Brutale Attacke auf Pfarrsekretärin – Opfer lebt weiter in Angst
Stand: 11.08.2026, 19:00 Uhr
Kommentare

Mitte Juli kam es in Puchheim-Ort zu einer brutalen Attacke. Dabei lauerte eine Frau einer 61-jährigen Pfarrsekretärin auf und schlug ihr mehrmals mit einem Gegenstand auf den Kopf. Das Opfer leidet bis heute unter dem Überfall.
Puchheim – Beim Gespräch muss Barbara Salcher erst einmal tief durchatmen. Das Erlebte wühlt sie nach wie vor auf. Sie kann sich keinen Reim darauf machen, was ihr drei Wochen zuvor geschah:
Wie jeden Morgen ist Salcher am 16. Juli auf dem Weg zur Bushaltestelle an der Eichenauerstraße. Es ist 7.20 Uhr. „Auf Höhe der Mitterlängerstraße 25 kam eine Frau zwischen den parkenden Autos heraus.“ In dem Moment, in dem die beiden auf gleicher Höhe sind, überquert die Frau die Straße, nähert sich Salcher: „Da hab’ ich sie an meinem Rücken gespürt – und schon habe ich den ersten Schlag von hinten auf den Schädel bekommen.“
Salcher kann nicht fliehen. „Wir sind ins Rangeln gekommen, ich habe versucht, sie mir vom Leib zu halten.“ Währenddessen schlägt die Täterin immer wieder zu. „Bestimmt fünf Schläge auf den Kopf, während ich laut um Hilfe gerufen habe.“ Die Hilferufe alarmieren Anwohner. Die Täterin lässt endlich von Salcher ab und flüchtet.
Diverse Verletzungen
Salcher trug diverse Verletzungen davon: „Mehrere stark blutende Kopfplatzwunden – mir ist das Blut einfach aus den Haaren gelaufen.“ Dazu Beulen und gestauchte Halswirbel. Obendrein diverse Verletzungen an Händen und Armen, die von ihrem Abwehrkampf zeug
Die Anwohner kümmern sich um die Erstversorgung und rufen die Polizei. Ein Bekannter läuft zu Barbara Salcher nach Hause, um ihren Mann zu holen. Der eilt dazu und kümmert sich um seine Frau. „Er hat meine Seele erstversorgt.“ Es sei ein wunderbares Gefühl, wenn Menschen zu Hilfe kommen, berichtet Salcher. Sie möchte das gewertschätzt wissen.
Jetzt nach über drei Wochen geht es Salcher wieder besser – zumindest körperlich. Die meisten Wunden sind gut verheilt. „Nur der kleine Finger schmerzt noch.“ Anders steht es um Barbara Salchers Psyche. Sie sei extrem schreckhaft. Wenn sie das Haus verlässt, leidet sie unter Angstzuständen. „Busfahren geht gar nicht.“ Salcher ist noch immer krankgeschrieben und hat sich in Therapie begeben. Die Prognose sei gut.
Aber eine Sache nimmt Salcher mit: Die Frau war ihr schon Tage zuvor aufgefallen: „Ich weiß nicht genau, ob es Donnerstag oder Freitag war, aber es war dieselbe Frau und dieselbe Situation: Sie ging genauso über die Straße, hinter mich und mir nach.“ Salcher fand die Situation damals „irgendwie komisch“, hatte sich aber nicht weiter bedroht gefühlt: „Es war ja hellichter Tag“. Als Salcher den schmalen Durchgang zur Bushaltestelle passierte, drehte die Frau ab.
Eine Woche später dann der Angriff. Salcher drängt sich deshalb der Gedanke auf, dass sie persönlich das Ziel war. Als sie die Worte ausspricht, muss sie tief durchatmen, ringt mit ihren Emotionen. Trotz allem wünscht sie der Täterin nichts Schlechtes: „Ich hasse, was sie mit mir gemacht hat, aber ich hege keinen persönlichen Groll.“
Eine Woche bis zur Zeugenaussage
Die Einsatzkräfte vor Ort, hätten einen tollen Job gemacht, lässt Salcher wissen. Aber danach: Bis zur Zeugenaussage vergeht über eine Woche. Eine Kopie des Protokolls ihrer eigenen Aussage wird ihr verwehrt. Akteneinsicht gäbe es nur über den Anwalt. Dazu bräuchte sie laut ihrer Rechtsschutzversicherung aber einen konkreten Verdacht. Also kurzum: Ohne Anwalt keine Informationen, ohne Informationen keinen Anwalt. „Da beißt sich die Katze in den Schwanz“.
Und obwohl es schnell einen ersten Verdacht gibt, wer die Täterin sein könnte, findet die Bildgegenüberstellung erst nach fast drei Wochen statt.
Die Öffentlichkeit wird von der Polizei nicht über die Tat informiert. Erst auf Nachfrage durch das Fürstenfeldbrucker Tagblatt gibt die Polizeiinspektion Germering an, man habe eine Tatverdächtige und ermittle wegen gefährlicher Körperverletzung. Zum Tatmotiv liegen bisher keine Anhaltspunkte vor. Ein Zusammenhang mit der Stadtratstätigkeit von Herrn Salcher sei bislang nicht erkennbar.
Den Umgang mit ihr und ihrem Fall hält Barbara Salcher für unbefriedigend, „ein Fehler im System“. Das ist ihr wichtig zu betonen, denn den einzelnen Polizisten macht sie keinen Vorwurf. Sie hätten im Rahmen ihrer Möglichkeiten gute Arbeit geleistet, findet Salcher.
Sie hätte sich aber auch schnellere Prozesse und mehr Informationen gewünscht. Sie wüsste zumindest gerne, ob die Tatverdächtige in Untersuchungshaft ist. So bleibt die Angst, der Täterin erneut zu begegnen: „Das wäre eine Katastrophe – auch ohne Angriff.“