Berliner Kältehilfe fordert geringere Hürden für Obdachlosen-Schlafplätze

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Berliner Kältehilfe fordert geringere Hürden für Obdachlosen-Schlafplätze

Archivbild: Mitarbeiter der Berliner Kältehilfe im Gespräch mit einem Wohnungslosen.(Quelle: IMAGO / Funke Foto Services)
Archivbild: Mitarbeiter der Berliner Kältehilfe im Gespräch mit einem Wohnungslosen.(Quelle: IMAGO / Funke Foto Services)
  • am 1. Oktober ist die Kältehilfe-Saison gestartet
  • von Jahr zu Jahr werde es der Kältehilfe zufolge schwieriger, Immobilien zu finden
  • die Nutzung ist auf maximal sieben Monate begrenzt - zum Teil sind Umbauten nötig
  • Protest aus der Nachbarschaft verhinderte laut Kältehilfe schon Projekte

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Berlin sucht nach neuen Standorten für die Kältehilfe. Doch geeignete Gebäude werden nach Angaben eines Sprechers der Koordinierungsstelle der Berliner Kältehilfe seit Jahren schwieriger zu finden. Neben dem angespannten Wohnungsmarkt erschwerten auch baurechtliche Hürden, Vorbehalte der Immobilieneigentümer und Widerstände aus der Nachbarschaft die Suche nach zusätzlichen Räumen mit Schlafplätzen für Obdachlose, wie der Sprecher der Kältehilfe rbb|24 mitteilte.

Außerdem seien Vermietungen für die Kältehilfe schwer zu realisieren, da die Nutzung auf maximal sieben Monate über die Wintermonate begrenzt ist. Neue Standorte entstehen deshalb häufig nur in Gebäuden, die vorübergehend leer stehen, etwa wegen geplanter Bauarbeiten. Dabei handelt es sich überwiegend um Immobilien der öffentlichen Hand oder von Kirchen.

Temporäre Nutzung oft hinderlich

Für die aktuelle Kältehilfesaison 2026/2027 erhalten Träger von Notübernachtungen den Angaben zufolge bis zu 35 Euro pro Nacht und Person. Gezahlt wird pro verfügbarem Schlafplatz, unabhängig davon, ob die Plätze auch tatsächlich belegt sind oder nicht.

Aus Sicht der Koordinierungsstelle wirken die Rahmenbedingungen auf rein profitorientierte Eigentümer bei den angebotenen Tagessätzen sowie der nur temporären Nutzung wenig attraktiv. Vermieter, die vor allem wirtschaftliche Interessen verfolgen, würden häufig wieder abspringen.

Baurechtliche Anforderungen problematisch

Als problematisch gelten der Kältehilfe zufolge auch die baurechtlichen Anforderungen. Notwendige Umbauten, etwa bei Sanitäranlagen, seien wegen der kurzen Nutzungsdauer oft wirtschaftlich schwer darstellbar. Die Koordinierungsstelle kritisiert außerdem, dass die Berliner Bauordnung keine vergleichbare Regelung für erleichterte soziale Zwischennutzungen kennt. Eine solche Regelung existiert etwa in Baden-Württemberg.

Hinzu kommen Vorbehalte gegenüber Obdachlosenunterkünften. Widerstände gebe es sowohl von Eigentümern als auch von Anwohnerinnen und Anwohnern oder anderen Akteuren im Umfeld. Gleichzeitig erlebt die Kältehilfe nach eigenen Angaben aber auch viel Unterstützung und Engagement aus den Nachbarschaften.

Verhindertes Projekt nach Widerstand

Wie weitreichend die Folgen des Widerstands sein können, zeigt ein Beispiel aus Neukölln: Ein geplanter Kältehilfe-Standort in der Neuköllnischen Allee kam trotz Unterstützung des Bezirks, der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) und eines Trägers nicht zustande. Ausschlaggebend war nach Angaben der Koordinierungsstelle die Ablehnung durch einen Eigentümer eines Nachbargebäudes. Die Zustimmung der Nachbarschaft war eine Auflage der Bauaufsicht.

Um dem Bedarf der Berliner Kältehilfe sowie den Hürden des Umbaus bei nur temporärer Nutzung gerecht zu werden, fordert die Koordinierungsstelle mehr ganzjährige Angebote für obdachlose Menschen.

Genaue Zahl an Obdachlosen nicht bekannt

Die Berliner Kältehilfe startete am Mittwoch mit 720 Notübernachtungsplätzen - bis Dezember steigen diese auf 1.150. Aktuell werden laut Sozialverwaltung vier weitere Objekte für die Kältehilfe geprüft. Sollten dafür alle notwendigen Genehmigungen vorliegen, könnten kurzfristig mehr als 100 zusätzliche Plätze bereitgestellt werden. Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) appellierte an Immobilien-Eigentümer, weitere Räume für die Kältehilfe zur Verfügung zu stellen. Die genaue Zahl von obdachlosen Menschen in Berlin ist nicht bekannt. Ende Januar 2024 wurde von rund 6.000 obdachlosen Menschen ausgegangen, die in der Hauptstadt auf der Straße oder in Behelfsunterkünften lebten.

Sendung: rbb|24, 03.10.2026, 16:20 Uhr
Audio: rbb|24, 03.10.2026, Anja Meyer

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