Bedrohtes Naturwunder: Klimawandel gefährdet Rotes Moor in der Rhön
Stand: 03.10.2026, 19:02 Uhr

Das Rote Moor in der Rhön ist das größte Hochmoor in Hessen. Doch der Klimawandel bedroht diesen einzigartigen Lebensraum.
Gersfeld/Ehrenberg – Mystisch, selten, bedroht: Das Rote Moor im Unesco-Biosphärenreservat Rhön zwischen Gersfeld und Ehrenberg ist das größte Hochmoor in Hessen. Es bietet Lebensraum für einige ganz spezielle Arten. Durch den Klimawandel könnte dieser Lebensraum zerstört werden.
Moore dienen seit eh und je als Kulisse für Schauermärchen: Im Roten Moor im Landkreis Fulda soll eine Moorjungfrau in einem roten Kleid herumgeistern, die sich im Dreißigjährigen Krieg geopfert hat, um die schwedischen Soldaten von ihrem Dorf fortzulocken, hinein in den sumpfigen Teil, wo die Soldaten versanken.
Klimawandel gefährdet: Rotes Moor ist ein bedrohtes Naturwunder
Wenn Elmar Herget von solchen Geschichten hört, bei denen das Moor die Menschen verschlingt, kann er nur schmunzeln. „Das passiert so nicht. Man sinkt vielleicht mal etwas tiefer ein, aber mit Mühe kommt man da wieder raus.“ Herget ist Sachgebietsleiter Naturschutz und bei der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats. Der 63-Jährige kennt das Rote Moor mit seiner Geschichte und all seinen Arten.
„Besonders ist zum Beispiel das Magellans Torfmoos, es ist rot, daher kommt auch der Name Rotes Moor“, erklärt er. Aber auch der Rundblättrige Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze oder der Teufelsabbiss, eine Pflanze, die für den Goldenen Scheckenfalter lebenswichtig ist, sind für das Rote Moor typisch. „Es gibt wenige Arten, dafür aber solche, die nur in Mooren leben können.“
Wenn man am Roten Haus losläuft in Richtung Wasserkuppe, dann kommt man an einem großen Moorsee vorbei. Still liegt er da, mystisch. Auf der Wasseroberfläche spiegeln sich jetzt im Herbst die bunten Blätter der Bäume. So schön der See ist, er ist auch ein Relikt für eine Zeit, in der das Rote Moor zerstört wurde.
Bis 1984 wurde dort Torf abgebaut. Früher, Anfang des 19. Jahrhunderts, diente es als Brennmaterial, später, im 20. Jahrhundert, wurde es dann im großen Stil an zehn Heilbäder in Hessen und Bayern verkauft. „Der See ist ein künstlich angelegter. Hier hat sich damals eine Lorenbahn befunden, mit der das Torf transportiert wurde“, sagt Herget.
Moordecke wächst pro Jahr einen Millimeter
Ungefähr sechs Hektar Torffläche seien bis zu den 1980er Jahren abgebaut worden – zurück blieben noch 5,5 Hektar. Dort, wo einmal die sieben Meter hohe Torfschicht war, befindet sich heute das sogenannte Leegmoor. Vom Aussichtsturm aus, erstreckt es sich weit bis zur Abbruchkante.
In Zeiten des Torfabbaus wurde mit einer systematischen Entwässerung in wenigen Jahren zerstört, was über Jahrtausende gewachsen ist: „Pro Jahr wächst die Moordecke um nur einen Millimeter“, erklärt Herget. Bis das Hochmoor seine ursprüngliche Größe zurück habe, dauert es Jahrtausende – falls es überhaupt dazu kommt.
Denn der Klimawandel stellt Naturschützer vor große Herausforderungen. Zwar sei die nötige Niederschlagsmenge von 900 Litern je Quadratmeter pro Jahr, die ein Moor zum Wachsen brauche, vorhanden, aber die Regenzeiten und die Intensitäten hätten sich verändert.
„Bei Starkregen fließt das Wasser schnell ab, das bringt einem Moor nur bedingt etwas“, so der Experte. Hinzu kämen die höheren Temperaturen, auch das lasse ein Moor weniger wachsen, weil viel Feuchtigkeit verdunste. Wie wichtig das Ökosystem Moor ist, das hat man indes nicht erst jetzt verstanden.
Umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen seit den 80er jahren
Schon in den 1980er Jahren wurden Renaturierungsmaßnahmen angegangen, um das Wasser zu halten und das Moor zu nässen. Hierzu hat man Holzspundpfähle eingeschlagen und die Entwässerungskanäle verschlossen. Weil diese Barriere inzwischen verrottet war, wurden ab 2023 neue Spundwände eingezogen.
Es war ein 500.000-Euro-Projekt, das von der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel finanziert und in Zusammenarbeit mit dem Forstamt Hofbieber sowie der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön umgesetzt wurde. Auch wenn diese Arbeiten nahezu abgeschlossen sind, die nächsten Aufgaben stehen schon an. 2003 wurde ein Bohlenpfad angelegt, der nun in die Jahre gekommen ist und an vielen Stellen repariert werden müsste.
„Wir prüfen gerade Finanzierungsmöglichkeiten, aber das ist nicht so einfach“, sagt Herget. Der 1,1 Kilometer lange Weg ist bei Wanderern beliebt. Er führt zwar nicht ans Torfmoor heran, dafür aber durch einen Birkenwald, dessen Bäume so verwunschen aussehen, dass man meinen könnte, irgendwo schaut gleich ein Troll um die Ecke – oder die Moorjungfrau in ihrem roten Kleid.