Orbán-Zeiten vorbei: Ungarns Ministerpräsident Magyar positioniert sich gegen Moskau
Bruch mit Orbán: Ungarns neue Regierung stuft Russland als „Bedrohung“ ein
Stand: 26.08.2026, 20:37 Uhr
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Ungarns Regierung stuft Russland als „Bedrohung“ ein. Damit grenzt sie sich deutlich von Orbáns Kurs ab. Ganz vollzieht Budapest den Bruch aber nicht.
Budapest – Ungarn entfernt sich einen Schritt weiter vom Kurs des ehemaligen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Die seit Mai amtierende Regierung hält Russland für eine „Bedrohung“. So hieß es in einem Dokument für die Generalversammlung der Vereinten Nationen, das der ungarische Ministerpräsident Péter Magyar unterzeichnete. In der Nacht zum Mittwoch (26. August) erschien es ebenfalls im ungarischen Amtsblatt.

„Das Verhalten Russlands bedeutet eine Bedrohung für Ungarn, Europa und die globale Ordnung“, so der genaue Wortlaut. Ungarn erkenne das Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung an, verurteile den Ukraine-Krieg und unterstütze die Souveränität und territoriale Integrität seines Nachbarlands.
Ungarn setzte unter Magyar auf Versöhnungskurs mit der Ukraine
Weiter betonte Budapest, man unterstütze alle Bemühungen für Verhandlungen über eine „nachhaltigen Frieden und langfristige Sicherheitsgarantien“ für die Ukraine. In der EU war der Kurs von Magyars Vorgänger Viktor Orbán immer wieder auf Kritik gestoßen. Magyar hatte nach dem Regierungswechsel eine Abkehr von Orbáns Außenpolitik angekündigt. Kurz danach gab Magyars Regierung den Startschuss für EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine. Orbán hatte die Verhandlungen zwei Jahre lang mit seinem Veto blockiert.
In bilateralen Gesprächen zwischen Ungarn und der Ukraine hatte man einige andere Streitfragen beigelegt, darunter Rechte für ungarische Minderheiten in der ukrainischen Grenzregion Transkarpatien. In dem Dokument für die Generalversammlung der Vereinten Nationen taucht Transkarpatien erneut auf. Allerdings heißt es dort laut Politico, Moskau versetze die ungarische Minorität dort „in ernste Gefahr“.
Bruch mit Orbán? Selenskyj wittert Chance in Gespräch
Einen kompletten Bruch mit der Orban-Linie vollzieht Magyar jedoch nicht: Budapest lehnt weiterhin eigene Waffenlieferungen an Kiew ab und spricht sich gegen einen beschleunigten EU-Beitritt der Ukraine aus. Aufatmen gab es in der EU zu Ukraine-Hilfen dennoch, als Magyar Ungarns Veto für 16,4 Milliarden Euro schwere EU-Mittel aufhob.
In der Ukraine scheint jedoch die Hoffnung auf eine Annäherung zu wachsen. Zum ungarischen Nationalfeiertag (20. August) richtete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seine Grüße an Magyar. In einem Schreiben, das die ukrainische Botschaft in Ungarn auf Facebook teilte, betonte Selenskyj: „Wir betrachten Ungarn als guten Nachbarn und zuverlässigen Partner.“ Um die „ukrainisch-ungarischen Beziehungen weiter zu stärken“, lud Selenskyj den ungarischen Ministerpräsidenten Magyar zudem nach Kiew ein. (Quellen: dpa, Politico, eigene Recherche) (lismah)