Bis zu 102 Euro im Monat: Gutverdiener müssen bei Sozialabgaben ab 2027 kräftig draufzahlen
Bis zu 102 Euro: Merz-Regierung will Gutverdiener 2027 stärker zur Kasse bitten
Stand: 21.09.2026, 13:32 Uhr
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Ein Entwurf des Arbeitsministeriums treibt die Beitragsgrenzen nach oben. Für Gutverdiener werden bis zu 102 Euro pro Monat fällig – und es könnte noch teurer werden.
Berlin – Wer gut verdient, zahlt ab 2027 kräftig drauf. Ein Verordnungsentwurf des Bundesarbeitsministeriums sieht vor, die Beitragsbemessungsgrenzen in der Sozialversicherung anzuheben. Das Papier lag der Nachrichtenagentur Reuters am Montag vor. Die Folge für Spitzenverdiener: bis zu 102 Euro mehr Sozialbeiträge im Monat – oder gut 1220 Euro im Jahr.

Diese Grenzen steigen konkret
Zwei Stellschrauben drehen sich nach oben. In der gesetzlichen Krankenversicherung klettert die Beitragsgrenze von 5812,50 auf 6375 Euro im Monat. In der Renten- und Arbeitslosenversicherung steigt sie von 8450 auf 8850 Euro. Wer oberhalb dieser Grenzen verdient, zahlt künftig auf einen größeren Teil seines Gehalts Beiträge.
Die 102 Euro gelten dabei nur für Beschäftigte, deren Einkommen 2027 über sämtlichen neuen Grenzen liegt. Unterstellt sind unveränderte Beitragssätze und ein durchschnittlicher Krankenkassen-Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent. Für Kinderlose fällt die Belastung wegen des Zuschlags in der Pflegeversicherung etwas höher aus. Die Arbeitgeber trifft es im Regelfall in gleicher Höhe.
Was das fürs Netto bedeutet
Die 102 Euro sind keine pauschale Erhöhung. Je weiter das Einkommen über den heutigen Grenzen liegt, desto stärker wirkt die Anhebung. Ein Rechenbeispiel:
- 6000 Euro brutto: grob 20 Euro zusätzlich im Monat (liegt noch unter der neuen GKV-Grenze)
- 6500 Euro brutto: rund 59 Euro mehr im Monat
- oberhalb aller Grenzen: knapp 102 Euro monatlich
Wer beispielsweise 6000 Euro brutto verdient, läge 2027 zwar unter der neuen Krankenversicherungsgrenze von 6375 Euro. Trotzdem würden Beiträge auf einen größeren Teil des Gehalts fällig als heute.
Kein politischer Spielraum – der Automatismus greift
Hinter dem größten Teil der Erhöhung steckt ein Mechanismus, kein politischer Beschluss. Die Beitragsgrenzen werden jedes Jahr nach festen gesetzlichen Regeln an die Lohnentwicklung angepasst. Für 2027 ist der Anstieg der Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer im Jahr 2025 von 4,38 Prozent maßgeblich. Das Arbeitsministerium hat dabei keinen Spielraum.
Anders sieht es in der Krankenversicherung aus. Dort kommt 2027 eine Sonderanhebung um zusätzlich 300 Euro im Monat hinzu, also 3600 Euro im Jahr. Sie wurde mit dem im Juli verabschiedeten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen. Das Bundesgesundheitsministerium beziffert allein die zusätzliche Belastung durch diesen Schritt für entsprechend gut verdienende Kassenmitglieder auf etwa 26 Euro im Monat.
Wegen der Pflege könnte es noch teurer werden
Und selbst diese Rechnung könnte noch überholt werden. Nach geltender Rechtslage würde die Anhebung auch für die Pflegeversicherung gelten. Das Gesundheitsministerium plant allerdings mit dem Pflegeneuordnungsgesetz eine weitere Änderung: Die Beitragsgrenze in der Pflege würde dann noch stärker steigen – die Mehrbelastung für Gutverdiener fiele höher aus. Das Gesetz liegt bislang aber nur als Entwurf vor. Ob die Neuregelung so kommt, ist offen.
Das Arbeitsministerium verschickte den Entwurf am Montag an die anderen Ministerien zur Abstimmung. Die Verordnung muss noch von der Bundesregierung beschlossen werden und benötigt dann die Zustimmung des Bundesrats. Wie viel 2027 am Ende tatsächlich vom Brutto übrig bleibt, steht damit noch nicht endgültig fest. (Quellen: Bild, WiWo, Focus) (cel)