Berlin: Hacker veröffentlichen offenbar mehr als eine Million Daten
Die kriminelle Hackergruppe Rhysida hat ihre Drohung gegen den Berliner Senat wahr gemacht und fast sechs Terabyte teils kritischer Daten ins Netz gestellt.
Die Erpresser hatten nach einem massiven Cyberangriff auf die Landesverwaltung auf ihrer Leak-Site einen Countdown geschaltet und ein Lösegeld von 30 Bitcoin (umgerechnet rund zwei Millionen Euro) gefordert. Der Countdown lief am Freitag gegen 15.35 Uhr ab. Der Berliner Senat hatte vorab bekräftigt, auf derartige Erpressungen grundsätzlich nicht einzugehen.
Kurz nach Ablauf des Ultimatums wurde das rund 5,8 Terabyte große Datenpaket im Darknet veröffentlicht. Mehr als 1,4 Millionen Daten sollen nun öffentlich abrufbar sein – in sozialen Netzwerken posteten Mitglieder bereits Listen mit Dateinamen.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erklärte in einer Mitteilung, die dem SPIEGEL vorliegt, dass man von Tätern aus dem Cybercrime-Bereich ausgehe, die ausschließlich finanziell motiviert handeln würden. »Ein Zusammenhang mit staatlichen bzw. politisch motivierten Akteuren konnte bislang nicht hergestellt werden.«
Das BSI gab zudem einen Sicherheitshinweis heraus. Darin warnt es auch andere vor dem komplexen, mehrstufigen Vorgehen der Angreifer. Auch Microsoft hatte diesen Modus Operandi bereits in einem Blogbeitrag beschrieben und ihm den Namen »TerminalFix« gegeben.
Verträge, Notfallpläne, Passwörter
Laut eigenen Angaben verfügten die Erpresser nicht nur über die Daten von knapp 80.000 Ordnungswidrigkeitsverfahren und mehr als 46.500 Verträgen, sondern auch über Informationen über Einrichtungen der kritischen Infrastruktur, Justizunterlagen, Notfallpläne, Passwörter und knapp 6000 Dateien mit Log-in-Daten.
Die Weigerung des Senats, auf Erpressungsversuche der kriminellen Hacker einzugehen, stieß in der Fachwelt auf Zustimmung. Bianca Kastl vom Chaos Computer Club sagte im RBB Inforadio, die Entscheidung des Senats sei richtig. »Würde man diese Gruppen weiter unterstützen mit Geld oder anderen Dingen, dann würden die natürlich immer weitermachen«, sagte sie. »Man muss sie finanziell austrocknen.«
Der IT-Sicherheitsexperte Christof Fischer verwies darauf, dass der Staat per Gesetz keine Zahlungen bei Erpressungen vornehmen dürfe. Die Situation bei Vorfällen wie in Berlin sei aber sehr schwierig: »Die Daten sind in den Händen von Kriminellen, und eine Veröffentlichung hat in vielen Fällen sehr schädliche Auswirkungen. Bislang ist mir kein Fall bekannt geworden, bei dem gezahlt wurde und trotzdem eine Veröffentlichung erfolgte.«
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Allerdings sei anzunehmen, dass die Täter, die meist in osteuropäischen Ländern lebten, diese Daten den dortigen Behörden zugänglich machten, um sich Schutz vor Ermittlungen gegen sie selbst zu erkaufen, sagte Fischer der Nachrichtenagentur dpa.
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