Generationenwechsel bei der C&A-Besitzerfamilie: Florian Brenninkmeyer wird Cofra-Präsident
Bei den C&A-Besitzern kommt die nächste Generation ans Ruder – was heisst das für das Modegeschäft?
Florian Brenninkmeyer übernimmt das Präsidium der Zuger Familienholding Cofra. Er wird sich überlegen müssen, welche Zukunft die Modekette in der Gruppe hat. Dort sind schon heute andere Bereiche gewichtiger.
06.10.2026, 23.00 Uhr
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Die Modekette C&A ist die Basis für das Vermögen der Familie Brenninkmeijer.
Urs Flüeler / Keystone

Daniel Hager
«Heute die Vorbilder von morgen formen»: So lautet der Leitspruch des Malvern College, eines Internats in der malerischen englischen Kleinstadt gleichen Namens. Bei ihrem Absolventen Florian Brenninkmeyer scheint die Schule diesen Anspruch erfüllt zu haben.
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Sonst hätte der Familienclan der Brenninkmeijers, der auf die Gründer der Modekette C&A zurückgeht, den 40-Jährigen kaum zum neuen Präsidenten ihrer Holding Cofra bestimmt. In dieser Gesellschaft halten die Nachfahren ihre Beteiligungen.
Dazu gehören neben dem Bekleidungshandel insbesondere Investmentgeschäfte wie das milliardenschwere Immobilienunternehmen Redevco, das Private-Equity-Haus Bregal sowie der Asset-Manager Anthos.
Wie Cofra – mit Sitz in Zug – am Dienstagabend mitteilte, soll Florian Brenninkmeyer das Amt auf April 2027 antreten. Er löst seinen Verwandten Martijn Brenninkmeijer ab. Der 56-Jährige hatte Cofra ab 2015 als CEO und seit 2018 als Verwaltungsratspräsident geführt.
Die unterschiedliche Schreibweise der Namen hat damit zu tun, dass sich die Nachkommen von Clemens und August (daher: C&A) Brenninkmeijer in den über 180 Jahren seit der Gründung in verschiedenen Weltgegenden und Sprachräumen niedergelassen haben.
Während die Variante mit «ij» einst für den niederländischen und jene mit «y» für den deutschen Zweig stand, lassen sich heute die Mitglieder nicht mehr so einfach zuordnen. Florian hat seinen Wohnsitz in der Schweiz und ist niederländischer Staatsbürger.
Grosse Familie – wenige Eigentümer
Doch so gross die Sippe über die Jahrzehnte geworden ist (sie dürfte mit den eingeheirateten Personen über 1500 Mitglieder umfassen): Die Kontrolle über die Beteiligungen liegt in den Händen einer kleinen Gruppe. Das Aktionariat von Cofra bildet der sogenannte Unternehmerkreis aus fünfzig bis sechzig Familienmitgliedern.
Teil dieses Gremiums werden können wiederum nur die Kinder dieser Familienunternehmer – und dies nur nach dem erfolgreichen Absolvieren eines rigorosen Selektionsprozesses innerhalb der Cofra-Unternehmen. Dieser dauert rund fünfzehn Jahre.
Mit Florian Brenninkmeyer rückt nun die 6. Generation an die Cofra-Spitze. Er ist seit Januar 2025 als Finanzchef der Holding tätig. Zuvor hat der studierte Betriebswirt nach dem traditionellen Stage für den Familiennachwuchs bei C&A bei der niederländischen Rabobank gearbeitet. Es folgten verschiedene Managementpositionen bei C&A, Redevco und dann bei Cofra.
Rückzieher bei der nachhaltigen Ernährung
Florian Brenninkmeyer sei «die ideale Besetzung, um Cofra in das nächste Kapitel zu führen», so wird sein Vorgänger in der Medienmitteilung zitiert. Was in diesem Kapitel steht, schreibt die Holding freilich nicht. Der Finanzhintergrund des designierten Präsidenten lässt vermuten, dass die Familie sich zunehmend als Investmentmanager sieht und jene Bereiche noch an Gewicht gewinnen.
Das würde zu der Ansage passen, die der Cofra-CEO Boudewijn Beerkens vor drei Jahren in der NZZ gemacht hat. Es sei gut möglich, die verwalteten Beteiligungen auch dank externem Kapital in fünf oder zehn Jahren von damals 30 auf 60 Milliarden Euro zu verdoppeln. Heute beträgt das verwaltete Vermögen bereits rund 40 Milliarden Euro.
Doch nicht alle Pläne, die die Brenninkmeijers damals noch verfolgten, sind aufgegangen. So ist die Familie vom Aufbau eines Bereiches für nachhaltige Nahrungsmittel abgekommen. Die Firma Dalsem, die auf Hightech-Gewächshäuser spezialisiert ist, hat Cofra, von den Medien weitgehend unbemerkt, erst kürzlich verkauft.
Ein anderer Bereich mit Fokus auf Nachhaltigkeit ist die Solarenergie. Hier hat Cofra den Solaranlagenbauer und -besitzer Sunrock im Portfolio. Inwiefern sich die Holding auf diesem Gebiet künftig noch engagieren will, wird zu den Überlegungen gehören, welche man sich bei Cofra unter Florian Brenninkmeyer machen wird. In der Vergangenheit hatte die Familie schon einmal mit einem anderen Solarinvestment viel Geld verloren.
Was passiert mit C&A?
Die heikelste strategische Frage betrifft jedoch die Firma, mit der alles angefangen hat: C&A.
Das Unternehmen hat schwierige Jahre hinter sich, musste sparen und Läden schliessen. Die ehemalige Ikea-Managerin Giny Boer, die eine Modernisierung der Marke und der Läden in Angriff nahm, musste schon bald wieder gehen. Übernommen hat den Chefposten im Sommer 2024 mit Edward Brenninkmeijer wieder ein Familienmitglied. Er hatte den Händler bereits vor dem Intermezzo mit Boer interimistisch geleitet.
Zu den Plänen für C&A heisst es bei Cofra auf Anfrage, man habe «vollstes Vertrauen in den C&A-Verwaltungsrat und die Managementstrategie». Und: Das Geschäft «bleibt ein wichtiger Teil von Cofras Portfolio».
Doch die überdurchschnittlichen Renditen, welche Cofra als Gruppe laut dem abtretenden Präsidenten Martijn Brenninkmeijer erzielen soll, suchte man während mehrerer Jahre bei dem Bekleidungshändler vergeblich.
Spekulationen über einen Verkauf von C&A gab es in der Vergangenheit immer wieder. Der Generationenwechsel an der Spitze von Cofra dürfte ihnen neue Nahrung geben. Die neue Führung wird sich die Frage stellen, ob Cofra noch der richtige Eigentümer für die Modekette ist – und sein will.
Doch ebenso ist klar: C&A ist nicht irgendeine Beteiligung. Es ist das Unternehmen, aus dem das Vermögen der Familie, ihr ungewöhnliches Eigentümermodell und letztlich Cofra selbst hervorgegangen sind. Gerade deshalb wäre eine Trennung von dem Geschäft etwas anderes als ein normaler Verkauf einer Portfoliofirma.
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