Bio-Landwirt: „Ohne Unkraut kein Salat" – warum es den Boden schützt
Stand: 07.08.2026, 18:00 Uhr
Kommentare

Paul Wivell baut auf Gut Marienborn über 50 Kulturen nach EU-Biorichtlinien an. Unkraut zwischen Salatpflanzen schützt den Boden vor Sonne und verringert die Verdunstung.
Eckartshausen – Beim Frühstück des Landfrauenvereins Eckartshausen-Langenbergheim hat Vorsitzende Ilka Stürtz im Bürgerhaus Eckartshausen den in Pennsylvania in den Vereinigten Staaten geborenen Landwirt Paul Wivell begrüßt, der auf dem Gut Marienborn zu Hause ist. Über seinen Dienst bei der US-Armee kam er nach Deutschland und stieg 2021 in die sogenannte Solidarische Landwirtschaft ein.
Kooperation
Solidarische Landwirtschaft (SoLawi) ist eine Kooperation von Landwirten, Gärtnern und SoLawi-Mitgliedern zum Zwecke des Gemüseanbaus. Die Mitglieder bezahlen einen festen Beitrag pro Monat. Dafür erhalten sie eine Gemüsekiste pro Woche, abhängig von der jeweiligen Ernte. Eine gärtnerische Mithilfe ist möglich, aber nicht zwingend notwendig. Die Landwirte erhalten durch dieses System Planungssicherheit und die Möglichkeit der Unterstützung durch eine Gemeinschaft.
Sein Vortrag, der von den Landfrauen mit großem Interesse verfolgt wurde, behandelte vor allem den biologischen Gemüseanbau in klimatisch herausfordernden Zeiten. Fazit: Es war nie wichtiger, mit der Natur zu arbeiten, statt quasi gegen sie, und ihre eigenen Schutz- und Entwicklungsmöglichkeiten zu nutzen. Oder, um es mit Wivell auf den Punkt zu bringen: „Ohne Unkraut kein Salat.“
Schutz vor direkter Soneneinstrahlung
Was erstaunlich klingen mag, ist es in den Ohren des erfahrenen Landwirtes keineswegs. Wivell baut auf einer Fläche von 7000 Quadratmetern über 50 verschiedene Kulturen an. Seine Äcker hat er von der Betreiberfamilie Förster auf Gut Marienborn gepachtet und bewirtschaftet sie nach EU-Biorichtlinien.
„Oft wird Unkraut ausschließlich als Problem gesehen“, stellte der Referent fest. „Tatsächlich kann Unkraut aber auch massive Vorteile haben: Zwischen Salatpflanzen schützt es den Boden vor direkter Sonneneinstrahlung und verringert so die Verdunstung. Außerdem kann eingearbeitetes Pflanzenmaterial als natürliche Düngung dienen und macht uns unabhängig von Kunstdünger, der energie- und kostenintensiv aus fossilen Rohstoffen wie Erdöl und Erdgas hergestellt wird.“
Auch das Arbeiten mit Mulch- oder Abdeckfolien helfe dabei, den Boden länger feucht zu halten. Ebenso wichtig sei eine gründliche Bodenlockerung vor dem Pflanzen, um ein tiefes Wurzelwachstum zu ermöglichen, sodass Trockenperioden besser überstanden werden können. Zusätzlich setzt Wivell auf organische Düngung, beispielsweise durch Flächenkompostierung mit Zwischenfrüchten wie Klee, Ernteresten oder Bio-Dünger wie Haarmehlpellets oder Mist. Zu den von ihm in der Solawi angebauten Kulturen gehören unter anderem Fruchtgemüse wie Paprika, Auberginen, Wassermelonen und Kürbisse, verschiedene Salate wie Kopfsalat, Asia-Pflücksalat, Rucola oder Mangold, Wurzel- und Knollengemüse wie Fenchel, Radieschen und Rote Bete, zahlreiche Kohlarten (Blumenkohl, Kohlrabi, Rotkohl oder Grünkohl), außerdem Erbsen und Zuckerschoten, verschiedene Zwiebel- und Knoblauchgewächse und eine große Auswahl an Kräutern, beispielsweise Dill, Rosmarin und Schnittlauch.
„Vermarktet wird mein Gemüse direkt ab Feld. Interessierte können auch ohne Mitgliedschaft in der Solawi vorbeikommen und direkt vor Ort einkaufen“, sagte Wivell in Eckartshausen und erntete zustimmendes Kopfnicken von vielen Tischen. „Seine Gemüse ist wirklich exzellent, ich kann es nur empfehlen“, war zu hören.
Solidarische Landwirtschaft
„Ich halte das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft für eine sehr gute Idee“, so der Landwirt. „Zum einen erhalten die Mitglieder saisonales, regionales Gemüse direkt vom Erzeuger. Zum anderen werden die Risiken und Erträge der Landwirtschaft gemeinsam getragen, wodurch eine nachhaltigere und planbarere Bewirtschaftung möglich wird.“
Besonders schön fände er es, dass Mitglieder auf Wunsch selbst auf seinem Acker mithelfen können. Dadurch entstehe ein ganz anderer Bezug zur Landwirtschaft und zu den Lebensmitteln, der ansonsten heutzutage oft fehle, gerade für Kinder eine wertvolle Erfahrung.
„Ich denke allerdings, dass die Solawi noch zu wenig bekannt ist. Deshalb haben wir derzeit noch freie Anteile. Interessierte sind jederzeit herzlich eingeladen, meine Äcker zu besuchen, sich alles anzuschauen und Fragen zu stellen“, so die abschließende Einladung Wivells. Einige Besucherinnen nahmen sein Angebot sofort an, sahen sich nach dem gemeinsamen Frühstück die Äcker auf Gut Marienborn an und kauften dort ein.
Paul Wivells reguläre Abholstellen befinden sich wöchentlich freitags in Büdingen und auf dem Gut Marienborn in Eckartshausen sowie samstags in Gründau.