Bono vergleicht Aussagen von Israels Minister Ben-Gvir mit Himmler

Empfehlungen der Redaktion
Zwischen U2-Sänger Bono und Israels Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, ist ein heftiger öffentlicher Streit ausgebrochen. Auslöser sind Äußerungen Bonos in einem aktuellen Interview mit ROLLING STONE. Darin verglich der Musiker die Rhetorik des israelischen Politikers über die Bevölkerung des Gazastreifens mit jener Heinrich Himmlers. Ben-Gvir reagierte darauf mit scharfen Vorwürfen gegen Bono.
Bono bezog sich auf Aussagen Ben-Gvirs über Menschen im Gazastreifen. Der Minister hatte erklärt, dort gebe es Menschen, die es nicht verdienten zu leben, und ihnen sogar abgesprochen, Menschen zu sein.
Bono zog angesichts dieser Wortwahl eine Parallele zur Rhetorik Himmlers. Der SS-Führer gehörte zu den mächtigsten Funktionären des NS-Regimes und war einer der Hauptorganisatoren des Holocaust.
Bono verurteilt Hamas und kritisiert Ben-Gvir
Dabei stellte Bono seine Kritik ausdrücklich in einen größeren Zusammenhang. Im Gespräch mit ROLLING STONE verurteilte er erneut den von der Hamas angeführten Terrorangriff auf Israel vom 7. Oktober 2023, den er als schwere moralische Verfehlung bezeichnete. Gleichzeitig erklärte er, sowohl an der Seite Israels als auch des palästinensischen Volkes zu stehen.
An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.
Besonders empörte den U2-Sänger, dass Ben-Gvir als Minister Teil der israelischen Regierung ist. Bono verwies zugleich auf seinen eigenen langjährigen Bezug zu jüdischen Künstlern und Freunden. Zahlreiche jüdische Menschen hätten sein Denken und seine künstlerische Entwicklung geprägt. Ben-Gvirs Aussagen beschädigten aus seiner Sicht die moralischen und religiösen Werte, die er mit dem Judentum verbinde.
Ben-Gvir attackiert Bono auf Instagram
Ben-Gvir ließ die Kritik nicht unbeantwortet. Auf Instagram warf er Bono vor, mit zweierlei Maß zu messen. Der Musiker habe nicht die Hamas-Täter mit Himmler verglichen, sondern ausgerechnet diejenigen, die nach Ben-Gvirs Darstellung Juden vor einem weiteren Massaker schützen wollten. Israel werde sich nicht dafür entschuldigen, jüdisches Leben zu verteidigen, erklärte der Politiker.
Anschließend richtete Ben-Gvir eine weitere Provokation an den irischen Sänger. Wenn Bono sich tatsächlich um die Menschen im Gazastreifen sorge, solle er ihnen bei einer Ausreise nach Irland helfen. Dort könnten sie eine neue Zukunft beginnen, argumentierte der Minister.
KI-Video nimmt Bono und U2 ins Visier
Bei seinen Wortmeldungen beließ es Ben-Gvir nicht. Er veröffentlichte zusätzlich ein offenbar mithilfe künstlicher Intelligenz produziertes Musikvideo unter dem Motto „Gaza to Ireland“. Darin wird die Vorstellung inszeniert, Menschen aus dem Gazastreifen würden ihre Heimat verlassen und nach Irland übersiedeln. Auch eine künstlich erzeugte Bono-Figur taucht in dem Clip auf.
Streit entstand durch U2-Song
Bonos Aussagen fielen im Zusammenhang mit dem U2-Song „The Tears of Things“. Darin beschäftigt sich die Band mit jüdischer Geschichte und dem Krieg in Gaza. Der biblische David und Michelangelos berühmte David-Skulptur bilden dabei den erzählerischen Ausgangspunkt. Bono bezeichnet den Song als Versuch, die gegenwärtige Situation vor dem Hintergrund einer jahrtausendealten Geschichte zu begreifen.
Der U2-Sänger äußert dabei sowohl Solidarität mit Israel als auch mit den Palästinensern und spricht sich für einen palästinensischen Staat aus. Seine Kritik richtet sich insbesondere gegen Ben-Gvir und dessen Äußerungen über die Bevölkerung Gazas.
Ben-Gvir darf nicht nach Irland einreisen
Der Konflikt erhält auch deshalb zusätzliche Brisanz, weil Ben-Gvir in Bonos Heimat Irland bereits zuvor zur Persona non grata erklärt worden war. Die irische Regierung beschloss im Juni 2026, Ben-Gvir und Israels Finanzminister Bezalel Smotrich die Einreise zu verweigern. Regierungschef Micheál Martin begründete die Entscheidung unter anderem mit den Handlungen und Äußerungen der beiden Politiker gegenüber Palästinensern.