Crowdstrike, Fortinet, Palo Alto Networks: Diese Aktien haben von den KI‑Warnungen profitiert
BörsenTag: Die Rally der Cybersecurity-Aktien
Die mahnenden Rufe der KI-Chefs lassen Aktien von Crowdstrike, Fortinet und Palo Alto Networks steigen. Der Markt boomt – doch die Bewertung der Aktien ist bereits hoch.
Das Crowdstrike-Logo auf dem „Sphere“ in Las Vegas. Die Aktie steigt wie viele weitere Cybersecurity-Aktien wegen der KI-Risiken. Foto: Reuters
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Die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) muss verlangsamt und stärker reguliert werden. In dem Punkt sind sich Anthropic-Chef Dario Amodei und OpenAI-Chef Sam Altman einig. Sie warnten in den vergangenen Tagen eindrücklich vor den Gefahren durch KI und ließen Chipaktien sinken, wie meine Kollegin Susanne Bickel am Montag schrieb.
Doch es gibt auch Gegner einer strengeren KI‑Regulierung. Meta-Chef Mark Zuckerberg sagte am Dienstag etwa, dass KI-Labore bereits genügend Anreize hätten, sichere Anwendungen zu entwickeln. Und Nvidia-Chef Jensen Huang begründete die aktuellen Warnungen bereits zuvor auf einer Goldman-Sachs-Konferenz in San Francisco mit einer Art Werbung für neue Sicherheitsprodukte, die in der Branche vorbereitet werden würden – übrigens auch von Nvidia selbst. „Was wäre besser, um Nachfrage zu erzeugen, als ein Problem zu schaffen?“, so Huang.
Tatsächlich bieten die Betreiber von ChatGPT und Claude bereits eigene Sicherheitssysteme an und nutzen diese auch. Denn vereinfacht gesagt kann eine KI, die Sicherheitslücken findet und ausnutzt, potenziell genauso gut dafür genutzt werden, diese zu schließen. Möglich also, dass die Warner am Ende auch selbst von einer höheren Nachfrage nach Sicherheitslösungen profitieren könnten. Anlegern kommt dies jedoch noch nicht zugute. Anthropic will seinen Börsengang zwar weiterhin Anfang Oktober durchziehen. Doch OpenAI plant laut „Financial Times“ noch eine Finanzierungsrunde, bevor der Gang an die Börse erst 2027 folgt.
Cybersecurity profitiert
Als eine Folge der Debatte um KI-Sicherheit waren Cybersecurity-Anbieter nach den Warnungen bei Anlegern besonders gefragt. Aktien von Crowdstrike sind seit dem Handelsschluss am Freitag um mehr als 17 Prozent gestiegen, die von Palo Alto Networks um rund 14 Prozent und Fortinet immerhin um mehr als zehn Prozent.
Die Cybersecurity-Firmen bieten verschiedene Produkte an, um die Sicherheit von KI zu erhöhen. Einerseits schützen sie Unternehmen jeglicher Art vor Cyberangriffen, die mithilfe von KI durchgeführt werden. Andererseits helfen sie auch, einen sicheren Umgang mit KI zu finden, indem die heimliche Nutzung von KI durch Mitarbeiter verhindert und schädliche Anweisungen, versteckt in Websites oder Mails, aufgedeckt werden.
US-Anbieter führen
Die großen US-Cybersecurity-Firmen bieten seit diesem Jahr auch neue Systeme für diese neueren Risiken an. Crowdstrike hat mit Falcon bereits vor 13 Jahren eine Sicherheitsplattform entwickelt, die sie ständig zum Schutz vor neuen Risiken erweitern. Im März veröffentlichte das Unternehmen etwa ein System zur Entwicklung sicherer Agenten, für das es unter anderem mit Anthropic, OpenAI und Nvidia zusammenarbeitet. Auch der US-Anbieter Palo Alto Networks betreibt unter dem Namen Prisma AIRS eine Plattform, die vor KI-Risiken durch Agenten schützen soll.
Das Geschäft läuft. Der Gesamtumsatz von Palo Alto Networks ist im vergangenen Quartal um rund 34 Prozent auf 3,41 Milliarden Dollar gestiegen. Der annualisierte, wiederkehrende Umsatz (ARR) stieg sogar um 63 Prozent. Im kommenden Geschäftsjahr erwartet das Management ein ähnlich starkes Wachstum. Crowdstrike beendete zuletzt laut Gründer und Chef George Kurtz sogar sein bestes Quartal der Unternehmensgeschichte. Die Prognose für das ARR-Wachstum im laufenden Jahr hob das Management daraufhin an. „Jedes Unternehmen wird künftig auf KI setzen, und deren Absicherung ist die größte Marktchance in unserer Geschichte“, so Kurtz.
Anleger scheinen das ähnlich zu sehen. Seit Jahresbeginn haben sich die Aktien von Crowdstrike, Fortinet und Palo Alto Networks mehr als verdoppelt. Die Aktien von Crowdstrike und Fortinet notieren aktuell auf Rekordniveau. Palo Alto Networks ist von seinem Hoch Mitte August wiederum nur rund fünf Prozent entfernt. Doch das hat auch seinen Preis: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 171 für die kommenden vier Quartale ist die Crowdstrike-Aktie extrem teuer. Palo Alto kommt auf ein KGV von knapp 90, Fortinet wirkt mit rund 49 schon fast günstig.
Der jüngste Anstieg bei den Cybersecurity-Aktien ist also nur die Fortsetzung einer Rally, die schon seit Mai läuft. Grund dafür sind die steigenden Risiken durch KI, die durch die Warnungen der Chefs höchstpersönlich nochmal mehr Aufmerksamkeit erhalten haben. Nvidia-Chef Jensen Huang sagte bereits bei der Vorstellung der Quartalszahlen Ende August, dass Cybersecurity der nächste große Markt für KI ist. Doch ob die Aktien der großen US-Cybersecurityfirmen auch langfristig zu den Gewinnern gehören werden oder sie von anderen Anbietern überholt werden, ist noch nicht ausgemacht. Das Potenzial von Crowdstrike, Palo Alto Networks und Fortinet scheint bei den ambitionierten Bewertungen jedenfalls begrenzt, sofern die Gewinne in den kommenden Quartalen keinen größeren Sprung machen.
Dieser Text stammt aus dem WirtschaftsWoche-Newsletter BörsenTag – Ihr täglicher Filter für das Börsenrauschen. Von Montag bis Freitag bringt die Redaktion immer nachmittags das Marktgeschehen auf den Punkt – mit einer Beobachtung, die den Unterschied macht. Hier können Sie den Newsletter bestellen: wiwo.de/boersentag

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