Schwarze Witwen in Russland: Wie Erbschleicherinnen Soldatenfamilien um ihr Geld bringen

Publiziert6. August 2026, 07:45

Masche in Russland«Bin geschockt»: Schwarze Witwe brachte Maria (37) um ihr Erbe

Heiraten, in den Krieg schicken, den Tod  abkassieren: Das ist, kurz gesagt, die Masche von Russlands Schwarzen Witwen. Die sichern sich so ihr Leben.

Fee Anabelle Riebeling

Darum gehts

  • In Russland erschleichen sich sogenannte Schwarze Witwen mit Scheinehen die Entschädigungen für im Ukraine-Krieg gefallene Soldaten.
  • Hinterbliebene gehen dadurch oft leer aus, wie der Fall einer Tochter aus St. Petersburg zeigt, deren Vater kurz vor seinem Kriegseinsatz heiratete.
  • Berichte deuten auf organisierte Netzwerke hinter den Scheinehen hin. Auch der Kreml dürfte die Entwicklung begünstigt haben.

Fünf Millionen Rubel (rund 49'000 Franken) hat Russlands Präsident Wladimir Putin den Angehörigen im Ukraine-Krieg gefallener russischer Soldaten versprochen. Hinzu kommen weitere Gelder. Das soll den Männern Gewissheit geben, dass für ihre Hinterbliebenen im Falle eines Falles gesorgt ist. Erbschleicherinnen, meist junge Frauen, machen sich das jetzt zunehmend zunutze: Immer häufiger kommt es vor, dass die sogenannten Schwarzen Witwen Männer zu Scheinehen überreden und nach deren Tod abkassieren.

«Ich habe noch nie mit dieser Frau gesprochen»

Andere Hinterbliebene wie Maria aus St. Petersburg haben das Nachsehen. Die 37-Jährige steht plötzlich ohne Vater Yuri und ohne Erbe da. Denn nächste Angehörige ist nicht sie, sondern die Witwe des 57-Jährigen. «Ich bin immer noch geschockt und kann das Geschehene einfach nicht fassen», sagt sie gegenüber CNN. Nicht nur zog die Mitteilung vom Tod ihres Vaters ihr die Beine weg, sondern auch die Neuigkeit, dass ihr Vater verheiratet war.

Er hatte erst zwei Tage vor seinem Kriegseinsatz «Ja» gesagt. Maria hatte davon nichts gewusst. Auch nicht davon, dass ihr Vater eine Partnerin hat. Getroffen hat sie die Braut, die 22 Jahre jünger war als Yuri, nie. «Ich habe noch nie mit dieser Frau gesprochen», so die Russin. «Und ich weiss auch nicht, was ich ihr sagen soll.» Sie habe sofort den Verdacht gehabt, dass da etwas nicht stimmt und es sich um Betrug handelt.

Wie würdest du reagieren, wenn du kurz nach dem Tod eines Elternteils von einer dir unbekannten Ehe erfährst?

Ich wäre schockiert und würde versuchen, die Situation zu verstehen.

Ich würde sofort misstrauisch werden und die Umstände hinterfragen.

Es wäre sehr schmerzhaft, so etwas zu erfahren, besonders in der Trauer.

Ich würde es akzeptieren, wenn es der Wunsch des Elternteils war.

Ich hätte das Gefühl, dass mir etwas verheimlicht wurde.

Das ist eine sehr persönliche Angelegenheit, die ich für mich behalten würde.

Ich habe keine Eltern mehr, die so etwas tun könnten.

Krankenschwester heiratete fünf Soldaten kurz vor deren Tod

Marias Schicksal ist kein Einzelfall. In den letzten Monaten häuften sich Berichte über ähnliche Fälle. Vor allem einsame Männer und solche mit psychologischen Problemen sind das Ziel. Besonders viel Aufmerksamkeit erregte im letzten Jahr der Fall einer Krankenschwester, die in einem Militärspital Schwerletzte versorgte und fünf Soldaten Tage vor derem Tod noch heiratete und abkassierte. Sie wurde entlassen, wie CNN schreibt.

Anleitungen und Tipps auf Social Media

Auf die Idee kommen die Schwarzen Witwen offenbar auch durch Social Media, wie die «Frankfurter Rundschau» unter Berufung auf United24media.com schreibt: «Es ist ganz einfach: Such dir einen Mann, der im Krieg kämpft. Wenn er dabei ums Leben kommt, bekommst du 8 Millionen», zitiert die Zeitung den Youtube-Kanal MackNack (Майкл Наки). Die Angaben über den tatsächliche Summe variieren. Offenbar gebe es ein ganzes Netzwerk an Personen, das sich um die Realisierung solcher Ehen kümmere. Es umfasse Standesbeamte, die Ehen beschleunigten, Pflegepersonal in Militärspitälern, Polizeibeamte und Personal der Wehrdienstbüros.

Auch der Kreml selbst dürfte eine Mitschuld an der Entwicklung tragen: Nach Russlands Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 ermutigte er russische Rekruten aktiv zur Heirat. Der Aufruf von damals könnte bis heute nachhallen.

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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Fee Anabelle Riebeling

Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen/AI, Data und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.