Warum Benzin in Russland 20,5 Prozent teurer ist und was der Dieseldeal mit Trump bringt

Benzin-Schlangen in Russland: Sprit 20,5 Prozent teurer – Drohnen treffen Raffinerien

Stand: 27.10.2026, 13:22 Uhr

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Benzin kostet in Russland 20,5 Prozent mehr. Die Inflation steigt, und der Leitzins bleibt hoch. Ein Dieseldeal mit den USA öffnet neue Märkte.

Moskau – Wer in Russland sein Auto volltankt, zahlt spürbar mehr als zuvor. Benzin ist um 20,5 Prozent teurer geworden, und das in einem Land, das zu den größten Ölproduzenten der Welt zählt. Dass die Lage ernst ist, räumt inzwischen sogar die Regierung ein. Vizepremier Alexander Nowak sagte Anfang Juli, Russland habe „Probleme und einen Mangel, wegen derer wir Schlangen sehen oder Tankstellen, die manchmal unzuverlässig arbeiten“.

Wie stark der Preis geklettert ist, belegen amtliche Zahlen. Schon im Juni lag Benzin laut der Statistikbehörde Rosstat, auf die sich die Agentur Interfax beruft, um 19,9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Gegenüber dem Mai stieg der Preis um 6,88 Prozent, Diesel verteuerte sich um 7,1 Prozent.

Drohnenangriffe auf Raffinerien und Importe treiben Benzinmangel und Preisanstiege in Russland

Teurer Sprit ist allerdings nur die eine Seite, die andere ist die Verfügbarkeit. Im Juli deckte die Benzinproduktion nach einer Einschätzung der Nachrichtenagentur Reuters nur noch 65 Prozent des durchschnittlichen saisonalen Verbrauchs. Am 20. August galten in mindestens 59 Regionen strenge Verkaufsgrenzen.

Als Ursache gelten vor allem Schäden an den Raffinerien. Angaben zufolge nahm die Ukraine ihre Angriffe auf russische Anlagen Ende Juli nach kurzer Pause wieder auf. Mindestens drei Raffinerien setzten den Betrieb aus, darunter jene in Orsk in der Region Orenburg. Der dortige Gouverneur bestätigte den Stillstand und erklärte, die Reparatur könne bis zu sechs Monate dauern. Präsident Wladimir Putin sagte Anfang Juli, die Ukraine greife die Raffinerien an, um eine „nervöse Atmosphäre“ im Land zu schaffen.

Moskau versucht, die Lücke auf anderen Wegen zu schließen. Russland importierte ab Juli Benzin, unter anderem aus Indien und Marokko. Am 20. August verkaufte die Warenbörse in St. Petersburg erstmals eingeführtes Benzin, und zwar für 80 Rubel pro Liter, während heimischer Kraftstoff im Schnitt 54 Rubel kostete. Wie stark das die Preise insgesamt beeinflusst, ist laut dem Bericht noch unklar.

Russlands Dieseldeal mit Trump öffnet neue Exportwege

Während im Inland das Benzin knapp wurde, öffnet sich für Diesel ein neuer Absatzweg. US-Präsident Donald Trump erklärte am 9. Oktober, Putin habe zugestimmt, Diesel an die USA und die Weltmärkte zu liefern, wobei Washington seine Sanktionen auf russische Kraftstoffe vorübergehend aufhebe. Wie Reuters berichtet, bestätigte Russland die Vereinbarung. Trump nannte demnach mehr als 300.000 Tonnen sofort, 500.000 Tonnen im November und eine Million Tonnen danach. Weitere drei Millionen Tonnen hingen vom Zustand der Raffinerien ab. Dass dieser Zustand die Menge mitbestimmt, verbindet das Exportgeschäft eng mit der Versorgungslage im Inland.

Möglich macht den Handel eine Ausnahme vom Dieselexportverbot, das seit August gilt. Seit dem 1. Oktober erlaubt die Regierung laut Händlern Quoten, über die die Lieferungen laufen. Seit dem Verbot mussten die Ölkonzerne ihre Produktion auf den Inlandsbedarf zuschneiden und Lieferungen nach Zentralasien auf zwischenstaatliche Abkommen beschränken.

Diesel aus Russland für die USA: Produktion steigt, erster Tanker unterwegs

Wie sich das auswirkt, schildern zwei Branchenvertreter in einem Reuters-Bericht vom 26. Oktober. Demnach fiel die Dieselproduktion in der ersten Oktoberhälfte auf etwa 160.000 Tonnen pro Tag, nach 175.000 Tonnen im September. Mit den Quoten stieg sie Richtung 180.000 Tonnen. Da der Inlandsverbrauch im Oktober saisonbedingt bei rund 140.000 Tonnen täglich liege, weil die Getreideernte abgeschlossen und die Sommerreisezeit vorbei sei, blieben mindestens 40.000 Tonnen pro Tag für den Export übrig. Das entspreche mehr als einer Million Tonnen im Monat, wovon 0,2 bis 0,3 Millionen Tonnen für Nachbarländer nötig sein könnten.

Dass die Ausfuhr anläuft, zeigen Schiffsdaten. Laut dem Datenanbieter LSEG tauchte am 23. Oktober ein Tanker unter maltesischer Flagge mit 40.000 Tonnen russischem Diesel auf dem Weg nach New York in den Ortungssystemen auf. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte am selben Tag, die Lieferungen in die USA würden nach der Abfahrt des ersten Tankers regelmäßig fortgesetzt. Die Reuters-Quellen erwarten, dass die Regierung das Verbot beibehält, die Exporte über Quoten steuert und dabei Inlandsmarkt und Produktion beobachtet.

Wachstum im zweiten Hlabjahr trotz Inflation und Leitzins in Russland

Dass sich die Kraftstoffpreise längst in der Inflation niederschlagen, bestätigt die Zentralbank. Die Bank von Russland ließ ihren Leitzins am 23. Oktober unverändert bei 14,00 Prozent. In ihrer Mitteilung heißt es, „die Preisdynamik wurde weiterhin von volatilen Komponenten beeinflusst, vor allem von Motorkraftstoff“. Der saisonbereinigte Preisanstieg lag im dritten Quartal hochgerechnet auf ein Jahr bei durchschnittlich 8,0 Prozent, nach 4,8 Prozent im zweiten Quartal. Die Kerninflation kletterte von 4,5 auf 6,2 Prozent. Die Jahresteuerung betrug am 19. Oktober 6,8 Prozent, bis Jahresende rechnet die Notenbank mit 7,1 bis 7,6 Prozent.

Dazu kommt die Stimmung im Land. Die Inflationserwartungen von Haushalten und Unternehmen sanken im Oktober leicht, bewegen sich aber nahe ihrer Zweijahreshochs. Nach Einschätzung der Zentralbank bremsen solche Erwartungen den Rückgang der Teuerung. Trotzdem wächst die Wirtschaft weiter, im zweiten Halbjahr 2026 aber nur in moderatem Tempo, wie die Bank von Russland mitteilte. Die Arbeitslosigkeit liegt demnach nahe historischen Tiefstwerten, und die Geschäftsstimmung hat sich im Oktober gegenüber den niedrigen Vormonaten etwas verbessert.

Für 2027 erwartet die Zentralbank einen durchschnittlichen Leitzins von 12,5 bis 13,5 Prozent und eine Inflation, die auf 4,0 Prozent zurückkehrt. Zugleich überwiegen aus ihrer Sicht die Risiken, die die Preise weiter treiben könnten. Neue Anhaltspunkte liefert die Notenbank bald. Am 5. November veröffentlicht sie die Zusammenfassung der Zinsdiskussion samt Kommentar zur mittelfristigen Prognose, am 18. Dezember folgt die nächste Zinsentscheidung. (Quellen: Reuters, Interfax, Meduza, LSEG)(ls)