Viel neues Personal und alte Ziele

Die BR Volleys vor dem Saisonstart

Viel neues Personal und alte Ziele

Volleys-Spieler Ruben Schott (l.) und sein neuer Trainer Andrea Anastasi (imago images/Engler)
Volleys-Spieler Ruben Schott (l.) und sein neuer Trainer Andrea Anastasi (imago images/Engler)
  • Am Mittwoch beginnt neue Saison in der Volleyball-Bundesliga
  • BR Volleys starten daheim gegen Freiburg
  • Neuer Trainer, auch der Kader ist runderneuert
  • Saison-Ziele: alle nationalen Titel und "mehr Spaß"

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Von

Ilja Behnisch

Ein ungewöhnlicher Sommer sei es gewesen, sagt Ruben Schott. Seit 2021 ist der gebürtige Berliner wieder bei den BR Volleys. Schon 2013-14 und 2015-17 spielte er für den deutschen Rekordmeister. Ehe er nach Italien und Polen ging, wo er unter jenem Trainer reifte, der nun das vielleicht wichtigste Puzzleteil dieses ungewöhnlichen Sommers bei Deutschlands Vorzeige-Volleyballklub ist.

Der neue Trainer soll das Team "komplett umformen"

Andrea Anastasi heißt er, der neue Übungsleiter von Ruben Schott und Co. Was man auch deshalb nochmal erwähnen sollte, da dieser Tage viel von Pep Guardiola zu hören und zu lesen war, wenn es um die Volleys ging. Weil Kaweh Niroomand, der Geschäftsführer des Klubs, Anastasi angesichts seiner vielfachen Titelgewinne als "Pep Guardiola des Volleyballs" vorgestellt hatte und weil Vergleiche mit dem zweifachen Welttrainer des Jahres im Fußball offenbar gut gehen.

Das ist Andrea Anastasi

Andrea Anastasi, 66, zählt zu den prägendsten Persönlichkeiten des internationalen Volleyballs. Als Zuspieler feierte er in den 1980er- und 90er-Jahren große Erfolge mit der italienischen Nationalmannschaft, darunter der Weltmeisterschaftstitel 1990, der EM-Sieg 1989 sowie zwei Titel in der Weltliga. Auf Vereinsebene gewann er unter anderem dreimal den CEV-Pokal. Nach dem Ende seiner Spielerkarriere schlug er eine ebenso erfolgreiche Laufbahn als Trainer ein. Er führte die italienische Nationalmannschaft 1999 und 2003 zum Europameistertitel sowie im Jahr 2000 zu Olympia-Bronze. Auch Spanien baute er 2007 überraschend zum Europameister auf. Später holte er mit Polen die Weltliga 2012 und betreute Top-Clubs wie Gdańsk oder Perugia, mit dem er 2022 Klub-Weltmeister wurde. Seit Sommer 2026 trainiert er die Berlin Recycling Volleys.

Sogar von der nationalen Konkurrenz habe er Glückwünsche zur Verpflichtung von Anastasi erhalten, so Niroomand. Der an seinen neuen Trainer keinen geringeren Anspruch habe, als dass dieser mit "seinem Erfahrungsschatz und seiner Herangehensweise dieses Team komplett umformen wird".

Dabei hat Niroomand ordentlich vorgelegt. Acht von 16 Spielern im Kader der Volleys sind neu in dieser Saison. Die mit dem Sieg im Ligacup einen erfolgreichen und gleichzeitig holprigen Vorlauf nahm, ehe sie am Mittwoch, den 21. Oktober (19 Uhr) mit dem Bundesliga-Heimspiel gegen Freiburg so richtig beginnt.

Anastasi und die Liebe für Berlin

Die Ziele dabei sind klar definiert. National sollen alle Titel her. Wie eigentlich immer. Auch wenn in der Vor-Saison ausnahmsweise bereits im Halbfinale des Pokals Schluss war. International will man möglichst nah herankommen an die, die den Titel in der Champions League unter sich ausmachen. Und dann, so Niroomand, wolle man dem Publikum wieder "mehr Volleyball mit Herz, mit Spaß" bieten.

Das mit dem Spaß scheint der neue Coach von Haus aus mitzubringen. Bei der Pressekonferenz zum Saisonauftakt präsentierte sich Anastasi, der bereits als Spieler zahlreiche große Titel gewann, sehr aufgeräumt und auskunftsfreudig.

Die Guardiola-Vergleiche? Kämen vermutlich daher, dass auch er ein Freak sei wie der Spanier. Einer, der es liebe, an jedem Detail zu arbeiten. Auf die Frage, warum er sich für das Angebot der Volleys entschieden hat, antwortete er dann blitzschnell mit gleich drei Gründen: 1.) Ein Team, mit dem er in allen Wettbewerben konkurrieren könne. 2.) Ein großartig organisierter Klub. 3.) Die wunderschöne Stadt Berlin.

Die Volleys sollen variabler werden

Auch sonst scheint Anastasi ziemlich strukturiert. Wichtig seien mittelfristig vor allem zwei Zielmarken. Da wäre zum einen die erste Pokalrunde gegen Giesen am 7. November (19 Uhr), das den Volleys das Leben im Ligacup überraschend schwer gemacht hatte und den haushohen Favoriten in den Tie-Break zwang. Und dann die im Dezember beginnende Champions League, in der die Volleys seit 2017 auf einen Einzug ins Final Four warten.

Für die sei seine Mannschaft allerdings noch nicht gerüstet. Was er bisher von seinen Spielern gesehen habe, habe ihm zwar gefallen, so Anastasi. Der damit allerdings vor allem Mentalität und Persönlichkeit meinte. Es sei wunderbar gewesen, wie sich die Spieler, die in dieser Konstellation erst seit 15 Tagen zusammen gewesen seien, gegenseitig geholfen hätten. Technisch hingegen gäbe es "viele Kleinigkeiten, die wir verbessern müssen". Man habe viele Spieler, die einen großen Schritt gehen könnten, also viel Potential, aber: "Wir müssen besser werden. Wir haben Zeit bis Dezember." Bis dahin wird trainiert. Und wenn man Ruben Schott glauben darf, dann jetzt schon "deutlich mehr" als noch unter Anastasi-Vorgänger Joel Banks.

Anders wird das Spiel der Volleys in dieser Saison auf jeden Fall aussehen. In der Vorsaison war vieles auf den schlaggewaltigen Starspieler Jake Hanes ausgerichtet. Der Diagonalangreifer, laut Niroomand einer der weltbesten auf seiner Position, war allerdings nicht zu halten für den Klub und spielt nun für Olympiakos Piräus. Doch der Verlust soll zur Chance und das Berliner Angriffsspiel nun variabler werden, weniger leicht ausrechenbar.

Einer, auf den dabei besonders viele Erwartungen ruhen, ist Erik Shoji. Über den sein neuer Trainer Anastasi sagt: "Er ist einer der besten Liberos der Welt. Wenn ich ihm zuschaue, lächle ich die ganze Zeit. Weil es so gut ist. Er kann uns eine Menge Kraft geben." Auch Shoji spielte übrigens schon einmal für die Volleys. Zwischen 2014 und 2016. Zusammen mit Ruben Schott. Es war eben ein wirklich außergewöhnlicher Sommer.

Sendung: rbb|24, 19.10.2026, 18:41 Uhr

Video: rbb|24, 19.10.2026, Jakob Rüger