Baunatals Kitas sollen 31.000 Euro sparen – SPD und Elternbeirat protestieren

Stand: 26.09.2026, 19:00 Uhr

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Kreis Kassel, Baunatal, Gesamtelternbeirat Kitas, Stephanie Rothe (links) und Angela Kördel sind zwei von ingesamt fünf Elternvertretern für die 16 städtischen Einrichtungen, hier vor der Kita im Stadtpark

Ihnen geht es um die pädagogische Qualität: Stephanie Rothe (links) und Angela Kördel vom Elternbeirat, hier an der Kita im Stadtpark. © Foto: Clemens Herwig

Die Stadt Baunatal will die pädagogische Kita-Leitung durch eine günstigere Fachberatung ersetzen. SPD und Elternbeirat fürchten, dass ohne Weisungsbefugnis ein „zahnloser Tiger" entsteht.

Baunatal – Die Stadt Baunatal ist stolz auf ihre Bildungskette, die von der Geburt bis zum Start ins Berufsleben beste Bedingungen und Chancengleichheit ermöglichen soll. Gleichzeitig muss die VW-Stadt sparen und ist dabei, ihre Verwaltung umzustrukturieren. Aus diesem Dreiklang entsteht nun eine Diskussion mit Zwischentönen, die wohl mit der Spaltung an der Rathausspitze zu tun haben. Im Zentrum der Auseinandersetzung: die Stelle der pädagogischen Leitung für die 16 städtischen Kitas.

Diese ist seit März vakant und soll nun per Ausschreibung nachbesetzt werden. Dabei verändert sich die Position, die letztlich die Kita-Rahmenbedingungen mitgestalten soll – auch, um sie an die neue Idee von Verwaltung in Baunatal anzupassen. Zuständig für das Ressort Personal ist Bürgermeister Henry Richter (parteilos). Bei der SPD – die mit dem Ersten Stadtrat Daniel Jung auch den Chef des Bildungsbereichs stellt – und dem fünfköpfigen Gesamtelternbeirat der städtischen Einrichtungen führt das zu der Befürchtung, dass pädagogische Qualität verloren geht.

Hauptkritikpunkt der Sozialdemokraten ist, dass die pädagogische Leitung künftig lediglich eine beratende Funktion haben soll. „Beratung allein ersetzt keine Leitung und Verantwortung“, so der bildungspolitische Sprecher der Fraktion Stefan Fensterer. Gefordert wird eine eigenständige Vollzeitstelle mit entsprechenden Entscheidungskompetenzen. Im Sozialausschuss gab es im Vorfeld der Stadtverordnetenversammlung am kommenden Montag dafür keine Mehrheit.

Auch der Elternbeirat hat ähnliche Sorgen. „Wir wollen, dass die pädagogische Qualität erhalten bleibt und die Kita-Leitungen entlastet werden“, sagt Stephanie Rothe für das fünfköpfige Gremium. Die Sorge der Elternvertretung ist, dass das ohne eine Weisungsbefugnis der Stelle nicht klappt (das Stichwort: „zahnloser Tiger“) und die Position so schwach bleibt, dass sie nicht vorangehen kann. Dieser Wunsch sei in den Kitas aber vorhanden. Gerade bei besonderen oder meldepflichtigen Ereignissen seien klare Verantwortungsstrukturen von großer Bedeutung. So wurde beispielsweise in Baunatal jüngst intensiv über den Umgang mit „Doktorspielen“ in den Kitas diskutiert. Zudem sei die Position die Schnittstelle zu den Grundschulen.

Bisherige Lösung überzeugt Elternbeirat mehr

Dass die pädagogische Leitung einrichtungsübergreifend Entscheidungen trifft, habe bis März sehr gut funktioniert. „Seitdem merkt man, dass etwas fehlt“, heißt es aus dem Elternbeirat. Dieser sei von der SPD über die Entscheidung im Sozialausschuss informiert worden, habe sich aber auch das Gespräch mit dem Bürgermeister gesucht. Letztlich blieb für die Eltern die bisherige Lösung die überzeugendere. Das Baunatal sparen muss, sei angekommen. „Einheitliche Essenspläne sind auch überhaupt kein Problem. Aber bitte nicht bei der Pädagogik“, sagt Stephanie Rothe.

Der Elternbeirat betont seine Überparteilichkeit. Allen Fraktionen sei ein Gesprächsangebot gemacht worden. Zugesagt hätten Gemeinsam für Baunatal und CDU – der Termin mit den Christdemokraten liegt bezeichnenderweise nach der Entscheidung am Montag.

Bisher, so Bürgermeister Henry Richter, war die Stelle der pädagogischen Leitung mit 19 Wochenstunden besetzt, ergänzt durch zehn Wochenstunden externer pädagogischer Beratung. Die Kosten: rund 91.000 Euro im Jahr. In der vorbereiteten Ausschreibung für die Nachfolge, die durch die politische Diskussion auf Eis liegt, sind 30 Wochenstunden für eine pädagogische Fachberatung vorgesehen (jährlich rund 60.000 Euro). Diese soll auch für komplexe Situationen fundierte Entscheidungen vorbereiten, die dann von den Stellen getroffen werden, die rechtlich und organisatorisch zuständig sind. Sprich: Bürgermeister, Dezernent, Produktverantwortlicher und Fachbereichsleitung.

Auch die Stelle der Fachbereichsleitung ist seit Kurzem unbesetzt und neu ausgeschrieben. Diese sei bewusst nicht mehr auf administrative Aufgaben beschränkt. Pädagogische Kompetenzen seien ebenfalls Voraussetzung. Derzeit gebe es 37 Bewerbungen. „Gleichzeitig kann und soll eine Fachbereichsleitung nicht die tägliche pädagogische Beratung von 16 Einrichtungen nebenbei übernehmen.“ Dafür sei die Fachberatung vorgesehen. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir diese bereits vorbereitete Kompensations- und Qualitätsmaßnahme innerhalb der Verwaltungsleitung gemeinsam weitertragen können“, so Richter – was wohl als Seitenhieb in Richtung Erster Stadtrat zu verstehen ist.