Bilger will Boni bei der Bahn mehr an Ziele knüpfen - und bekommt Zuspruch

Ein ICE 4 fährt am Morgen in der Berliner Innenstadt in Richtung Hauptbahnhof.

Vorhaben des Verkehrsministers Späte Züge, weniger Boni? Bilger bekommt Zuspruch

Stand: 09.08.2026 • 18:21 Uhr

Mit weniger Bonuszahlungen bei mangelnder Pünktlichkeit will der neue Verkehrsminister den Handlungsdruck bei der Bahn verstärken. Neu ist die Idee nicht - der CDU-Politiker Bilger erhielt aber schnell Zuspruch auch aus anderen Parteien.

Verfehlt die Deutsche Bahn die Ziele, die der Bund ihr vorgibt, soll es künftig weniger Boni für die Führungsebene geben. Damit will der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) den Druck auf die Bahn und ihre Pünktlichkeit erhöhen - und erhält parteiübergreifend Zuspruch. In einem Interview der Bild am Sonntag sagte Bilger, im Fokus stehe die Pünktlichkeit im Fernverkehr.

"Ich begrüße es ausdrücklich, dass Verkehrsminister Bilger die Bonuszahlungen der Bahn-Manager an die Pünktlichkeit koppeln will", sagte Isabell Cademartori, Obfrau der SPD im Verkehrsausschuss des Bundestages, dem Tagesspiegel. "Die Menschen erwarten, dass die Bahn zuverlässiger wird. Als Politik stellen wir Rekordinvestitionen für die Infrastruktur zur Verfügung und erwarten, dass sich das auch in der Pünktlichkeit zeigt."

Auch Grüne dafür - und für bessere Infrastruktur

Auch die Grünen befürworteten die Pläne grundsätzlich, forderten zugleich aber deutlich mehr Investitionen in die Schieneninfrastruktur. "Klar erwarten Menschen, dass Bonuszahlungen an Zielerreichungen wie ein verlässlicher Personenverkehr geknüpft sind - allerdings liegt die Ursache für Verspätungen und Zugausfälle vor allem darin, dass seit Jahrzehnten vom Bund viel zu wenig Geld in die Schieneninfrastruktur investiert wurde", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Julia Verlinden, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Thüringens Digital- und Infrastrukturminister, Steffen Schütz (BSW), sagte dem Tagesspiegel, er habe einst als Unternehmer "nur Sonderzahlungen erhalten, wenn Ziele zu 100 Prozent erreicht" worden seien. "Bei der DB gelten da andere Maßstäbe. Es ist für die Kunden und erst recht für die Beschäftigten der Bahn nicht nachvollziehbar, dass der DB-Konzernvorstand Ziele viel zu niedrig setzt und dann auch noch deren Unterbietung belohnt", sagte Schütz.

Pro Bahn appelliert auch an den Bund

Der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, begrüßte Bilgers Pläne ebenfalls. Zugleich forderte er den Bund auf, nicht nur Druck auf den Konzern auszuüben, sondern auch seine eigenen Aufgaben zu erfüllen.

"Grundsätzlich ist es richtig, wenn der Eigentümer eindeutige Vorgaben macht und diese auch kontrolliert", sagte Naumann den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Daran habe es in der Vergangenheit gefehlt. Gleichzeitig müsse der Bund der Bahn ausreichend Finanzmittel zur Verfügung stellen und deren zielgerichtete Verwendung kontrollieren. "Auch daran fehlte es in der Vergangenheit."

Teil von Schnieders Strategiepapier

Neu ist die Idee, Bonuszahlungen bei der Bahn an Pünktlichkeit zu knüpfen, allerdings nicht: Auch Bilgers Amtsvorgänger Patrick Schnieder (CDU) hatte in einem Strategiepapier angekündigt, die variable Vergütung der Vorstände und Führungskräfte mehr an die Ziele der Bahn zu koppeln.

Bereits jetzt gilt Pünktlichkeit des Fernverkehrs als ein Kriterium für Bonuszahlungen an die Vorstandsmitglieder. Wie Recherchen von ZDF frontal zeigten, knüpft die Bahn ihre Boni da allerdings an eher bescheidenere Ziele. Demnach würden für 65 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr erste Bonuszahlungen fließen. Ab 67,5 Prozent gelte das Ziel als zu 100 Prozent erfüllt. Ab 70 Prozent Pünktlichkeit würden 150 Prozent der vereinbarten Boni ausgezahlt. Da 2025 jedoch nur etwa 60 Prozent der Fernzüge pünktlich kamen, gab es hier offenbar kein Geld.

Für den Regionalverkehr würden laut der Recherche bei 90 Prozent Pünktlichkeit Bonuszahlungen fällig. Auch das sei nicht erreicht worden. Boni gab es demnach nur im Bereich der Schienengütersparte Cargo - dort wurde das Ziel mit 67,7 Prozent erreicht.

Immer wieder Unmut über Bahn-Boni

Insgesamt hätten die Bahn-Vorstände 2025 knapp drei Millionen Euro Bonuszahlungen erhalten, berichtete ZDF frontal unter Berufung auf den Geschäftsbericht. Allein Ex-Konzernchef Richard Lutz habe 570.000 Euro an Boni ausgezahlt bekommen.

Bereits in der Vergangenheit hatten Bonuszahlungen bei der Bahn Debatten ausgelöst und für Kritik gesorgt. So beliefen sich etwa die Boni an Bahn-Beschäftige für 2022 auf einen mindestens dreistelligen Millionenbetrag - trotz historisch schlechter Leistung bei Pünktlichkeit und Kundenzufriedenheit. Beide Faktoren wurden bei der Berechnung der Boni mit null gewichtet, wie Recherchen von von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung damals zeigten. Eingeflossen waren stattdessen Mitarbeiterzufriedenheit, Frauen in Führungspositionen und das Erreichen finanzieller Ziele.