Bernadette Amani "lebt ihren Traum" bei Bayern München

Einige Monate nach ihrer Ankunft in Deutschland ist Bernadette Amani ganz offensichtlich genau dort, wo sie sein möchte: In ihrer ersten halben Saison seit ihrem Wechsel zum FC Bayern München hat sie sowohl die Bundesliga-Meisterschaft als auch den DFB-Pokal gewonnen.

"Für mich ist es ein wahr gewordener Traum, hier zu sein, und ich lebe meinen Traum in vollen Zügen", sagte die 28-jährige Mittelfeldspielerin kürzlich in einem Exklusivinterview mit der DW.

"München ist ein sehr, sehr großer Verein. Es macht mich nicht nur glücklich, sondern ist auch eine echte Leistung, ein wahr gewordener Traum, hier zu sein und für einen so renommierten Verein zu spielen."

Amani, die kürzlich die Elfenbeinküste beim Afrika-Cup der Frauen (WAFCON) als Kapitänin anführte, fügte hinzu, dass der Wechsel zu den Bayern-Frauen einen großen Schritt nach vorne im Vergleich zu ihrer Zeit beim CD Tenerife Femenino in der Liga F, der höchsten Spielklasse Spaniens, darstelle.

"Ich war schon in Spanien Profi, aber sagen wir einfach, es war nicht ganz dasselbe Niveau an Professionalität", erklärte sie.

"In Spanien oder der Elfenbeinküste bestand der Trainerstab vielleicht aus nicht mehr als fünf oder sechs Personen. Hier sind es jedoch acht oder zehn. Und das ermöglicht es ihnen (den Spielerinnen), über einen langen Zeitraum hinweg auf diesem hohen Niveau zu spielen."

Diese Struktur und die Erfahrung der Spielerinnen um sie herum, so sagte sie, machten es für eine neue Spielerin praktisch unmöglich, ihr eigenes Spiel nicht zu verbessern.

Bernadette Amani (l.) trainiert mit dem Ball
Bernadette Amani (l.) hilft das Training dabei, eine noch bessere Spielerin zu werdenBild: Jenni Maul/Eibner-Pressefoto/picture alliance

"Ich habe viel über Aspekte gelernt, die mir zuvor nicht bewusst waren: wie ich mich positionieren muss, wie ich meinen Körper einsetzen muss, wie ich mit dem Ball umgehe und wie ich denken muss. Das Spiel wirklich zu verstehen, ist etwas, das ich nach und nach gemeinsam mit den Spielerinnen und dem Trainerstab lerne."

Abidjan öffnet Amani die Augen

Der Weg zum Bundesliga-Meister war für Amani alles andere als geradlinig und vorgezeichnet. Als sie als Kind in ihrem Heimatdorf mit den Jungen gegen den Ball kickte, hatte sie keine Ahnung, dass Fußball eine berufliche Option sein könnte.

Ihre Eltern unterstützten ihre Leidenschaft nicht gerade. Sie wollten einfach nur, dass ihre Tochter eine gute Ausbildung erhält. Zu diesem Zweck zog sie schließlich aus dem Dorf Dougbafla, in dem sie aufgewachsen war, in die Hauptstadt Abidjan - ein Schritt, der sich als entscheidend für ihre Karriere als Fußballerin herausstellte.

"Ich entdeckte die Frauenfußballliga. Ich ging zu einem Spiel, und wie es der Zufall so wollte, traf dort der Tabellenführer auf den Tabellenzweiten", erinnert sie sich.

"Ich sah die Intensität, ich sah die Technik, und dann hörte ich, dass die eine heute nicht da ist, weil sie in Serbien spielt, und eine andere heute nicht da ist, weil sie in der Türkei spielt. Das hat mir wirklich die Augen geöffnet. Mir wurde klar, dass ich mit dem, was ich liebe, meinen Lebensunterhalt verdienen könnte."

Bernadette Amani jubelt mit dem DFB-Pokal in den Händen
Der 4:0-Sieg des FC Bayern gegen Wolfsburg im DFB-Pokal-Finale beschert Bernadette Amani ihren zweiten Titel in MünchenBild: Nico Herbertz/IMAGO

Einer der Vereine, die sie an jenem Tag im Jahr 2019 beobachtete, "Onze Soeurs de Gagnoa", bot ihr ein Probetraining an - und sie schaffte es in die Mannschaft. Innerhalb eines Jahres spielte sie in der dritten spanischen Liga, und fünf Jahre später stand sie mit Eibar in der Liga F auf dem Platz. Immer bestrebt, den nächsten Schritt zu machen, wechselte sie schnell nach Teneriffa, ihrem Sprungbrett zum FC Bayern, den sie als "die Spitze" bezeichnet. Dennoch ist von Selbstzufriedenheit keine Rede.

"Jemand von außen wird dir sagen: ‚Du hast dich ins Zeug gelegt, du hast es zum FC Bayern geschafft, einem Verein, der Titel gewinnt, der professionell ist und weltweit bekannt ist‘", sagte sie.

"Aber jemand, der im Fußball drinsteckt, wird dir sagen, dass dort der schwierige Teil erst beginnt. Dort zu bleiben ist noch besser. Und es ist schwer, nicht in Selbstzufriedenheit zu verfallen."

Enttäuschung bei der WAFCON

Während der FC Bayern kurz vor dem Start der Frauen-Bundesliga steht und mit dem ersten Spiel gegen Union Berlin das Projekt Titelverteidigung angeht, ist Amani nach einer für die Elfenbeinküste sicherlich enttäuschenden Afrikameisterschaft der Frauen in die bayerische Hauptstadt zurückgekehrt. Vor dem Turnier hatte Amani der DW gesagt, das Ziel ihrer Mannschaft sei es, "nicht schlechter abzuschneiden als bei der letzten Afrikameisterschaft, an der wir teilgenommen haben - also den dritten Platz zu erreichen".

Doch die Elfenbeinküste unterlag im Viertelfinale nicht nur Algerien mit 1:2, sondern verpasste obendrein die Qualifikation für die Frauen-WM im kommenden Jahr in Brasilien. In einem der beiden Play-in-Spiele für die interkonföderalen Playoffs - dem letzten möglichen Weg zur WM - unterlag die Elfenbeinküste Ghana ebenfalls mit 1:2.

Während die meisten Fußballer nach einem großen Sommerturnier in der Regel eine Auszeit erhalten, saß Amani bereits am Samstag beim 3:0-Sieg im DFB-Supercup gegen Wolfsburg wieder auf der Bayern-Bank - nur zwei Tage nach der Niederlage der Elfenbeinküste gegen Ghana in Casablanca. Nun liegt der Fokus wieder voll und ganz auf der Titelverteidigung in der Frauen-Bundesliga.

Dieser Artikel wurde aus dem englischen Original "Bernadette Amani 'living her dream' at Bayern Munich" adaptiert.