Datenschutznegativpreise verliehen: Big Brother Awards für Dobrindt, Telekom und Apollo Optik
Die Big Brother Awards sind Negativpreise. So etwas wie die "Oscars der Überwachung". Es werden eklatante Datenschutzverstöße angeprangert und es wird auf kritische Entwicklungen hingewiesen. Eine unabhängige Jury vergibt diese "Auszeichnungen" jährlich bei einer Gala in Bielefeld.
Bundesinnenminister bekommt Negativpreis Big Brother Award
Alexander Dobrindt (CSU) ist schon wieder unter den Preisträgern. Wie schon im vergangenen Jahr erhält der Bundesinnenminister einen Big Brother Award. Grund: Sein Ministerium wolle die Steuer-ID zum universellen Personenkennzeichen machen, erklärt Jurymitglied Rena Tangens. Also eine personalisierte Nummer für alles: Melderegister, Kraftfahrzeugamt, Gesundheitsamt, um nur einige Beispiele zu nennen. Aktuell gehe das nur mit Einwilligung der Bürger. Aber das könne sich ändern, warnt Rena Tangens.
"Es kann sich auch schnell mal die Regierung ändern. Und wir sollten uns gut überlegen, wem wir eigentlich alles über uns preisgeben wollen." Rena Tangens, Jurymitglied Big Brother Awards
Perspektivisch sollen alle staatlichen Datenbanken die Steuer-ID verwenden, so die Jury. Der "gläserne Bürger" könnte entstehen.
Deutsche Telekom bekommt Präventiv-"Big Brother"
Wie schon der Bundesinnenminister gehört auch die Deutsche Telekom zu den "Wiederholungstätern" bei den Big Brother Awards. In diesem Jahr wird der Konzern präventiv ausgezeichnet. Und zwar für den Plan, mit der US-amerikanischen T-Mobile US zu fusionieren. Damit könnte in Zukunft deutsche Telekommunikationsinfrastruktur direkt US-Überwachungsgesetzen unterliegen, warnt die Jury. Die Folge: Amerikanische Behörden hätten direkten Zugriff auf sämtliche Kundendaten auch in Deutschland.
Apollo Optik und Fielmann der Spionage beschuldigt
Die Optiker sorgen für einen fragwürdigen Durchblick, sagt die Jury. Denn sie verkaufen die Ray-Ban-/Meta-Brille. Brillen, in denen Kameras und Mikrofone eingebaut sind. Damit könne unauffällig alles aufgenommen und im Zweifel auch veröffentlicht werden - was bereits auf Social-Media-Plattformen geschehen ist. Durch den Vertrieb solcher Brillen seien Apollo Optik und Fielmann mitschuldig an der Verletzung der Privatsphäre tausender Menschen.
Jugendliche sehen Social-Media-Verbot kritisch
Die "Teckids" sind zum zweiten Mal bei der Big Brother Gala in Bielefeld dabei. Die Jugendlichen engagieren sich beim Thema Datenschutz. Sie sind gegen ein Social-Media-Verbot. Es schütze niemanden und löse keins der Probleme. Alterskontrollen könnten umgangen werden und pauschale Verbote würden diejenigen bestrafen, die sich an die Regeln hielten. Es brauche vielmehr digitale Mündigkeit.
Seit dem Jahr 2000 werden die deutschen Big Brother Awards in Bielefeld vergeben. Sie deckten Datenmissbräuche auf - beispielsweise bei Rabattkarten, Mautkameras oder auch bei der Handynutzung. Sie warnten früh vor der Gesundheitskarte oder der Vorratsdatenspeicherung.
"Viele Menschen gehen jetzt vorsichtiger mit ihren Daten um. Aber es gibt immer noch viel Bösartigkeit in der Welt. Deshalb machen wir weiter!" Rena Tangens, Jurymitglied Big Brother Awards
Einige "ausgezeichnete" Unternehmen änderten ihren Umgang mit sensiblen Daten. Doch persönlich nahmen nur wenige ihre Negativpreise bei der Gala in Bielefeld entgegen. Dazu gehörten vor Jahren erstaunlicherweise die Telekom und auch Microsoft. Die unabhängige Jury besteht aus Datenschützern und Bürgerrechtlern, die aus ganz Deutschland kommen.