Bitte um mehr Geld wird zum Bumerang: Landkreis streicht ADFC-Zuschuss ab 2028

Stand: 23.09.2026, 06:30 Uhr

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gefö bilder 21.3.25 - Für mehr Verkehrssicherheit: ADFC-Ehrenamtliche haben im März 2025 eine Fahrraddemo für Familien in Garching organisiert, „Kidical Mass“ genannt.

Für mehr Verkehrssicherheit: ADFC-Ehrenamtliche haben im März 2025 eine Fahrraddemo für Familien in Garching organisiert, „Kidical Mass“ genannt. © Archiv: gefö

Der ADFC wollte wegen gestiegener Kosten mehr Geld vom Landkreis München – und erreicht das Gegenteil: Der Zuschuss soll 2027 sinken und ab 2028 ganz entfallen.

Landkreis – Eigentlich wollte der ADFC mehr Geld vom Landkreis München. Nun muss der Allgemeine Deutsche Fahrradclub nächstes Jahr mit weniger auskommen – und ab 2028 ganz ohne Zuschuss. Das hat der Ausschuss für Mobilität und Infrastruktur beschlossen.

Anfang August hatte der ADFC-Vorstand wegen der allgemeinen Kostensteigerung um eine Erhöhung der Förderung af 26.500 Euro gebeten, erfuhr dann aber, dass die Kreisverwaltung die Förderung ersatzlos streichen wollte. Vorsitzender Andreas Schön und sein Stellvertreter schrieben noch kurz vor der Sitzung einen Brandbrief an Landrat, Bürgermeister, Kreisräte und baten, von der Streichung abzusehen. Die Sitzung verfolgten dann zehn ADFC-Mitglieder in gelben Warnwesten.

Weniger Geld, statt mehr

Seit 2018 unterstützt der Landkreis den ADFC, zuletzt mit 20.000 Euro jährlich. Damit finanziert der Verband unter anderem eine hauptamtliche Koordinatorin, die Ehrenamtliche in mittlerweile 15 Ortsgruppen vernetzt. Doch angesichts der angespannten Haushaltslage wurde der Antrag zum Bumerang. Die Verwaltung bewertete den unmittelbaren Nutzen der geförderten ADFC-Aktivitäten für den Landkreis und die Radverkehrsinfrastruktur als begrenzt. Besser sollte das Geld künftig gezielter für eigene Projekte des Landkreises eingesetzt werden.

Kreisräte warnen vor Kürzungen

Mehrere Kreisräte warnten vor den Folgen einer Kürzung. Helga Keller-Zenth (Grüne) hält den Zuschuss für notwendig, um die Arbeit der Ehrenamtlichen zu unterstützen, ob Fahrradaktionstage, Fahrradchecks oder die Ausbildung von Tourenleitern. Markus Büchler (Grüne) warnte, dass ohne die Stelle viele ehrenamtliche Aktivitäten nicht im bisherigen Umfang möglich wären. Dietmar Gruchmann (SPD) bezeichnete den ADFC als wichtigen, auch kritischen Begleiter der Radverkehrsplanung.

Manfred Riederle (FDP) nannte „eine Kürzung über Nacht“ mit Blick auf die möglichen Folgen unangemessen. Auch Nikolaus Kraus (FW) nannte sie „überstürzt“, angesichts der vergleichsweise geringen Summe, „gerade wenn wir Berichte von 450 Millionen fürs neue Landratsamt lesen“. Sein Antrag, weiterhin mit 20.000 Euro im Jahr 2027 zu fördern, scheiterte knapp mit 7:7 Stimmen, denn bei einem Patt gilt ein Antrag als abgelehnt.

Im Laufe der langen Debatte stellte Landrat Christoph Göbel (CSU) die grundsätzliche Frage, ob der Landkreis weiterhin eine regelmäßige Förderung leisten könne oder sich angesichts der angespannten Haushaltslage stärker auf Pflichtaufgaben konzentrieren müsse. Dazu zählte er insbesondere eigene Projekte für die Radverkehrsinfrastruktur.

„Wir müssen irgendwo mit dem Sparen anfangen“

Stefan Schelle und Florian Meier (beide CSU) verwiesen ebenfalls auf den Finanzdruck bei Landkreis und Kommunen. „Das Sparen ist unangenehm, aber wir müssen irgendwo anfangen“, sagte Meier: „Das Wichtigste ist, dass wir uns auch mal zu unangenehmen Entscheidungen durchringen.“ Uwe Görler (AfD) plädierte für die vollständige Streichung.

Am Ende setzte sich Göbels Kompromissvorschlag durch: Die Kreisverwaltung soll mit dem ADFC eine Übergangslösung für 2027 prüfen – mit einem geringeren Betrag als bisher. Danach wird der Ausschuss erneut beraten. Ab 2028 soll es keine Förderung mehr geben. Der Beschluss fiel mit zwölf gegen zwei Stimmen. Dagegen stimmten Thomas Pardeller (CSU) und Uwe Görler (AfD).