Bäuerin und Agri-Influencerin Gesa Langenberg baut ihre Schweineställe um

Stand: 17.09.2026, 19:47 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Eine Frau steht mit einer Müslipackung in der Hand vor einem Trecker

Ihr Granola stellt Gesa Langenberg aus selbst angebautem Hafer her, gebacken wird es in einer Bäckerei in Vechta. © Katia Backhaus

Gesa Langenberg hat den elterlichen Hof in Bockstedt übernommen und baut klassische Schweineställe zu Offenställen um. Ihr Ziel: Alle 3.000 Tiere sollen unter Haltungsform 4 leben.

Drentwede – Es könnte höchstens die Ungeduld sein, die Gesa Langenberg einmal im Weg steht. Die 38-Jährige spaziert mit ihrer jüngsten Tochter auf dem Arm über den Hof, erzählt von alten und neuen Hallen und Gebäuden, von der anstehenden Kartoffelernte und dem Umbau der Schweineställe. Ein eigenes Granola vermarktet sie über einen Online-Shop, und bald will sie auch ihren Instagram-Kanal wieder stärker bespielen. Viele Bälle, mit denen sie täglich jongliert. Aber von ihr aus könnte alles noch ein bisschen schneller gehen. Dabei hat es eher langsam angefangen: Mit der Entscheidung, den elterlichen Hof zu übernehmen, hat Langenberg sich vergleichsweise viel Zeit gelassen.

Für den Umbau klassischer Schweineställe zu Offenställen und ihren Instagram-Kanal „hi.gesa“, auf dem sie den Umbau begleitet hat, ist Gesa Langenberg als „Zukunftsmacherin“ nominiert. Zwei Jahre dauerte der erste Umbau auf dem Hof in Bockstedt, 2022 zogen die ersten Mastschweine ein. Das Gebäude kombiniert einen geschlossenen Innen- mit einem überdachten, aber sonst offenen Außenbereich. Die Tiere können beliebig zwischen den beiden Boxen wechseln, zu jeder Jahreszeit. Ein Kot-Harn-Trennsystem verhindert, dass sich – wie sonst für Schweineställe typisch – beißende Ammoniakemissionen verbreiten. Durch die offenen Ställe und die Beiträge in den Sozialen Medien trägt Langenberg dazu bei, die Transparenz in der Landwirtschaft zu erhöhen.

Eine Frau kniet in einem offenen Schweinestall und spielt mit Schweinen

Die Mastschweine kommen als Ferkel auf den Hof von Gesa und Josef Langenberg. Die Hälfte von ihnen lebt dort bereits im Offenstall – bis sie das Schlachtgewicht erreicht haben. © Langenberg

Der Stammbaum der Hoffamilie Stöver-Lampe lässt sich bis 1570 zurückverfolgen, Langenberg (damals noch Lampe) wuchs als Teil der 14. Generation in Bockstedt auf. Doch erst einmal wollte sie weg und zog nach dem Abitur nach Göttingen. Obwohl sie – ebenso wie ihre beiden älteren Schwestern – keine Ambitionen für die Hofübernahme hegte, entschied sie sich für ein Landwirtschaftsstudium. Doch die heimischen Schweine gingen Langenberg nie so ganz aus dem Kopf. Nach dem Abschluss stieg sie als Referentin bei der ISN, der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands, ein. Und zog 2015 zurück auf den Hof.

Die Last der langen Familientradition sei nicht der Grund dafür gewesen, sagt sie. „Ich habe gemerkt, wie schön es ist, selbstständig zu sein.“ Bei der ISN war sie mit vielen Themen, zum Beispiel dem Aufkommen der höheren Haltungsstufen für Schweine, befasst. „Das ist ja alles schön in der Theorie.“ Im elterlichen Betrieb erlebte sie die Umsetzung. „Da habe ich gemerkt, was es bedeutet, Ställe umzubauen“: Genehmigungen einholen, die Statik von Bestandsgebäuden beachten, und eine Finanzierung auf die Beine stellen. Abschreckend wirkte das auf Langenberg nicht – vielmehr entschied sie 2017, voll in die Praxis einzusteigen und den Hof von ihrem Vater zu übernehmen. Mit 29 Jahren wurde sie Betriebsleiterin von Lampe Agrar.

Seitdem sind dort große Veränderungen vor sich gegangen. Langenberg und ihr Mann Josef schauten sich verschiedene Schweinestallkonzepte an, reisten dafür von Hof zu Hof. Als die Entscheidung für den Offenstall mit Kot-Harn-Trennung gefallen war, begann der Umbau. 2021 kam der erste Sohn zur Welt, 2022 der zweite. Mittlerweile hatte das Paar sich für die gemeinsame Betriebsleitung entschieden, auch, um Familie und Arbeit besser aufteilen und vereinbaren zu können. Ebenfalls 2022 begann der erste Auszubildende seit der Hofübernahme seine Lehrzeit in Bockstedt und Langenbergs starteten mit dem Haferanbau. Daraus produzieren sie das hauseigene Granola.

BU abmontieren © MK

Der Fokus auf die Schweinehaltung sei durch ein Auf und Ab geprägt, sagt Langenberg. Wäre es nicht gelungen, eine Förderung zu erhalten, wäre der Umbau finanziell nicht sinnvoll zu schaffen gewesen. „So haben wir einen Weg gefunden, wie es den Tieren besser geht und unser Betrieb eine wirtschaftliche Perspektive hat.“ An den Schweinen festhalten möchte sie dennoch: „Die Tierhaltung gehört für mich ganz stark zu unserem Betrieb dazu.“ Das Ziel sei, dass alle 3.000 Tiere unter den Bedingungen der Haltungsform 4 leben können. Die Hälfte ist schon geschafft: In diesem Winter sollen die Umbauarbeiten am dritten von vier Ställen beginnen.

Ohne viele helfende Hände, sagt Langenberg, ginge all das gar nicht. Fünf Mitarbeiter beschäftigen Langenbergs auf dem Hof, zwei Auszubildende kommen dazu. Im Wohnhaus lebt neben der mittlerweile sechsköpfigen Familie noch ein Au-Pair-Mädchen.

Seit 2017 hat sich nicht nur in den Ställen einiges verändert. „Ich muss meine Rolle hier noch ein bisschen neu finden“, sagt Langenberg. Betriebsleiterin und vierfache Mutter, Agri-Influencerin und Granola-Produzentin: Multitasking ist momentan ihr Hauptjob. Mehr als 450 Jahre Hofgeschichte schreibt sie damit fort. Und auch, wenn ihre Ungeduld manchmal noch schneller noch mehr will, weiß Langenberg schon jetzt: „In unserer Generation werden wir eine schöne Handschrift hinterlassen.“

„Zukunftsmacherin 2026“

Zum ersten Mal kürt die Mediengruppe Kreiszeitung im Landkreis Diepholz eine „Zukunftsmacherin“ – also eine Frau, die aktiv Ideen voranbringt, innovativ Projekte anschiebt und positiv Menschen mitreißt. Die Idee: Weibliches Engagement in den Fokus stellen und auszeichnen. Bei einer Gala am 23. September wird bekannt gegeben, wer die „Zukunftsmacherin 2026“ wird. In dieser Serie stellen wir die Top-Ten-Kandidatinnen vor. Dies ist der zehnte und letzte Teil dieser Serie.