Beschlüsse zu Tempolimit und Radverkehr auf Bundesstraße 26
Stand: 11.10.2026, 07:35 Uhr
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Das Babenhausener Stadtparlament hat mit breiter Mehrheit eine Prüfung sicherer Radwege entlang der B 26 beschlossen. Welche Varianten möglich sind und was sie kosten, soll eine Untersuchung mit Hessen Mobil klären.
Babenhausen – Die Bundesstraße 26 ist die zentrale Verkehrsachse zwischen Darmstadt über Dieburg nach Aschaffenburg. Kurz vor der hessisch-bayrischen Landesgrenze geht es für knapp 2,5 Kilometer durch die Kernstadt von Babenhausen. Auf diesen gilt aus Lärmschutzgründen seit Mai 2025 ein ganztägiges Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde. Und das wird kontrolliert, unter anderem von zwei stationären Blitzern. Über Limit und Kontrolle wird seitdem vor allem in sozialen Netzwerken geschimpft – und in der Kommunalpolitik auf Drängen der CDU immer wieder diskutiert. Auch in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung, in der die B 26 gleich zweimal Thema war.
Verkehrsbehörde erklärt Prozedere
Die CDU-Fraktion wollte ein Antwortschreiben der Verkehrsbehörde beim Landkreis Darmstadt-Dieburg nach dem von ihr Ende August initiierten, ergebnisoffenen Tempo-30-Lärmschutz-Prüfantrag nicht nur zur Kenntnis nehmen. Wie berichtet, hatte der Landkreis erwartungsgemäß darauf hingewiesen, dass ein Überprüfen des Tempolimits erst nach Vorliegen der neuen Verkehrsmengenkarte 2026 Sinn ergebe. „Ich bitte Sie, den Sachverhalt der Stadtverordnetenversammlung zu kommunizieren, sodass Rückfragen oder gar Erinnerungen unterbleiben“, lautete die leicht genervt klingende Bitte der Verkehrsbehörde an Bürgermeister Dominik Stadler (unabhängig).
Dennoch stellte die CDU nun einen in der Sitzung mehrheitlich beschlossenen Antrag, der den Magistrat auffordert, nach Vorlage der neuen Verkehrsdaten „unmittelbar“ die Lärmberechnungen in Auftrag zu geben und die Ergebnisse der Verkehrsbehörde zum erneuten Überprüfen der bestehenden Geschwindigkeitsbeschränkungen vorzulegen. SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Ivanov und Grünen-Fraktionschefin Sabine Walz zeigten sich in ihren Redebeiträgen irritiert über dieses von Günther Eckert (CDU) vorgetragene Vorgehen und verwiesen auf das Schreiben der Verkehrsbehörde, in dem der Weg bereits aufgezeigt war.
Unsere Mediengruppe hat beim Landkreis das Prozedere nochmals erfragt: Demnach wertet die Verkehrsbehörde, sobald die neue Verkehrsmengenkarte vorliegt, die aktuellen Verkehrszahlen für 2026 aus. Das geschieht von sich aus, die Stadt muss dafür nichts veranlassen. Wenn sich die Zahlen deutlich verändert haben, schaltet der Landkreis das Regierungspräsidium ein. Das Regierungspräsidium gibt dann bei Hessen Mobil eine neue Berechnung der Lärmwerte in Auftrag. Haben sich die Zahlen nicht oder kaum verändert, wird in der Regel keine neue Berechnung beauftragt. Grundsätzlich könnten auch Städte, Gemeinden und Bürger auf eine neue Berechnung hinwirken. „Für die B 26 in Babenhausen sei das aber nicht nötig. Wir prüfen dort ohnehin laufend weiter, ob Maßnahmen wirksam und erforderlich sind“, heißt es von der Verkehrsbehörde.
Breite Mehrheit für Antrag der Grünen
Nicht den Auto-, sondern den Radverkehr auf der B 26-Ortsdurchfahrt hat derweil ein Grünen-Antrag im Fokus gehabt, der mit breiter Mehrheit im Stadtparlament angenommen worden ist. Der Magistrat hat den Auftrag erhalten, im Rahmen des laufenden Nahmobilitäts-Checks (ausführlicher Bericht folgt) und in Abstimmung mit Hessen Mobil untersuchen zu lassen, wie eine sichere und attraktive Radverkehrsverbindung geschaffen werden kann. Die Untersuchung soll sich über die gesamte Ortsdurchfahrt zwischen der westlichen Stadteinfahrt an der Darmstädter Straße und der östlichen Stadtausfahrt an der Aschaffenburger Straße erstrecken.
Für die CDU sicherte Tanja Buia die Unterstützung für den Antrag zu. Sie verwies aber auch darauf, dass ihre Fraktion bereits im vergangenen Jahr einen Antrag gestellt hatte, um auf der breiten Straße durch Fahrbahnmarkierungen, Fahrbahnverengungen oder einen Fahrradstreifen das Tempo-30-Limit „sichtbarer“ zu machen. Ein Ansinnen, dem die Verkehrsbehörde nicht folgen wollte, um den nach Ummarkierungen erzielten besseren Verkehrsfluss nicht zu gefährden. Auch das Ausweisen von Fahrradwegen sei wegen des hohen Verkehrsaufkommens aus Platzgründen nicht möglich. Dazu der Hinweis zu Tempo 30: „Bei der geltenden zulässigen Höchstgeschwindigkeit ist eine Nutzung der Fahrbahn möglich, ohne besondere Gefahren feststellen zu können.“
Nun der neue, politische Wunsch nach einer „ergebnisoffenen“ Prüfung, wie es die Grünen formuliert haben. Demnach sollen in Zusammenarbeit mit Hessen Mobil unter anderem baulich vom Kraftfahrzeugverkehr getrennte Radwege, geschützte und reguläre Radfahrstreifen sowie – dort, wo andere Lösungen aufgrund der örtlichen Situation nicht möglich sind – Schutzstreifen geprüft werden. Ebenso soll untersucht werden, ob vorhandene Fahrbahn- und Seitenflächen teilweise neu zugunsten des Rad- und Fußverkehrs aufgeteilt werden können. Besondere Aufmerksamkeit soll den größeren Knotenpunkten gelten.
„Wir wollen belastbare Fakten auf dem Tisch haben: Welche Varianten sind möglich? Wie sicher sind sie? Welche Auswirkungen haben sie auf den übrigen Verkehr? Was kosten sie und welche Fördermöglichkeiten gibt es? Auf dieser Grundlage kann anschließend eine fundierte politische Entscheidung getroffen werden“, heißt es in einer nach der Sitzung verschickten Stellungnahme der Grünen: „Wer möchte, dass das Fahrrad für mehr Menschen eine echte Alternative im Alltag wird, muss sichere, erkennbare und möglichst durchgängige Verbindungen schaffen. Mit der breiten Zustimmung im Stadtparlament ist dafür jetzt ein wichtiger Schritt gemacht.“