BSW will Feiertage am Wochenende montags nachholen
Heute wird zum 36. Mal der Tag der Deutschen Einheit gefeiert – doch er ist kein zusätzlicher freier Tag für die meisten Arbeitnehmer: Der 3. Oktober fällt 2026 auf einen Sonnabend. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) nimmt dies zum Anlass, eine neue Regelung für Feiertage zu fordern. Fällt ein gesetzlicher Feiertag auf ein Wochenende, soll er nach dem Willen der Partei am Montag darauf nachgeholt werden.
Sahra Wagenknecht spricht von einem Nachteil für Arbeitnehmer: „In diesem Jahr und vor allem 2027 erleben die Bürger einen echten Feiertags-Klau. Besonders viele Feiertage fallen auf ein Wochenende. Hier muss die Politik handeln. Das geht in anderen europäischen Ländern auch.“
2027: Fünf Feiertage in Sachsen-Anhalt am Wochenende
Der Blick in den Kalender bestätigt, dass die Lage 2027 besonders ungünstig ist. Der 1. Mai und der erste Weihnachtsfeiertag fallen auf einen Samstag. Der Tag der Deutschen Einheit, der Reformationstag und der zweite Weihnachtsfeiertag liegen jeweils auf einem Sonntag. In Sachsen-Anhalt fallen damit im nächsten Jahr fünf der elf gesetzlichen Feiertage auf ein Wochenende.
Das BSW will Sachsen-Anhalt bei einer Neuregelung zum Vorreiter machen. Thomas Schulze, Vorsitzender der BSW-Fraktion im Landtag, erklärt: „Nicht nur in diesem Jahr fällt der 3. Oktober auf ein Wochenende, sondern auch im nächsten. Dazu der 1. Mai, der Reformationstag und Weihnachten. Wir fordern, dass Feiertage, die auf ein Wochenende fallen, montags nachgeholt werden. Feiertage sind Ländersache. Sachsen-Anhalt könnte hier vorangehen und bundesweit ein Signal für Familien und Arbeitnehmer setzen. Wir werden versuchen, auch dafür Mehrheiten im neuen Magdeburger Landtag zu finden. Wir wollen den Feiertags-Klau stoppen! Dazu könnte auch ein Volksentscheid durchgeführt werden.“
Allerdings sind noch wichtige Details offen. So fallen Weihnachten 2027 sowohl der 25. als auch der 26. Dezember auf ein Wochenende. Wie beide Feiertage an einem Montag ersetzt werden könnten, lässt der Vorschlag bislang offen.
Die rechtliche Umsetzung dürfte komplizierter sein. Die meisten Feiertage werden zwar durch die Länder geregelt. Der Tag der Deutschen Einheit ist jedoch als bundesweiter Feiertag im Einigungsvertrag festgeschrieben. Ein früherer Vorschlag der Linken zielte deshalb auf eine Kompensationsregelung im bundesweiten Arbeitszeitgesetz.
Wagenknecht unterstützte Forderung schon 2022
Neu ist die Debatte nicht – und auch Wagenknecht selbst hat eine solche Regelung schon früher unterstützt. Im September 2022 beantragte die damalige Linksfraktion im Bundestag, gesetzliche Feiertage am nächsten Werktag nachzuholen, wenn sie auf ein Wochenende fallen. Wagenknecht gehörte zu den Unterzeichnerinnen. Begründet wurde der Vorschlag mit Erholung, Stressreduzierung und sozialem Zusammenhalt.
Der Antrag scheiterte Anfang 2023. SPD, Union, Grüne, FDP und AfD stimmten damals dagegen, lediglich die Linke war dafür. Die SPD zeigte zwar Sympathie für das Anliegen, hielt es jedoch unter anderem wegen fehlender Kostenberechnungen für nicht entscheidungsreif.
Sahra Wagenknecht in Halle beim Wahlkampf-Abschluss des BSW vor der Landtagswahl in Sachsen Anhalt Anfang September.
© IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Ende 2025 griffen Linke und Grüne die Forderung erneut auf. Der Grünen-Sozialpolitiker Timon Dzienus argumentierte, gut erholte Beschäftigte kämen auch den Arbeitgebern zugute. Linken-Politiker bezeichneten es als unfair, wenn Arbeitnehmer durch die Lage der Feiertage mehr Arbeitstage und weniger Erholungszeit hätten.
Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert seit Längerem einen Ausgleich. Der DGB Bayern verlangte etwa anlässlich des auf einen Samstag gefallenen Allerheiligentages 2025, ausgefallene Feiertage am nächsten Werktag nachzuholen. „Wer einen Feiertag verliert, sollte ihn nicht einfach gestrichen bekommen“, erklärte der bayerische DGB-Vorsitzende Bernhard Stiedl. Ausgeruhte Beschäftigte seien motivierter, gesünder und leistungsfähiger.
Arbeitgeber warnen vor Belastung für die Wirtschaft
Scharfer Widerspruch kommt von Arbeitgeberverbänden. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft bezeichnete den Vorstoß des DGB als „Realitätsverlust“. Feiertage seien keine zusätzlichen Urlaubstage, sondern Tage der Besinnung, erklärte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Angesichts der wirtschaftlichen Lage gelte: „Wir sollten nicht weniger, sondern mehr arbeiten.“
Die Arbeitgeberseite verweist auf mögliche Produktionsausfälle. Die bayerische Wirtschaft rechnet vor, dass ein zusätzlicher Arbeitstag die Staatseinnahmen um rund 2,5 Milliarden Euro erhöhen könne. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft beziffert den möglichen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts durch einen zusätzlichen freien Tag auf etwa 8,6 Milliarden Euro.
Solche Rechnungen sind jedoch Modellschätzungen. Die Folgen unterscheiden sich je nach Branche: Während Industrieunternehmen an einem arbeitsfreien Tag weniger produzieren können, profitieren möglicherweise Gastronomie, Freizeitwirtschaft und Tourismus. Befürworter verweisen zudem auf mögliche positive Auswirkungen zusätzlicher Erholungstage auf Gesundheit, Motivation und Produktivität.
Ersatzfeiertage gibt es bereits in anderen Ländern
International existieren verschiedene Modelle. In Großbritannien wird ein Feiertag, der auf ein Wochenende fällt, normalerweise am nächsten verfügbaren Werktag ersetzt. Deshalb folgen auf das Weihnachtswochenende 2027 dort zwei Ersatzfeiertage am Montag und Dienstag.
Wetter
Nur noch bis Mittwoch: Bis zu 26 Grad, dann übernimmt der Herbst
In Luxemburg erhalten Beschäftigte einen Ausgleichstag, wenn ein gesetzlicher Feiertag auf einen ohnehin arbeitsfreien Tag fällt. Dieser kann grundsätzlich innerhalb von drei Monaten genommen werden. In Belgien wird ebenfalls ein anderer arbeitsfreier Tag festgelegt. Spanien gleicht in bestimmten Fällen Feiertage aus, die auf einen Sonntag fallen, während Polen für einen Feiertag am Samstag einen bezahlten Ersatz vorsieht. Die Regeln unterscheiden sich damit deutlich von Land zu Land.
Ob das BSW in Sachsen-Anhalt eine Mehrheit für seinen Vorschlag findet, ist offen. Fest steht aber schon jetzt: Spätestens mit dem Feiertagskalender 2027 dürfte die Diskussion über ausgefallene freie Tage erneut an Fahrt gewinnen.
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