Trainer vorgestellt: Blessin in Gladbach - Das Ende der Scheiß-Zeit

Ist neuer Trainer von Borussia Mönchengladbach - Alexander Blessin

Trainer vorgestellt Blessin in Gladbach - Das Ende der Scheiß-Zeit

Stand: 23.09.2026 • 19:54 Uhr

Alexander Blessin hat seinen schweren Job bei Borussia Mönchengladbach aufgenommen. Die Botschaft des neuen Trainers: Es wird hart, aber wir schaffen das.

Von Sebastian Hochrainer

Der Retter ist da - oder das, was Alexander Blessin für Borussia Mönchengladbach sein soll. Bei seiner Vorstellung am Mittwoch macht der neue Trainer jedenfalls klar, dass es seine erste und wichtigste Aufgabe ist, den Klub vor dem Allerschlimmsten zu bewahren: "Das Langfristige können wir gerade nicht sehen, aber müssen jetzt schauen, wie wir kurzfristig erfolgreich sind und die Scharte auswetzen." Angesichts von null Punkten nach vier Spielen eine realistische Einschätzung.

Dabei ist Blessin nicht als Retter gekommen, "es war nie ein Feuerwehrmann gesucht", wie Sportchef Rouven Schröder sagte. Schröder, der zuvor Eugen Polanski entlassen hatte und sich dann für den ehemaligen Coach des FC St. Pauli entschied, hatte schon vor der Partie gegen Mainz 05 (3:4) gesagt, Gladbach könne "ein attraktiver Arbeitgeber" sein, wo man "noch immer die Möglichkeit hat, eine erfolgreiche Saison zu spielen".

"In 30 Spieltagen zeigen, dass Gladbach bundesligatauglich ist"

Trotz der schon schwachen vergangenen Saison, in der die Realität ebenfalls in großen Teilen Abstiegskampf hieß, ist der Anspruch bei der traditionsreichen Borussia mehr als der Klassenerhalt. "Wir müssen eine Kraft entwickeln und dürfen nicht nur sagen, dass es diesem großen Klub schlecht geht. Jetzt sind alle gefragt, es sind noch 30 Spieltage, in den wir zeigen können, dass wir bundesligatauglich sind - und ich bin überzeugt, dass wir das sind", so Schröder.

Kandidaten für diese Aufgabe hatte der Trainermarkt zumindest auf dem ersten Blick mehrere geboten. Ole Werner war nach seiner Entlassung im Sommer bei RB Leipzig aber noch nicht bereit für eine neue Aufgabe und die kurzfristigen Freistellungen von Domenico Tedesco (FC Bologna) und Dino Toppmöller (RC Lens) waren zu kurzfristig, um für die große Gladbach-Aufgabe zur Verfügung zu stehen. So war Blessin die für Schröder logische Wahl.

Ist Blessin der Richtige für Gladbach?

"In unseren Gesprächen habe ich das Gespür bekommen, dass der Trainer brennt. Wir waren schnell auf einer Wellenlänge", sagte Schröder über den Neuen. Nach der vergangenen Saison hatte sich Schröder noch entschieden, mit dem umstrittenen Polanski weiterzumachen, auch er steht jetzt in Gladbach unter Druck. Das weiß er, und so bemüht er sich um Aufbruchstimmung: "Hier ist ja richtig was los, aber das gehört sich so auch für einen Neuanfang", sagte er mit Blick auf die vielen Journalisten bei der Pressekonferenz.

Blessin soll nun die sportliche Wende packen und ein anderes Licht auf den Verein werfen. Mit der glamourösen Vergangenheit hat die "Elf von Niederrhein" nichts mehr zu tun, das Stadion und die Fans sind zwar nach wie vor ein großes Faustpfand, aber ansonsten ist der Gladbach-Glanz verblasst. Abgesehen von Schröder gibt es keine Persönlichkeit, die dem Verein in der Öffentlichkeit ein Gesicht gibt. Das muss neben dem Sportchef jetzt eben Blessin sein.

Blessin: "Opferrolle schnell wegschieben"

Dass der 53-Jährige daran scheitert ist die Furcht der Kritiker. Der Trainer ist bekannt dafür, seine Mannschaften defensiv zu stabilisieren, aber nicht für seine charismatische Art. Nach der Ansage Schröders, bei der Trainersuche "über die Grenzen hinauszudenken" hatten sich viele aber eine "große" Lösung gewünscht, jemanden, an dessen Aura man sich festhalten könne.

Diese Aura Blessin abzusprechen wäre nach seinem ersten Auftritt falsch. Der neue Trainer wirkte klar, die problematische Situation ist ihm bewusst, trotzdem stellte er das Positive heraus. "Wir müssen die Opferrolle schnell wegschieben. Ich gehe die Aufgabe mit Demut an, weil ich um die Strahlkraft des Vereins weiß. Aber ich will mich ihr stellen und vorne weg gehen. Wir wollen aus einer Scheißzeit eine gute Zeit machen, das Momentum in etwas Positives umwandeln", sagte der Polanski-Nachfolger.

Wichtig für Gladbach: Blessin setzt auf die Jugend

Warum sich Schröder für Blessin entschieden hat, ist durch Fakten zu erklären. Die Borussen wollen junge Spieler fördern und Blessin ist jemand, der sich genau das auf die Fahne schreibt. Laut Datenanalyse von "coachinside" setzt er zu 19 Prozent U23-Spieler ein, was ein sehr hoher Wert ist und dem proklamierten Weg der "Fohlenelf" entspricht.

Vor allem aber: Blessin hat in der vorletzten Saison mit St. Pauli den Klassenerhalt geschafft, weil er es geschafft hat, mit seiner Taktik die zweitbeste Defensive der Bundesliga zu bekommen. Jetzt übernimmt er in Gladbach die Schießbude der Liga, die oberste Mission wird sein, die zu schließen - seine Paradedisziplin.

Zu knapp 43 Prozent erzielen Blessin-Teams ihre Tore nach Umschaltsituationen, zu 24 Prozent nach Standards. Sicher stehen und dann eiskalt zuschlagen, das könnte die neue Devise in Gladbach sein.

Unsere Quellen:

  • Eindrücke des Reporters bei der Pressekonferenz

Sendung: "Gladbach will mit Blessin den Neuanfang starten", WDR, 23.09.2026 19:18 Uhr