Buitrago untröstlich: “Da ist die Welt für mich untergegangen“ | radsport-news.com

Auf 19. Vuelta-Etappe von Dunbar noch abgefangen

Von Paul Grosch

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Nach seiner Attacke etwa zwei Kilometer vor dem Ziel sah Santiago Buitrago im Bergtrikot noch wie der Etappensieger aus. | Foto: Cor Vos

11.09.2026  |  (rsn) – Santiago Buitrago (Bahrain Victorious) wirkte im Ziel-Interview der 19. Etappe der Vuelta a Espana 2026 nicht wie jemand, der glücklich darüber ist, mit hoher Wahrscheinlichkeit im blau-weiß gepunkteten Trikot des Bergkönigs am Sonntag nach Granada einzufahren. 

Zum dritten Mal schaffte er es bei der Spanien-Rundfahrt auf das Tagespodium, für den Etappensieg reichte es bisher jedoch noch nicht. Damit tanzt der Kolumbianer vielleicht auch auf der morgigen Königsetappe auf zwei Hochzeiten gleichzeitig.

“Ich konnte es nicht glauben. Als ich attackiert habe, war ich mir echt sicher“, sagte ein sichtlich niedergeschlagener Buitrago im Ziel. Nach einer Attacke etwas mehr als zwei Kilometer vor dem Ziel sah er fast schon wie der Sieger aus. Doch Eddie Dunbar (Pinarello – Q36.5) holte den 26-Jährigen 500 Meter vor der Linie noch ein, trat unwiderstehlich an und sicherte sich seinen insgesamt dritten Etappensieg bei der Spanien-Rundfahrt.

Buitrago dreimal auf dem Vuelta-Tagespodium - aber nie ganz oben

“Ich habe nicht zurückgeschaut. Aber als ich den Schatten von Dunbar gesehen habe, ist die Welt für mich untergegangen“, war Buitrago untröstlich. “Ich hatte schon alles gegeben. Und jetzt bin ich wieder Zweiter.“ Bereits auf der 14. Etappe lag Buitrago auf dem Schlusskilometer in Führung, bevor Marco Brenner (Tudor) auf der Abfahrt am Ende der Sierra de la Pandera wieder aufschloss und im Schlusssprint nicht zu schlagen war.

Auf dem neunten Abschnitt zum Calar Alto reichte es zu Platz drei. Gleichzeitig könnten diese bisherigen Ergebnisse für Buitrago ein gutes Omen sein. Seinen ersten Grand-Tour-Etappensieg beim Giro d’Italia 2022 holte der Kolumbianer erst, nachdem er zuvor als Zweiter und Fünfter zweimal knapp am großen Coup vorbeigeschrammt war. Vielleicht kommt es ja auch jetzt in Spanien ähnlich. Zumal Buitrago bei der Vuelta seinen dritten Grand-Tour-Tagessieg überhaupt einfahren könnte. Der Kolumbianer gewann 2023 erneut als Ausreißer eine weitere Etappe bei der Italien-Rundfahrt.

Bei der Vuelta zeigt sich bisher mal wieder, dass sich das Bergtrikot und ein Etappensieg für Fahrer aus der Ausreißergruppe nicht immer vereinbaren lassen. Bei allen drei Etappen musste Buitrago früh im Rennen bei den Anstiegen um die Bergpunkte sprinten. Etappenjäger wie Dunbar müssen diese Tempoverschärfungen nicht mitgehen.

Tagessieger Dunbar wünschte sich Buitragos Beine

“Ich hätte mir gewünscht, dass ich Buitragos Beine gehabt hätte. So viel ist sicher“, zollte der Ire dem Bergkönig großen Respekt. “Seine Attacke war unglaublich stark. Ich hatte noch einen Pfeil im Köcher und den wollte ich benutzen, um die Etappe zu gewinnen.“ Und das gelang Dunbar.

Der Kolumbianer suchte in seinem Ziel-Interview jedoch keine Ausreden, sondern lobte stattdessen seinen Konkurrenten. “Es waren drei oder vier Fahrer von Q36.5 in der Gruppe. Dunbar ist ein starker Fahrer. Das hat er gezeigt“, sagte er nach der Podiumszeremonie. “Ich glaube, er hat das heute auch gewusst. Gratulation an ihn!“ Als Trost bleibt dem Mann von Bahrain Victorious weiterhin das Bergtrikot, seine Führung in der Sonderwertung konnte er sogar ausbauen.

Buitrago geht mit 38 Punkten Vorsprung auf Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) in die letzte Bergetappe. Der Belgier sollte an den langen und steilen Anstiegen der Sierra Nevada jedoch keine Konkurrenz für den kletterstarken Südamerikaner darstellen. Dahinter folgt Andreas Leknessund (Uno-X Mobility) mit 49 Punkten Rückstand. Der Gesamtführende Enric Mas (Movistar) ist auch rechnerisch keine Gefahr mehr. Zumal auf der Schlussetappe in Granada keine Bergpunkte mehr vergeben werden.

Mission Bergtrikot auf der 20. Etappe

Sollte Buitrago die ersten beiden Bergwertungen (3. und 1. Kategorie) auf der 20. Etappe für sich entscheiden, hat er das Bergtrikot sicher, solange er in Granada die Vuelta beendet. Vielleicht kann der Kolumbianer somit an den restlichen Anstiegen etwas Kraft sparen und auch im Kampf um den Tagessieg noch ein Wörtchen mitreden. Dabei sind die Chancen der Ausreißer aber auch vom Rennverlauf und der Tempogestaltung der GC-Favoriten im Hauptfeld abhängig.

Der Bergkönig selbst hatte nach der erneut knappen Niederlage seine Zuversicht noch nicht ganz wiedergefunden. “Ich weiß nicht, was morgen passieren wird“, gab Buitrago zu. “Heute war ein sehr harter Tag. Morgen wird es auch eine sehr schwere Etappe. Hoffen wir mal, dass ich die Beine dafür habe!“