Bitcoin steigt auf über 75.000 Dollar: Kommt nun das Ende des Bärenmarkts?
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Bitcoin steigt auf über 75.000 Dollar: Kommt nun das Ende des Bärenmarkts?
Die Kryptokurse steigen plötzlich wieder. Hinter der Rally steckt eine Mischung aus neuen Signalen vom Anleihemarkt, politischem Rückenwind und milliardenschweren Zwangskäufen
Andreas Danzer
Wenn Kryptokurse anziehen, kann es schnell steil nach oben gehen. So passiert es beispielsweise gerade bei Bitcoin, der Königinmutter aller Kryptowährungen. Am Freitag hat der Kurs erstmals seit Ende Mai wieder die 75.000-Dollar-Marke durchbrochen und in der Szene machen sich bereits Hoffnungen breit, dass der Bärenmarkt vorbei sein könnte. Wie üblich wirkt sich ein Bitcoin-Anstieg auf den ganzen Markt und zahlreiche andere Coins aus, bei Ether oder Ripple etwa ging es noch deutlicher nach oben.
Viele sehen bereits das Ende des sogenannten Kryptowinters eingeleitet, jener Phase, in der die Preise fallen und längerfristig niedrig bleiben. Andere fürchten eher eine Bullenfalle. Das ist ein falsches Signal an der Börse. Sprich, der Kurs eines Assets schießt kurzzeitig nach oben, Anleger glauben an einen neuen Aufwärtstrend und kaufen. Kurz darauf fällt der Kurs jedoch stark ab.
Was hat also den aktuellen Anstieg so beflügelt? Den einen Grund gibt es nicht, die Nachfrage ist eher auf eine Kombination aus geldpolitischen Signalen, politischem Rückenwind und einer massiven Liquidierungswelle an den Terminmärkten zurückzuführen. Dort hatten risikobereite Investoren auf sinkende Bitcoin-Kurse gewettet und große Verluste erlitten.
Vier statt zwei Milliarden
Was heißt das? Der Kurs bekam durch eine überraschende Ankündigung des US-Finanzministeriums einen ordentlichen Schub. Finanzminister Scott Bessent will deutlich mehr langlaufende Staatsanleihen zurückkaufen als bisher erwartet. Das Volumen soll von zwei auf mindestens vier Milliarden Dollar pro Transaktion verdoppelt werden. Das drückte die Renditen von Staatsanleihen nach unten und schickte den US-Dollar auf ein Drei-Monats-Tief. In der Folge wichen Anleger verstärkt auf alternative Sachwerte aus. Risikoreiche Assets wie Bitcoin wurden wieder attraktiver.
"Die Renditen am kurzen Ende sind gefallen, ein klares Signal dafür, dass Anleiheinvestoren keine weiteren Zinserhöhungen der US-Notenbank mehr erwarten", sagt James Butterfill, Chefanalyst beim Vermögensverwalter Coinshares. "Am langen Ende sind die Renditen gestiegen, wobei die 30-jährigen US-Staatsanleihen die wachsenden Sorgen über die fiskalische Lage der USA widerspiegeln. Diese Kombination aus nachlassenden geldpolitischen Straffungserwartungen und zunehmenden Zweifeln an der Tragfähigkeit der Staatsverschuldung war historisch betrachtet ein konstruktives Umfeld für Bitcoin."
Short-Squeeze ausgelöst
Der Kursanstieg löste zusätzlich einen sogenannten Short-Squeeze aus. Das heißt, viele Anleger haben auf einen fallenden Kurs gewettet, der Kurs steigt aber stattdessen. Viele Spekulanten hatten auf fallende Bitcoin-Preise gesetzt und mussten ihre Positionen nun durch Käufe absichern. Diese Zwangskäufe verstärkten den Aufwärtstrend und ließen den Bitcoin-Kurs zusätzlich steigen. Insgesamt verloren Anleger mit solchen Wetten innerhalb eines Tages rund drei Milliarden Dollar, fast die Hälfte davon entfiel auf Bitcoin.
Zusätzlichen Rückenwind gab es aus dem Weißen Haus. Präsident Donald Trump traf sich dort mit Vertretern führender Krypto-Unternehmen und stellte der Branche weitere Unterstützung in Aussicht, um die USA im Wettbewerb mit China zu stärken. Außerdem drängte er auf eine rasche Verabschiedung des Krypto-Regulierungsgesetzes namens Clarity Act. Dieser hängt aktuell im Senat fest. Gestritten wird vor allem über Ethikregeln und mögliche Interessenkonflikte von Politikern mit Krypto-Beteiligungen. Die Debatte betrifft auch Trumps eigene Kryptogeschäfte, mit denen er, wie berichtet, ein Vermögen verdient.
Noch etwas wurde positiv aufgenommen. Trump meinte, er werde Vorschlägen aus seiner Regierung "definitiv zuhören", wenn es darum gehe, aktiv Bitcoin für eine staatliche Reserve zu kaufen. Eine solche Reserve, wie sie die USA auch für Gold und Öl haben, hatte Trump groß angekündigt. Bisher wurden allerdings lediglich bereits vorhandene Bestände zur Bitcoin-Reserve erklärt.
Langfristig sehr erfolgreich
Vergangenen Oktober hatte Bitcoin mit rund 126.000 Dollar sein Rekordhoch erreicht, seither ging es vorwiegend bergab. Mittel- und längerfristig gesehen ist der Bitcoin allerdings weiterhin eine der erfolgreichsten Anlageklassen. In den vergangenen fünf Jahren zog der Kurs um rund 85 Prozent an; seit Juni 2016 verteuerte sich der Bitcoin um fast 9000 Prozent. Das heißt: Der Kurs kletterte um fast das 90-Fache nach oben. Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei rund 1,5 Billionen Dollar.
"Für den weiteren Verlauf bleiben Prognosen mit hoher Unsicherheit verbunden, die Vergangenheit hat häufig gezeigt, dass nun eine saisonal aktivere Marktphase beginnt. Gemessen am Vierjahreszyklus befinden wir uns aber weiterhin in einer Konsolidierung", sagt Kryptoexpertin Johanna Belitz von Valour. "Dass die Rücksetzer bislang weniger stark ausfallen als in früheren Zyklen, spricht für die zunehmende Reife des Marktes und eine stabilere institutionelle Beteiligung."
Der nächste wichtige Impuls für den Kryptomarkt dürfte vom Notenbanker-Treffen in Jackson Hole Ende August kommen. Dort ausgesendete geldpolitische Signale könnten sich auf Bitcoin und Co auswirken – wie üblich kann es dann schnell in die eine oder die andere Richtung gehen. (Andreas Danzer, 21.8.2026)
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