Betrugsprozess: Jimi Blue Ochsenknecht verurteilt

Angeklagter Ochsenknecht Mitte September bei einem Pressetermin zur Reality-Doku »Yeliz & Jimi – We Are Family?!«: Ins Gefängnis muss er nicht Angeklagter Ochsenknecht Mitte September bei einem Pressetermin zur Reality-Doku »Yeliz & Jimi – We Are Family?!«: Ins Gefängnis muss er nicht

Angeklagter Ochsenknecht Mitte September bei einem Pressetermin zur Reality-Doku »Yeliz & Jimi – We Are Family?!«: Ins Gefängnis muss er nicht

Foto: Sven Hoppe / dpa

Um 10.10 Uhr wird es laut im Innsbrucker Landesgericht. Als der Verteidiger auf einen Freispruch für seinen Mandanten Jimi Blue Ochsenknecht plädiert, bricht es aus der Staatsanwältin heraus. »Permanentes Opfergewäsch«, zischt sie, »kaum zu ertragen«.

Eine Viertelstunde später klingt die Wut der Anklägerin schlagartig ab. Die Richterin verkündet ihr Urteil: Ochsenknecht ist schuldig, das Delikt lautet: Betrug. Der Deutsche habe Ende 2021 bewusst eine in Kirchberg in Tirol angefallene Hotelrechnung in Höhe von fast 14.000 Euro nicht beglichen. Der Angeklagte »ist nicht zahlungswillig gewesen, sonst hätte er ja gezahlt«, sagt die Richterin. Nicht relevant sei, ob er damals zahlungsfähig war oder nicht – so hatte die Verteidigung argumentiert.

Ins Gefängnis muss er für seine Tat nicht, aber zahlen soll er: 34.500 Euro sind fällig, abzüglich bereits geleisteter Zahlungen. Übrig bleiben dürfte ein Restbetrag von mehr als 6000 Euro. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht.

Nach 66 Minuten ist die Verhandlung vorbei. Die Ochsenknecht-Aufregung offenkundig auch, zumindest in Tirol. Im Zuschauerbereich sitzen zwölf Menschen, vor allem Medienleute.

Omega-Promi mit Alpha-Ego

So endet eine deutsch-österreichische Posse, die es so wohl noch nicht gab: Ein, wie man in Österreich sagt, »Piefke«, der als Sohn eines großen Schauspielers im Nachbarland auf dicke Hose macht. Ein Omega-Promi mit Alpha-Ego, der die Zeche prellt und dann nicht greifbar ist, aber allgegenwärtig über digitale Kanäle weiter sein Jetset-Leben zelebriert. Und dann am Ende doch geschnappt wird, im Gefängnisbus quer durch Deutschland in Richtung Alpenrepublik gekarrt wird und dort bei seiner Schwester unterkommt, die mit ihrem Mann einen Bauernhof betreibt.

Im August 2025 wird ihm in Innsbruck schon mal der Prozess gemacht: Der Gerichtssaal quillt über vor Medienleuten, hyperventilierenden Fans und Mitarbeitern seiner Reality-Serie »Diese Ochsenknechts«. Der Angeklagte erscheint matt weiß gekleidet und zeigt, was er kann. Er lächelt, beteuert, bedauert. Dann drückt er vor aller Augen Willi Steindl die Hand, Eigentümer des Hotel »Sonne«, wo er die Zeche geprellt hatte.

Doch, dieser Stoff passt bestens zu den trashigen TV-Formaten, in denen Ochsenknecht zu sehen ist. Seinen Marktwert dürfte die Aktion gesteigert haben, zumindest in den Sphären, in denen er sich inzwischen bewegt. Und ein juristisches Happy End winkte ihm damals obendrein.

Die Richterin bot Ochsenknecht eine Diversion an: eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldbuße von etwa 18.000 Euro. Also eine Lösung, ohne verurteilter Betrüger zu sein. Diesen Ausweg nahm er an. Grinsend wie ein Sieger verließ er den Saal, doch sein Problembewusstsein überzeugte nicht alle Anwesenden – und schon gar nicht die Staatsanwaltschaft. Die Anklage schäumte, sprach von »Verarsche« und legte Beschwerde ein. Inzwischen war auch publik geworden, dass er in München verurteilt worden war, weil er in Graz ebenfalls kräftig gefeiert hatte und auch dort gegangen war, ohne zu zahlen. Dem Einspruch gegen die Diversion wurde stattgegeben, der Prozess musste wieder aufgenommen werden.

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Vielleicht ahnte Ochsenknecht diesmal schon, dass die Sache doch nicht glimpflich für ihn ausgeht. Der inzwischen 34-Jährige kam nicht nach Innsbruck zur Verhandlung, das hatte sein Anwalt vorab dem SPIEGEL bestätigt. Sein Mandant habe alles Relevante ausgesagt, »deshalb besteht keine Notwendigkeit, abermals vor Gericht zu erscheinen«. Ochsenknecht soll inzwischen in Dubai leben.

Im Mittelpunkt stand deshalb ein weiterer Zeugenauftritt von Wilhelm Steindl, dem geprellten Hotelwirt, den alle nur Willi nennen. Die Richterin ließ ihn im Detail schildern, wie die Buchung der Hotelzimmer ablief: Direkt über ihn, per WhatsApp, eine Anzahlung habe er in diesem Fall nicht verlangt – er hielt Ochsenknecht für solvent. Deshalb war er auch einverstanden, als sein Gast ihn fragte, den Rechnungsbetrag auszulegen für die Geburtstagssause in einem teuren Restaurant in Kitzbühel. Steindl schildert, wie Ochsenknecht seine Bitte begründete: Er habe »vergessen«, Geld und Kreditkarten mitzunehmen ins Lokal. Dass die Feier rund 6000 Euro gekostet hat, habe ihn überrascht, sagt der Wirt vor Gericht.

Argwöhnisch will er noch nicht geworden sein, als Ochsenknechts Kreditkarten beim Check-out nicht funktionierten. Sein Gast habe das mit einem angeblichen Auslandslimit begründet und versprochen, dass sein »Buchhalter« das Geld noch am selben Tag überweisen würde. Steindl spricht leise, einmal schüttelt er leicht den Kopf. Der Hotelbesitzer hat schon im ersten Prozessteil erklärt, für ihn sei die Sache geklärt, schließlich hat ihm Ochsenknechts Ex-Freundin das Geld bezahlt. Aber fassungslos wirkt er trotzdem, als er an diesem Donnerstag vor Gericht befragt wird. »Der Vertrauensvorschuss in die Gäste wird in der Regel nicht enttäuscht.« So einen Fall habe er noch nie gehabt.

Zeuge Steindl im Innsbrucker Landesgericht: Zufällige Begegnung auf dem Oktoberfest

Zeuge Steindl im Innsbrucker Landesgericht: Zufällige Begegnung auf dem Oktoberfest

Foto:

Oliver Das Gupta / DER SPIEGEL

Steindl erzählt von Berichten, die ihn nach Ochsenknechts Besuch erreicht hätten. Der Schauspielersohn habe demnach schon vorher »ordentlich Geldprobleme« gehabt, bevor er Gast in der »Sonne« war, sagt Steindl. So habe ihm etwa ein »Medienmanager« geschildert, man habe einmal Jimi Blues »Gehalt gepfändet«. Die Richterin fragt ihn, ob er mit diesem Wissen Ochsenknecht hätte abreisen lassen, ohne dass dieser gezahlt hatte? »Natürlich nicht«, sagt Steindl. Was er stattdessen gemacht hätte? »Man hätte die Polizei anrufen müssen.« Für die Richterin liefert der Hotelwirt den Stoff für ihre spätere Urteilsbegründung.

Der Hotelier ist ein paar Monate jünger als Ochsenknecht, und er ist neben dem Anwalt wohl die einzige Person im Saal, die den abwesenden Angeklagten unlängst gesehen hat. Auf dem Münchner Oktoberfest sei er Jimi Blue und dessen Begleiterin beim »Almauftrieb« des Käferzeltes zufällig über den Weg gelaufen. »Wir haben uns nur die Hand gegeben, sonst aber nicht unterhalten.« Steindl sei kurz angebunden gewesen, sagt er: So kurz vor seiner Aussage im Gericht habe er ein Gespräch mit Ochsenknecht vermeiden wollen.

An neuem Kontakt zu Ochsenknecht dürfte dem Tiroler eher nicht gelegen sein. Dessen Verteidiger verteilt im Prozess noch Ausdrucke, auf denen der Chatverlauf von Steindl mit Ochsenknechts Mutter Natascha nachzulesen ist. Das Material soll belegen, dass die Stimmung auch nach der ausbleibenden Zahlung gut war. Das hatte der Zeuge auch gar nicht bestritten.

Die Richterin gibt sich unbeeindruckt, doch Steindl irritiert dieses anwaltliche Manöver sichtlich. Mutter Ochsenknecht sei früher Gast in seinem Hotel gewesen, aber wegen der Zahlungssache mit ihrem Sohn habe er sie nicht behelligen wollen. »Dafür muss er schon alleine geradestehen.«

Noch ein Verfahren in Köln

Dann darf Steindl gehen, die anschließende Urteilsbegründung, die auch Bezug auf seine Aussage nimmt, will er sich nicht mehr anhören. Mit schnellen Schritten geht Steindl zur Tür und atmet dabei tief durch. Für ihn ist der Fall endlich abgeschlossen.

Möglicherweise verlagert sich die Ochsenknecht-Saga demnächst ohnehin zurück nach Deutschland. Die »Bild«-Zeitung hatte vor einigen Tagen von »neuen Ermittlungen« nach einer Betrugsanzeige geschrieben. Neu ist das Verfahren allerdings nicht, wie die Staatsanwaltschaft Köln auf Anfrage des SPIEGEL mitteilt. Es geht demnach um einen Fall aus dem Jahr 2024, den die Behörde im September 2025 von der Staatsanwaltschaft Hannover übernommen hat. Der Vertreter der Strafverfolger gibt sich zugeknöpft bezüglich der Materie und der Beteiligten: »Mit Blick auf vorrangig zu wahrende Persönlichkeitsrechte Verfahrensbeteiligter, deren Namen ich ausdrücklich nicht bestätige, kann ich weitere Auskünfte leider nicht erteilen.«

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Die Ochsenknecht-Seite kann oder will dazu auch nichts sagen. Ochsenknechts aktueller Tiroler Anwalt erklärt dazu lediglich, er könne zu den kolportierten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft keine Angaben machen – er habe dazu auch keine Informationen.

Ob Jimi Blue Ochsenknecht noch auf dem Oktoberfest feiert oder wieder in Dubai weilt, ist nicht bekannt. In den vergangenen Wochen hat er in sozialen Medien Musik veröffentlicht. Er posierte in schwarzer Kluft, auf einem Shirt ist das Wort »Mafia« zu erkennen.

Es scheint nicht, als wolle er an seinem Image etwas ändern.