Bassumer startet bei Extrem-Radrennen: 4.000 Kilometer in 13 Tagen

Stand: 25.07.2026, 06:00 Uhr

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Ein grenzverschiebendes Radrennen wartet auf Thomas Schäfer aus Bassum. Er startet heute in Norditalien und möchte bis zum Nordkap in Norwegen fahren – in zwei Wochen und selbst organisiert.

Ein grenzverschiebendes Radrennen wartet auf Thomas Schäfer aus Bassum. Er startet heute in Norditalien und möchte bis zum Nordkap in Norwegen fahren – in zwei Wochen und selbst organisiert. © Fabian Pieper

Thomas Schäfer fährt von Italien zum Nordkap – komplett ohne Begleitfahrzeug. Der 40-Jährige muss sich unterwegs selbst versorgen und schläft teils im Zelt.

Bassum – Thomas Schäfer lotet gerne seine persönlichen Grenzen aus. Im vergangenen Jahr hat der Bassumer am Extrem-Radrennen Race Across Germany (RAG) teilgenommen und in 56 Stunden rund 1.100 Kilometer von Nord- nach Süddeutschland zurückgelegt. Doch obwohl der heute 40-Jährige seine persönliche Zielzeit von 48 Stunden nicht ganz erreicht hat, widmet er sich in diesem Jahr einer neuen Herausforderung in einer neuen Größenordnung: Schäfer startet heute um 8 Uhr morgens in Italien beim Radrennen Northcape 4000. Die Zahl am Ende – Sie ahnen es vielleicht bereits – steht dabei für die Strecke in Kilometern, die auf ihn wartet. Denn die Tour soll ihn innerhalb von knapp zwei Wochen bis zum Nordkap in Norwegen führen, dem nördlichsten auf dem Landweg erreichbaren Punkt Europas.

Schwierige Bedingungen

Dabei ist die viermal so lange Strecke nicht das Einzige, was das Rennen für Schäfer noch mal schwieriger macht als beim RAG: Während er vor einem Jahr Unterstützung in Form eines Begleitfahrzeugs hatte, das von Partnerin Sabrina Hesterkamp und Schwiegermutter Cornelia gesteuert wurde, ist er diesmal im Prinzip komplett auf sich allein gestellt. Beim Northcape 4000 habe er niemanden, der ihm Essen anreicht, die Wasserflaschen befüllt oder eine trockene Schlafmöglichkeit stellt. „Neben dem Radfahren habe ich mehr Aufgaben, um mich zu organisieren“, sagt er. Er dürfe lediglich die Hilfe annehmen, die jedem anderen Teilnehmer des Rennens ebenfalls zuteil werden könnte.

Und auch die deutlich größeren Belastungen für den Körper sind für Thomas Schäfer ein Thema. Mit nur etwa zwei Stunden Schlaf pro Nacht sei über die lange Distanz von zwei Wochen das Rennen nicht machbar, Schäfer rechnet mit fünf bis sechs Stunden. Die könne er in Unterkünften verbringen, aber gelegentlich müsse er auch auf die schwarze Tasche zurückgreifen, die am hinteren Teil seines Fahrrads festgebunden ist. Darin befindet sich ein einfaches und schnell auf- und abgebautes Zelt. An kristallklaren skandinavischen Seen mit pittoreskem Panorama dürfte es aber wohl nicht jede Nacht stehen: „Das klingt in der Vorstellung alles erst mal sehr romantisch“, sagt er und lächelt milde. „Es kann aber auch mal der Grünstreifen im Gewerbegebiet hinter der Leitplanke sein.“

Die könnte für die etwa 500 Teilnehmer irgendwo entlang dieser Strecke sein: Etwa 150 Kilometer nordöstlich von Mailand in Italien startet die Tour in Rovereto. Von dort aus geht es über die Alpen in Richtung Innsbruck und München, durch Tschechien weiter nach Berlin. Hinterm polnischen Stettin geht es auf die Fähre nach Schweden – und von dort aus schnurstracks weiter in Richtung Norden. Nach einer Durchquerung von Finnland wartet am Ende der Reise das Nordkap in Norwegen.

Thomas Schäfer sammelt Spenden

Rund 13 Tage hat Schäfer sich für diese anspruchsvolle Route als Ziel gesetzt. Er möchte also zwischen dem 6. und dem 8. August am Ziel angekommen sein. Jeder Tag ist durchgeplant, jeder Wasserbrunnen auf dem Weg notiert, jeder Supermarkt vorgemerkt. Einmal am Tag wolle er einkaufen und sich mit Weingummi, Wraps, Obst und Gemüse eindecken, sich zudem eine richtige Mahlzeit am Tag gönnen, etwa Nudeln oder Pizza. Acht bis zehn Liter Wasser, schätzt er, seien etwa bei der Alpenüberquerung jeden Tag einzuplanen. Zigtausend Kalorien werde er auf dem Weg verbrennen. „Das Gefühl der körperlichen Anstrengung hast du irgendwann nicht mehr so stark“, weiß Schäfer aus Erfahrung. Was aber bleibt: „Die Erlebnisse und Begegnungen, die du hast. Das ist viel mehr wert!“

Und die Reise soll erneut auf eine andere Art und Weise wertvoll sein: Schäfer sammelt unterwegs Spenden für die Eckhard-Busch-Stiftung. Sie bietet Unterstützung für Betroffene von Depressionen und deren Angehörige – ein Thema, das Schäfer selbst vor ein paar Jahren betroffen habe. Deshalb sei die Spendenaktion für ihn wieder eine Herzensangelegenheit: Schon beim RAG kamen mehr als 1.200 Euro zusammen. Diesmal soll es ähnlich viel sein, wünscht er sich.

Spendenlink

https://www.gofundme.com/f/ride4mentalhealth-northcape

Und auch ein persönliches Ziel wartet im Zielbereich auf ihn: Freundin Sabrina und zwei weitere Freunde wollen ihn dort in Empfang und mit auf einen Urlaub auf den Lofoten nehmen. „Einfach mal die Ruhe genießen“, sagt Schäfer, dem die Entspannung nach den körperlichen Strapazen sehr gelegen kommen dürfte. Wobei: Ganz von seinem Rennrad möchte er sich offenbar nicht trennen, wie er grinsend sagt: „In meinen jetzigen Vorstellungen möchte ich zum Abschluss dort wenigstens eine kleine Tour machen.“ Aber immerhin ganz ohne Grenzverschiebungen.