rbb-Informationen: Berlin will Olympia-Bewerbung zurückziehen

Die olympischen Ringe am Olympiastadion (Quelle: imago images/Achille Abboud)

rbb-Informationen Berlin will Olympia-Bewerbung zurückziehen

Stand: 23.09.2026 • 19:52 Uhr

Berlins Olympia-Bewerbung ist passé - und das noch vor der finalen Abstimmung des Olympischem Sportbunds. Wie der rbb erfuhr, zieht die Hauptstadt ihre Bewerbung zurück. Zuletzt hatten sich Berlins Aussichten auf den Zuschlag bereits verschlechtert. Das rbb Fernsehen sendet um 20:15 Uhr ein rbb Spezial zum Thema

  • Berlins Regierender Bürgermeister, Innensenatorin und Olympia-Beauftragter haben am Mittwoch über Olympia beraten
  • Berlin will nach rbb-Informationen Bewerbung zurückziehen
  • Als deutsche Olympia-Bewerber bleiben München und "KölnRheinRuhr" im Rennen

Berlin will seine Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele noch vor der Abstimmung durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) am Samstag zurückziehen. Das erfuhr der rbb am Mittwoch.

Am Mittag hatte es Beratungen des Olympia-Beauftragten Kaweh Niroomand mit dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) gegeben. Zuerst hatte der "Tagesspiegel" über den Rückzug von der Bewerbung berichtet. Der Senat bezog zunächst keine Stellung, lud aber zu einer Pressekonferenz am Donnerstag (10 Uhr) ein.

Bewerbung mit drei anderen Bundesländern

Berlin hatte zusammen mit Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern angestrebt, die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 auszurichten. Die Chancen auf einen Zuschlag für die Hauptstadt hatten sich bereits in den letzten Tagen stark verschlechtert, nachdem die Evaluierungskommission Berlin auf dem letzten Platz einordnete. Somit bleiben nun noch zwei Bewerber übrig: München und "KölnRheinRuhr".

Berlin laut DOSB am wenigsten geeignet

Die Prüfer des DOSB stellten den Berliner Bemühungen am Dienstag ein schlechteres Zeugnis als der Konkurrenz aus. München erhielt 87 von 100 möglichen Punkten, Köln-Rhein-Ruhr bekam 85 - beide erhielten damit die Bewertung "sehr gut". Berlin erreichte 74,6 Zähler, das reicht für die Note "gut". Anders als in den beiden anderen Regionen gab es in der Hauptstadt keine Abstimmung der Bevölkerung. Diese Tatsache wurde laut Niroomand auch in der Evaluierung der DOSB-Kommission stark gewertet.

In Berlin hatte zwar das Abgeordnetenhaus einer Bewerbung zugestimmt, Olympia-Gegner hatten allerdings auch eine Volksinitiative gegen die Bewerbung gestartet.

Entscheidung per Abstimmung

Die finale Entscheidung, wer für Deutschland ins Rennen um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele geht, soll am Samstag (26. September) fallen. Dann findet in Baden-Baden eine außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB statt. Der rbb berichtet live von der Versammlung.

IOC-Entscheidung Mitte 2029

Nach der Verkündung einer Shortlist nimmt das Internationale Olympische Komitee (IOC) Ende 2028 gezielte Gespräche mit einem oder mehreren ausgewählten Bewerbern auf, die ihre Konzepte nochmal verfeinern und volle Garantien vorlegen, um maximale rechtliche und finanzielle Sicherheit zu gewährleisten. Wer den Zuschlag für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036 bekommt, soll Mitte 2029 entschieden werden.

Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken in Berlin, die bei der Berlin-Wahl am 20. September stärkste Kraft wurde, hatte nach dem Wahlsieg zu der Olympia-Bewerbung gesagt: "Ich denke, dass sich die Entscheidung erledigt hat, weil, wir haben jetzt die Wahl auch mit diesen Aussagen zu Olympia gewonnen (...)."

Reaktionen aus der Politik

Stefan Evers, Spitzenkandidat der CDU bei der Berlin-Wahl, kritisierte Eralp am Mittwoch für ihre Aussagen und machte sie indirekt für die Absage durch den noch amtierenden schwarz-roten Senat verantwortlich. Die Stadt verpasse durch eine Olympia-Absage "Milliarden-Zuschüsse" für Sport, Infrastruktur und Stadtentwicklung, teilte Evers mit. Auch Kristin Brinker (AfD) bedauerte den Rückzug der Bewerbung um die Olympischen Spiele, die "enorme positive Auswirkungen" auf Metropolen haben könnten. Der Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Berliner Abgeordnetenhaus, Tobias Schulze, erklärte seinerseits: "Das Scheitern der Olympiabewerbung geht vor allem auf das Konto des schwarz-roten Senats." Dieser hätte die Evaluierung des Berliner Konzepts zu verantworten, nicht das "Wahlergebnis einen Tag zuvor". Er wiederholt die Position seiner Partei: "Berlin kann sich Olympia schlicht nicht leisten."

Sendung: rbb|24, 23.09.2026, 16:19 Uhr Audio: rbb|24, 23.09.2026, Kirsten Buchmann