Trauriger Fund an der Ostsee: Entdeckte ein Spaziergänger ein totes Schweinswal-Baby am Strand?

Beim Spaziergang am Ostsee-Strand: Womöglich totes Schweinswal-Baby auf Poel entdeckt

Stand: 03.08.2026, 14:03 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Totes Wal-Baby Kadaver am Strand Insel Poel

Am Steilküstenabschnitt Strand Neuhof in Richtung „Schwarzer Busch“ machte ein Spaziergänger einen traurigen Fund: © Karsten Boche

Ein Spaziergang an der Ostsee nimmt für einen Mann eine unerwartete Wendung: Zwischen Steinen entdeckt er einen rätselhaften Tierkadaver – und der Fund auf der Insel Poel lässt ihm keine Ruhe.

Poel – „Zwischen den Steinen lag ein kopfloser Kadaver, den ich auf den ersten Blick für einen besonders großen angespülten Fisch hielt. Dann fiel mein Blick auf die Schwanzflosse und ich erkannte sofort, dass es sich um eine Fluke handelt.“ Mit diesen Worten beschreibt Karsten Boche gegenüber kreiszeitung.de den Moment, als er bei einem Ostsee-Spaziergang am Strand der Insel Poel einen Tierkadaver entdeckt. Gefesselt von dem Rätsel um den Tod des vermeintlichen Wal-Babys kehrt Boche am nächsten Tag mit Zollstock und Kamera zurück – trotz Regen.

Zurück an den Ostsee-Strand: Jetzt beginnt die Spurensuche am Tierkadaver

„Es war unklar, ob da überhaupt noch etwas liegt wegen des Wasserstandes und der Wildtiere in der Nacht!“ Als er zurückkommt, liegt der Kadaver immer noch am Strand der Ostsee. Über Nacht hatten Wildtiere ihn weiter angefressen. Trotzdem machte der Spaziergänger Detailfotos und maß das Tier aus. Rund 80 Zentimeter lang war der Kadaver nach seiner Messung. Zu Hause angekommen, beginnt eine große Recherche.

Totfund entdeckt? Das sollten Sie tun

Wer an der Ostsee einen toten Schweinswal oder einen anderen Meeressäuger entdeckt, sollte den Fund möglichst nicht berühren oder bewegen. Stattdessen empfiehlt es sich, den Fundort mit Fotos und – wenn möglich – den Standort zu dokumentieren und den Kadaver den zuständigen Fachstellen zu melden. Jeder Totfund kann wichtige Hinweise auf den Gesundheitszustand der Tiere, mögliche Krankheiten oder Todesursachen liefern und trägt damit zum Schutz der Schweinswale in der Ostsee bei. Ansprechpartner ist unter anderem das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund, das Totfunde wissenschaftlich begleitet und untersucht.

In einer Facebook-Gruppe teilt Boche sowohl nach dem Erstfund als auch nach dem zweiten Besuch die Ergebnisse und Fotos seiner Nachforschungen. Die Spekulationen in den Kommentaren überschlagen sich trotz seiner Transparenz. Manche sehen in den Überresten des Meerestieres das Kalb eines Buckelwals, der vor einigen Wochen in ganz Deutschland für Aufsehen sorgte. Allerdings misst ein neugeborenes Buckelwal-Kalb laut offiziellen Quellen bis zu 4,5 Meter. Das passt nicht zu Boches Entdeckung am Ostsee-Strand. Um welches Tier handelt es sich tatsächlich?

Rätselhafter Fund an der Ostsee: Spaziergänger möchte Entdeckung melden

„Ich erkannte an der Flukenform und der Rückenflosse plus der Größe, dass es sich um ein Schweinswal-Kalb handelt.“ Für Boche steht fest, dass er seine Entdeckung melden möchte. Allerdings gestaltet sich das schwieriger als gedacht. Nach seinen Angaben funktionierte die veröffentlichte Wochenend-Hotline des Deutschen Meeresmuseums nicht. Auch das Online-Formular habe sich nicht absenden lassen. Deshalb meldete er seinen Fund an der Ostsee schließlich über das Internetportal totfund.de. Eine Rückmeldung zu seinem Fund von offizieller Stelle habe er bislang nicht erhalten.

Auf Anfrage von kreiszeitung.de teilt des Deutsche Meeresmuseum mit, dass der Boches Fund bislang nicht bestätigt werden kann. Angaben zur Art, zum Alter, Gesundheitszustand oder zur Todesursache des Tieres können folglich nicht gemacht werden, so die Pressestelle. Zugleich weisen die Experten auf einen wichtigen Punkt hin: Ob ein Schweinswal zur stark bedrohten Population der zentralen Ostsee gehört, lässt sich nicht am Aussehen erkennen. Das gelingt nur mit genetischen Untersuchungen. Jeder Todfund sei wichtig, heißt es weiter.

Schwanzflosse Schweinswal Ostsee Insel Poel

Die Form der Schwanzflosse (Fluke) brachte Boche auf eine entscheidende Spur. Anhand dieses Merkmals vermutete er, dass der stark verweste Kadaver zu einem jungen Schweinswal gehören könnte. Eine offizielle Bestätigung der Artbestimmung liegt bislang nicht vor. © Karsten Boche

Die Überreste von Meeressäugern der Ostsee liefern Forschern wertvolle Hinweise auf den Zustand der Population. Wissenschaftler können Krankheiten, Parasiten oder Viren nachweisen. Außerdem lässt sich anhand der Zähne das Alter bestimmen. Bei weiblichen Tieren erkennen Fachleute sogar, ob sie bereits Nachwuchs hatten.

Nach dem Fund an der Ostsee: „Man sollte nicht voreilig spekulieren“

Ob der Kadaver am Montag untersucht werden könnte, ist fraglich. Mittlerweile dürfte er Wildtieren als Nahrungsquelle gedient haben. Für Boche steht allerdings etwas anderes im Mittelpunkt. Der Anblick des verendeten, jungen Meerestieres hat ihn zwar betrübt, jedoch war ein totes Wildtier an der Ostsee für ihn nicht außergewöhnlich. Viel schlimmer finde er die wilden Theorien in den sozialen Medien. „Man sollte nicht voreilig herumspekulieren.“