Benedikt Herick kandidiert mit 18 Jahren für zwei Räte in Rehden

Stand: 03.09.2026, 18:00 Uhr

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Jüngster Rats-Kandidat in Rehden: Benedikt Herick.

Jüngster Rats-Kandidat in Rehden: Benedikt Herick, hier im Park neben dem Rathaus. © Christian Detloff

Mit 18 Jahren kandidiert Benedikt Herick bei der Kommunalwahl gleich für zwei Räte in Rehden. Ein Praktikum bei der Stadt Diepholz brachte den Schüler unverhofft in die Politik – nun will er vor allem jungen Menschen eine Stimme geben.

Rehden – Ein Praktikum bei der Stadt Diepholz nach den Osterferien löste bei Benedikt Herick eine entscheidende Veränderung aus. Damals war der Rehdener 17 Jahre alt und hatte noch keine konkreten politischen Ambitionen. Heute ist er volljährig und kandidiert bei der Kommunalwahl für die Wählergemeinschaft Rehden (WGR) sowohl für den Gemeinde- als auch für den Samtgemeinderat.

„Bei diesem kommunalpolitischen Praktikum durften wir eine Fraktionssitzung besuchen. Ich entschied mich für die mir nahestehende CDU und habe dort den niedersächsischen Landtagsabgeordneten Marcel Scharrelmann kennengelernt“, erzählt der Schüler des Beruflichen Gymnasiums Diepholz mit Schwerpunkt Wirtschaft. Als Herick ihm zu verstehen gab, dass er sich ein politisches Engagement vorstellen könne, vermittelte Scharrelmann den Kontakt zum Rehdener Bürgermeister Heino Mackenstedt (WGR) und zum WGR-Fraktionsvorsitzenden Bernhard Lanz.

Nach einem Treffen mit Mackenstedt und einer zweiten Runde mit der Fraktion stand die Entscheidung schnell fest: Herick tritt für beide Räte auf Listenplatz 14 an. „Es war ein sehr schöner Moment, als klar war, dass ich nominiert bin. Ich hatte es mir wesentlich schwieriger vorgestellt, in diesen Kreis aufgenommen zu werden“, sagt der Rehdener. Auch seine Eltern seien überrascht gewesen. „Ich hätte mir noch im Frühjahr nie vorstellen können, dass alles so schnell gehen kann.“

Der 18-Jährige ist alles andere als ein Lautsprecher. Seine Antworten klingen überlegt, seine Selbsteinschätzung wirkt realistisch. „Keiner kann von mir verlangen, dass ich mich bereits jetzt explizit zu den Haushaltsfragen äußern kann, die in den Räten behandelt werden.“ Fachwissen müsse er erst noch erwerben, um sich sinnvoll einzubringen. Das sieht er als klaren Ansporn: „Meine Motivation, Wissen und Erfahrungen anzusammeln, ist wirklich groß.“ Ein grundlegend wichtiges Thema für die Gemeinde sowie die Samtgemeinde benennt er jedoch bereits: Die Industrie müsse weiter gestärkt werden, damit ausreichend Gewerbesteuer fließe und sich die regionale Infrastruktur weiter verbessern lasse.

Sein politisches Interesse habe sich über Jahre entwickelt – zunächst durch Schule und Elternhaus, später durch Nachrichten und Podcasts. Ereignisse wie der Beginn des Ukrainekriegs hätten es geschärft.

Sein zentrales Anliegen gilt der jungen Generation: „Ich will den jungen Menschen der Region eine Stimme geben und ihre Sicht stärker in die Kommunalpolitik einbringen.“ Bei den Interessen der Jüngeren bringe er persönliche Expertise mit. Wer nur auf Erfahrung setze, schließe eine junge Perspektive fast aus. „Ich biete mit meiner Kandidatur auch eine Art Perspektivwechsel an.“

Wie jung diese Perspektive ist, zeigt ein Blick auf die Kandidatenlisten. Unter den 24 weiteren Bewerbern für den Gemeinderat Rehden ist Jannik Schmöckel (WGR) der nächstjüngere – rund zehn Jahre älter als Herick. Für den Samtgemeinderat stellen sich neben ihm unter weiteren 80 Bewerbern mit Ben Brzezina (21/WG Wetschen) und Lea-Marie Brinkmann (24/FDP) lediglich zwei zusätzliche U25-Kandidaten zur Wahl.

Herick hat konkrete Vorstellungen, wo er für junge Menschen ansetzen möchte. „Als Erstes würde ich mich dafür einsetzen, den heruntergekommenen Park am Rathaus zu sanieren.“ Auch die Jugendarbeit im Jugendzentrum müsse ausgebaut werden. Sein Wunsch: Angebote an mindestens vier Tagen pro Woche.

Dabei gehe es ihm nicht darum, die bisherige Kommunalpolitik schlechtzureden. Herick begrüßt auch ausdrücklich, dass das Jugendzentrum überhaupt erhalten werden konnte. Die Einbindung der Jugend bei der Konzeption des Skateparks in Rehden nennt er sogar „vorbildlich“. Auch Maßnahmen aus dem Dorferneuerungsplan, etwa die Erneuerung von Bürgersteigen und die sicherheitsrelevante neue Ampel vor der Sporthalle, gehen aus seiner Sicht in die richtige Richtung.

Mit welchen Erwartungen geht der 18-Jährige in die Kommunalwahl? „Aller Anfang ist schwer. Doch ich schätze die Chancen als ganz gut ein, es in den Gemeinderat schaffen zu können.“ Den Einzug in den Gemeinderat hält er für realistischer als ein Mandat im Samtgemeinderat. Über den Ort hinaus sei er „wohl eher noch zu wenig bekannt“.

Sollte es am 13. September für kein Ratsmandat reichen, wäre Herick sicherlich enttäuscht, aber nicht desillusioniert. „Bei der nächsten Wahl in fünf Jahren bin ich immer noch jung.“ Bis dahin würde er sich dann auf andere Weise für die Region Rehden engagieren, Wissen und Erfahrung sammeln und 2031 mit neuen Erfahrungen wieder antreten.

Eine langfristige politische Karriere auf Landes- und Bundesebene könne er sich grundsätzlich vorstellen. Zunächst gehe es ihm um etwas Näheres: „Gutes in und für meine Heimat zu bewerkstelligen.“ Und das immer unter dem politischen Motto: „„Idealistisch denken und dann so pragmatisch wie nötig handeln.“