Tanken im Ausland: Warum Sie in Deutschland bis zu 30 Euro mehr pro Tankfüllung zahlen

Benzin für 1,59 Euro pro Liter: In diesen EU-Ländern tanken Urlauber am günstigsten

Stand: 22.09.2026, 07:00 Uhr

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Bis zu 45 Cent Unterschied pro Liter: Warum Nachbarländer wie Tschechien, Polen und Luxemburg günstiger tanken lassen und wo sich der Umweg wirklich rechnet.

Berlin – Eine Tankfüllung Benzin kostet in Kroatien laut ADAC rund 23 Prozent weniger als in Deutschland. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis unterschiedlicher Steuerpolitik, staatlicher Preisdeckel und einer Ölkrise, die europäische Regierungen zu sehr unterschiedlichen Antworten gezwungen hat.

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Wer jetzt über die Grenze fährt, tankt nicht einfach billiger, er profitiert von politischen Entscheidungen, die deutsche Verbraucher so nicht bekommen. Noch deutlicher wird der Unterschied bei einer 50-Liter-Tankfüllung: Wer hierzulande rund 113 Euro für Benzin zahlt, kommt in Slowenien mit etwa 81,50 Euro davon, in Ungarn mit rund 82 Euro.

Kraftstoffpreise in Bonn-Bad Godesberg

Warum Nachbarländer wie Tschechien, Polen und Luxemburg günstiger tanken lassen und wo sich der Umweg wirklich rechnet. © IMAGO/Marc John

Das sind Ersparnisse von über 30 Euro pro Tankfüllung, die sich vor allem für Vielfahrer und Firmenflotten summieren.

In Luxemburg legt der Staat alle paar Wochen einen Höchstpreis fest, an den sich praktisch jede Tankstelle hält, so die Tagesschau. Belgien geht noch weiter: Dort berechnet die Generaldirektion Energie den Höchstpreis täglich neu, ein Mechanismus aus der Ölkrise 1974.

Preisbildung ist Politik, kein Zufall

Frankreich verzichtet auf staatliche Eingriffe, hat aber einen freiwilligen Deckel von TotalEnergies, der Benzin auf 1,99 Euro und Diesel auf 2,25 Euro pro Liter begrenzt.

Kroatien wiederum begrenzt die Höchstpreise per Regierungsbeschluss für Benzin, Diesel, blauen Diesel und Flüssiggas in Flaschen und Kanistern, klammert dabei aber Premiumkraftstoffe und höhere Oktanzahlen aus, wie der ADAC dokumentiert. Deutschland kennt solche Instrumente nicht, obwohl der Liter Benzin hierzulande laut ADAC bei 2,26 Euro und Diesel bei 2,32 Euro liegt.

Die EU-Kommission beziffert die Preisspanne zwischen den Mitgliedstaaten bei Super E10 mittlerweile auf über einen Euro, bei Diesel auf rund 70 Cent, ein Ausmaß, das zeigt, wie unterschiedlich Steuerlast und Markteingriffe in Europa gehandhabt werden.

Wer profitiert, wer zahlt drauf

Am deutlichsten ist der Vorteil im Osten: In Tschechien und Polen kostet der Liter Benzin rund 1,81 Euro, ein Preisvorteil von etwa 45 Cent gegenüber Deutschland. Österreich liegt mit 1,91 Euro für Benzin und 2,13 Euro für Diesel ebenfalls deutlich darunter, gestützt durch eine bis Ende September verlängerte Spritpreisbremse, die die Mineralölsteuer um 1,9 Cent je Liter senkt.

Italien verbilligt Diesel noch bis zum 17. September durch eine Steuerentlastung. Auch in Spanien, der Slowakei, Slowenien und Ungarn bleiben sowohl Benzin als auch Diesel unter der Zwei-Euro-Marke, während Portugal, Italien und Griechenland als Ausreißer gelten und über diese Schwelle steigen.

Schweden lockt mit Rekordpreisen – in der Schweiz wird Diesel richtig teuer

Besonders günstig zeigt sich Schweden: Dort kostet der Liter Benzin nur 1,59 Euro, Diesel 1,90 Euro, womit Benzinfahrer hier europaweit am stärksten sparen. Wer die Schweiz durchquert, sollte beim Diesel dagegen nicht auf Ersparnis hoffen. Mit 2,44 Euro pro Liter liegt das Land nahezu gleichauf mit den Niederlanden.

Polen wiederum verliert seinen Vorteil zum Teil wieder: Der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 8 Prozent und die staatliche Preisdeckelung liefen am 31. August mit dem Ende der Schulferien aus, Preissteigerungen von 14 bis 20 Cent pro Liter gelten laut ADAC-Einschätzung als möglich.

Niederlande und Dänemark: Hier zahlen Autofahrer europaweit am meisten

Teurer als in Deutschland bleibt es in den Niederlanden und in Dänemark, wo laut BILD höhere Steuern die Preise dauerhaft nach oben treiben. Mit 2,63 beziehungsweise 2,47 Euro pro Liter Benzin liegen beide Länder klar an der Spitze.

Belgien punktet nicht nur beim Sprit: Beschäftigte verdienen dort laut Eurostat im Schnitt 2.000 Euro brutto mehr im Jahr als in Deutschland, wobei ein direkter Zusammenhang mit niedrigen Verbrauchssteuern nicht belegt ist. Wichtig bleibt dabei, dass die Preise auch innerhalb eines Landes stark schwanken können, etwa zwischen Nord- und Südspanien, abhängig von Tageszeit und einzelner Tankstelle.

Auch Wechselkurse spielen eine Rolle. „Gewinnt die dortige Währung gegenüber dem Euro an Wert, schlägt sich das auch in den Spritpreisen nieder und sie erscheinen, wie beim Beispiel Polen, auf den ersten Blick noch mal ein wenig günstiger als bei uns“, erklärt ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer laut ADAC.

Zoll bremst den Tanktourismus

Der wirtschaftliche Vorteil hat Grenzen. Sprit im Tank und bis zu 20 Liter im Reservekanister dürfen zollfrei über die Grenze, größere Mengen müssen verzollt werden.

Der deutsche Zoll kontrolliert deshalb verstärkt in den Grenzgebieten Bayerns, Brandenburgs und Sachsens, wie der ADAC berichtet. Wer nur wegen des Tankpreises einen größeren Umweg fährt, verliert den Vorteil oft durch den zusätzlichen Verbrauch wieder, insbesondere wenn die Route über mehrere Länder mit unterschiedlichen Preisniveaus führt und die reine Fahrzeit die kalkulierte Ersparnis auffrisst.

Business Punk Check

Der eigentliche Skandal ist nicht der Literpreis, sondern die Beliebigkeit staatlicher Eingriffe. Belgien deckelt seit 1974, Luxemburg reguliert per Verordnung, Frankreich überlässt es einem einzelnen Konzern und Deutschland überlässt es dem Markt, mit dem Ergebnis, dass deutsche Steuerzahler die höchsten Preise im Vergleich zu fast allen Nachbarn tragen.

Das ist keine Naturgewalt, sondern eine politische Entscheidung gegen Entlastung. Für Unternehmen mit Fuhrparks und Pendler in Grenzregionen lohnt sich ein nüchterner Blick auf die tatsächliche Kostenrechnung statt auf den Schlagzeilen-Vorteil. Fuhrparkbetreiber in Grenznähe orientieren sich zunehmend an den ADAC-Umwegformeln statt an gefühlten Ersparnissen.

Wer politische Börsenblasen wie die Polen-Rabatte für dauerhaft hält, wird im Herbst überrascht: Auslaufende Programme wie das polnische Preispaket gelten als Beispiel dafür, wie schnell staatlich gemachte Vorteile wieder verschwinden können.