Alexander Blessin bei Borussia Mönchengladbach: Das Ende der Scheiß-Zeit

Blessin soll nun die sportliche Wende packen und ein anderes Licht auf den Verein werfen. Mit der glamourösen Vergangenheit hat die "Elf von Niederrhein" nichts mehr zu tun, das Stadion und die Fans sind zwar nach wie vor ein großes Faustpfand, aber ansonsten ist der Gladbach-Glanz verblasst. Abgesehen von Schröder gibt es keine Persönlichkeit, die dem Verein in der Öffentlichkeit ein Gesicht gibt. Das muss neben dem Sportchef jetzt eben Blessin sein.

Blessin: "Opferrolle schnell wegschieben"

Dass der 53-Jährige daran scheitert ist die Furcht der Kritiker. Der Trainer ist bekannt dafür, seine Mannschaften defensiv zu stabilisieren, aber nicht für seine charismatische Art. Nach der Ansage Schröders, bei der Trainersuche "über die Grenzen hinauszudenken" hatten sich viele aber eine "große" Lösung gewünscht, jemanden, an dessen Aura man sich festhalten könne.

Diese Aura Blessin abzusprechen wäre nach seinem ersten Auftritt falsch. Der neue Trainer wirkte klar, die problematische Situation ist ihm bewusst, trotzdem stellte er das Positive heraus. "Wir müssen die Opferrolle schnell wegschieben. Ich gehe die Aufgabe mit Demut an, weil ich um die Strahlkraft des Vereins weiß. Aber ich will mich ihr stellen und vorne weg gehen. Wir wollen aus einer Scheißzeit eine gute Zeit machen, das Momentum in etwas Positives umwandeln", sagte der Polanski-Nachfolger.

Wichtig für Gladbach: Blessin setzt auf die Jugend

Warum sich Schröder für Blessin entschieden hat, ist durch Fakten zu erklären. Die Borussen wollen junge Spieler fördern und Blessin ist jemand, der sich genau das auf die Fahne schreibt. Laut Datenanalyse von "coachinside" setzt er zu 19 Prozent U23-Spieler ein, was ein sehr hoher Wert ist und dem proklamierten Weg der "Fohlenelf" entspricht.

Vor allem aber: Blessin hat in der vorletzten Saison mit St. Pauli den Klassenerhalt geschafft, weil er es geschafft hat, mit seiner Taktik die zweitbeste Defensive der Bundesliga zu bekommen. Jetzt übernimmt er in Gladbach die Schießbude der Liga, die oberste Mission wird sein, die zu schließen - seine Paradedisziplin.

Zu knapp 43 Prozent erzielen Blessin-Teams ihre Tore nach Umschaltsituationen, zu 24 Prozent nach Standards. Sicher stehen und dann eiskalt zuschlagen, das könnte die neue Devise in Gladbach sein.

Unsere Quellen:

  • Eindrücke des Reporters bei der Pressekonferenz

Sendung: "Gladbach will mit Blessin den Neuanfang starten", WDR, 23.09.2026 19:18 Uhr