Beim ersten Wiener Derby der Frauen sind keine Rapid-Fans zugelassen – warum?
Fußball
Beim ersten Wiener Derby der Frauen sind keine Rapid-Fans zugelassen – warum?
Die Hütteldorferinnen verzichten wie bei den Männern auf die Nutzung des Gästesektors. Die Austria findet das schade, Rapid will kein Risiko eingehen. Sportlich sind die Rollen klar verteilt
"Wir wollen den Derbysieg." Die Fans der Wiener Austria gaben nach dem 1:1 in der Champions League gegen Inter Mailand die Marschrichtung vor. Am Sonntag (13 Uhr, ORF Sport+) steigt in der Generali Arena das erste Wiener Derby zwischen Austrianerinnen und Rapidlerinnen. Die sportliche Ausgangslage ist klar, die violetten Double-Siegerinnen sind in Favoriten die haushohen Favoritinnen gegen die grün-weißen Bundesliga-Neulinge. "Alles andere als drei Punkte wäre eine große Enttäuschung für uns", sagt Stefan Kenesei, Cheftrainer und sportlicher Leiter der Austria. Und trotzdem sagt Matias Costa, stellvertretender Leiter Frauenfußball bei Rapid: "Wir hoffen, dass es ein wirkliches Fußballfest wird – auch auf den Rängen."
Rapid-Fans werden auf den Rängen des Austria-Stadions allerdings keine zu sehen sein – zumindest nicht auf den ersten Blick. Wie bei den Männern verzichten die Hütteldorfer beim ersten Aufeinandertreffen im Frauenbereich auf die Nutzung des Gästesektors. Geöffnet wird nur die Nordtribüne sein, der Zutritt mit Fanartikeln des SK Rapid ist dort nicht gestattet. Außerdem ist der Erwerb von Tickets nur für Austria-Mitglieder oder Personen mit Austria-Abo möglich.
"Keine gute Sache"
Kenesei findet: "Das ist keine gute Sache". Es sei schade, das sagt er dem STANDARD, dass sich Rapid dazu entschieden habe, auf das Kartenkontingent zu verzichten. "Es hätte eine gute Möglichkeit sein können, zu zeigen, wie vernünftig die Fangemeinde sein kann. Die Rapid-Fans haben bei den Auftritten ihrer Mannschaft gezeigt, dass sie zu einer positiven Stimmung beitragen können und das wäre für das Derby natürlich auch cool. Man spielt ja auch für die Fans und die Emotionen auf der Tribüne." Je mehr Fans mit dabei wären, desto besser. "Deswegen finde ich schade, dass Rapid da offenbar keine Bestrebungen gehabt hat, aus dem Spiel etwas Besonderes zu machen und die Fans vor vollendete Tatsachen gestellt wurden.“
Hintergrund des Verzichts von Rapid sind die Ausschreitungen beim 348. Wiener Derby der Männer im Februar 2026. Teile des grün-weißen Anhangs hatten in der Schlussphase der Partie in der Generali Arena pyrotechnische Gegenstände auf das Feld und die angrenzende Tribüne geworfen, im Gästesektor wurde Sachbeschädigung verursacht. "Rapid wird bei Auswärtsderbys bis auf Weiteres davon Abstand nehmen, das Kartenkontingent für den Gästesektor abzurufen", hieß es damals in einer Stellungnahme von Rapid in Reaktion auf die Vorfälle. Wenig später legte der Senat 1 der Bundesliga genau das als "verpflichtende Sicherheitsmaßnahme" für drei Jahre fest.
"Das Verbot der Auswärtsfans in Favoriten gilt sowohl für die Profis, Rapid II als auch die Frauen", sagt Costa dem STANDARD. Den Vorwurf, Rapid habe sich zu wenig Mühe gegeben, mit Auswärtsfans aus dem Spiel etwas Besonderes zu machen, kann er nicht nachvollziehen. Man wolle kein Risiko eingehen. Und er betont noch einmal: "Die Auswärtssektorsperre gilt für alle Erwachsenenteams des Vereins. Sowohl für Männer als auch für die Frauen".
Formell ist der Senat 1 für die Frauen-Bundesliga allerdings nicht zuständig, weil diese unter dem Dach des ÖFB steht. Dementsprechend kommen die Rapidlerinnen in den Beschlüssen des Senats nach dem Männer-Derby nicht vor, nur Rapid II wird explizit erwähnt. Rapid hat sich offenbar dazu entschieden, die Sperre von sich aus auf das Frauenteam auszuweiten.
Alle in Weiß? Dann nicht
Kenesei kann die Entscheidung von Rapid wiederum nicht ganz nachvollziehen, er hätte kein großes Risiko darin gesehen, Rapid-Fans im Gästesektor zuzulassen. Kenesei schätzt, dass mit geöffnetem Gästesektor und ohne geschützten Ticketverkauf die 5.000er-Marke drin gewesen wären. "Das Potenzial wäre da gewesen, das Stadion gut zu füllen." Der Rekord liegt für ein Frauen-Ligaspiel in Österreich aktuell bei 4803 Fans, aufgestellt beim Zweitliga-Match von Rapid gegen Wacker Innsbruck im Mai 2026. Als bekannt wurde, dass Rapid auf die Nutzung des Sektors verzichtet, kursierten in den Sozialen Medien Aufrufe von Rapid-Fans, "alle in Weiß" zum Derby zu kommen und auf der Nordtribüne eine Art alternativen Fansektor zu errichten. Daraufhin schränkte die Austria den Verkauf ein.
Warum aber gibt es einen geschützten Verkauf nur für Austria-Mitglieder, Abonnentinnen und Abonnenten, wenn kein großes Risiko besteht? Kenesei: "Es ist ein großer Unterschied, ob die Auswärtsfans im Gästesektor untergebracht sind oder alle in einem neutralen Sektor sind – alleine was Ordnerdienste, Polizei und so weiter betrifft." So geht der Austria-Sportchef von rund 2.000 Menschen aus, die live im Stadion dabei sein werden.
"Das Duell, auf das alle gewartet haben"
An der Strahlkraft des Derbys ändert das wenig. "Das Derby hat schon eine große Bedeutung", sagt Kenesei. "Bei den Spielerinnen ist es vielleicht noch gar nicht so präsent, eine langjährige Rivalität gibt es bei den Frauenabteilungen ja gar nicht. Die gibt es eigentlich nur aufgrund der Männer. Aber man kriegt das natürlich trotzdem mit." Am Abend nach dem Auftritt in der Champions League gegen Inter ergänzte Kenesei, er sei "Austrianer durch und durch", und: "Wir können einfach nicht gegen Rapid verlieren, ich will unbedingt gewinnen."
Costa sagt: "Es ist das Duell, auf das alle schon lange gewartet haben. Wir freuen uns, dass es endlich da ist. Wir konzentrieren uns auf das Sportliche. Wir werden uns so teuer wie möglich verkaufen. Vielleicht ist ja doch was drinnen."
Schritte voraus
Sportlich ist die Austria Rapid ein paar Schritte voraus. Die Austria beschloss bereits 2015 in Form einer Kooperation mit dem USC Landhaus den Einstieg in den Frauenfußball, kickt seit 2018 in der Bundesliga, seit 2021 unter dem Namen des Männervereins. Alle Spielerinnen stehen in einem Dienstverhältnis mit dem Verein, manche arbeiten und studieren nebenbei, "aber vor allem, um die Arbeitswelt kennenzulernen", sagt Kenesei. Er selbst arbeitet neben seinen Funktionen bei der Austria 40 Stunden bei der Pensionsversicherungsanstalt, Team-Manager Niklas Pichler ist die einzige Person der Frauen-Abteilung, die Vollzeit beim Verein angestellt ist. "Da muss sich die Abteilung noch entwickeln."
Bei Rapid ist Trainerin Katja Gürtler Vollzeit beim Verein angestellt, bei den Spielerinnen gebe es dagegen derzeit noch keine "Vollzeit-Profis", sagt Costa. "Früher oder später wird sich das auch ändern, man darf aber nicht vergessen, dass es die SK Rapid Frauen erst seit drei Jahren gibt und die Entwicklung Schritt für Schritt stattfindet." Rapid stieg zur aktuellen Saison als zweitplatziertes Team der zweiten Liga auf, weil die Meisterinnen aus Krottendorf die Bundesliga-Lizenz nicht erhielten.
Ein Punktgewinn von Rapid beim Erzrivalen wäre eine große Überraschung. Sollte sie doch gelingen, werden die Fans der Hütteldorferinnen die Sensation nur vor dem Fernseher verfolgen können. (Moritz Ettlinger, 3.10.2026)
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