinnen, ist einfach unglaublich“, freute sich Barry, der im Winter von Vismas Junioren-Team JEGG – Skil – DJR zu Visma – Lease a Bike Development wechselte. Ende März feierte er am VAM Berg bei der Olympia’s Tour (2.2) seinen ersten und einzigen Profisieg. Im Juni krönte er sich zum US-amerikanischen U23-Meister im Straßenrennen, bei der Elite wurde er tags drauf Vierter.

Mit Alvarez und Sparfel waren die beiden Topfavoriten auf den Titel in der Verfolgergruppe, die die Lücke zu Barry nicht schließen konnte. “Ich habe alles gegeben“, berichtete Sparfel am Eurosport-Mikrofon. “Wir sind hierhergekommen, um zu gewinnen und dass ich Weltmeister werde. Es ist natürlich enttäuschend. Aber am Ende war ich komplett leer. Wir haben zu fünft alles versucht. Ich habe auch versucht, die anderen abzuhängen. Aber das habe ich nicht geschafft. Also ist es ein vierter Platz“, konkludierte der Franzose.

So lief das WM-Rennen der U23:

Mit Matthew Dodd (Großbritannien), Kristian Egholm (Dänemark), William Heffernan (Australien), Samuel Novak (Slowakei) und Ashlin Barry (USA) hatte sich ein starkes Quintett nach rund 30 Kilometern abgesetzt. Das erarbeitete sich zur Rennhälfte des 174 Kilometer langen Wettkampfs einen Vorsprung von etwas mehr als zwei Minuten.

In dieser Phase versuchten viele Mannschaften, eine Verfolgergruppe zu initiieren. Das gelang allerdings nicht. Dafür verkleinerte sich der Rückstand eingangs der letzten fünf Runden auf 1:33 Minuten. Dann aber setzten sich Max Bock (Deutschland), Scalco, Remi Arsac (Frankreich), Matteo Vanhuffel (Belgien), Jacob Bush (Großbritannien) und Jack Ward (Australien) sechs sehr starke Kletterer ab.

Das Streckenprofil des WM-Rennens der U23 | Foto: Veranstalter

Mit noch vier zu fahrenden Runden lag das Sextett 30 Sekunden hinter dem Quintett und 1:10 Minuten vor dem Feld. Bergauf setzten sich Barry und Egholm vorn ab, währen die anderen drei von der Gruppe Bock aufgesammelt wurde. Dort war die Luft ein wenig raus, sodass der Rückstand konstant blieb. Dafür kam von hinten aus dem Nichts eine rund 15-köpfige Gruppe mit Paul Fietzke (Deutschland), Sparfel, Alvarez, Matisse Van Kerckhove (Belgien), Henrique Bravo (Brasilien) und Driesen heran.

Da keiner der Favoriten den Zug verpasst hatte, machte es wenig Sinn, um weiterzufahren. Es kam zum Zusammenschluss, wobei Fietzke, Erazem Valjavec (Slowenien) Ugo Fabries (Frankreich) sich lösten. Das Trio ging 45 Sekunden nach dem Führungsduo und 15 Sekunden vor dem Peloton auf die letzten drei Runden. Eingangs der letztem 39 Kilometer beendete Alvarez mit einem Angriff die Versuche der Drei. Zunächst konnte niemand mitgehen, doch mit dem langen Atem kam ein großer Teil des Pelotons zurück.

Mit noch 31 zu fahrenden Kilometern konnte Egholm seinem US-amerikanischen Begleiter nicht mehr folgen. Auf einem der kleinen Anstiege entwischten Alvarez, Guus van den Eijnden (Niederlande), van Kerckhove und Cameron Rogers (Australien). Sie gingen 25 Sekunden nach Barry und neun Sekunden vor der von Frankreich angeführten Meute auf die letzten beiden Runden.

Bergauf sprangen acht Athleten mit Sparfel, Bravo, Ramirez und Driesen vor. Das führte wieder zu Unstimmigkeiten, wodurch weitere Fahrer herankamen. Scalco nutzte diese Phase zu einem Angriff. Im flacheren Teil der Strecke verlor er aber Zeit auf den Spitzenreiter. Erneut attackierte Alvarez an einer der Wellen. Dieses Mal kamen Sparfel und Driesen mit. Sie erreichten Scalco. Stiansen schaffte es, als Solist zum Quartett vorzufahren. Das änderte aber nichts daran, dass der Spitzenreiter seinen Vorsprung eingangs der Schlussrunde auf 40 Sekunden ausbaute.

Im letzten langen Anstieg verlor Barry nur sechs Sekunden, die er sich bergab und im Flachen wieder zurückholte. In der letzten Welle geriet Scalco in Schwierigkeiten. Während Sparfel sich absetzte. Driesen konnte die Lücke noch schließen. Alvarez und Stiansen kamen eingangs der letzten drei Kilometer erneut heran, wenig später folgte auch Scalco. Nachdem Barry bereits im Ziel war, eröffnete Stiansen den Sprint der Verfolger. Sparfel scherte aus, dann schliefen ihm aber die Beine ein. Alvarez passierte stattdessen den Norweger dafür und gewann 53 Sekunden nach dem Sieger Silber.

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