Bundesinnenminister Dobrindt zu Drohnen-Vorfall: "Haben es mit einer hohen Bedrohungslage zu tun"

Flughafen Leipzig/Halle

Stand: 05.08.2026 22:44 Uhr

Nach dem Fund einer Drohne mit Sprengstoff am Flughafen Leipzig/Halle sprechen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) von einer neuen Stufe der Bedrohungslage. Gleichzeitig betonen die Politiker, dass die Ermittlungen viele offene Fragen klären müssten.

von MDR SACHSEN

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Alle Spekulationen über die Art des Sprengstoffs, die Konstruktion der Drohne, ihre Herkunft und die Frage, wer dahinterstecke, seien jetzt Teil der Ermittlungen, war das Credo beider Innenpolitiker bei einer am Mittwochabend spät angesetzten Pressekonferenz am Flughafen Leipzig/Halle. Doch so viel konnte gesagt werden: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sieht bei dem Drohnen-Zwischenfall am Flughafen Leipzig/Halle ein professionelles Vorgehen der Täter.

Dobrindt: Hohe Bedrohungslage ist real

Dass eine Drohne mit Sprengstoff gefunden wird, zeige eine "neue Gefahrenqualität." Dobrindt: "Es ist real, dass wir es mit einer hohen Bedrohungslage zu tun haben." Bedrohungen dieser Art seien in ganz Europa bereits länger auf der politischen Agenda. "Wir werden uns weiter mit diesen Bedrohungsszenarien auseinandersetzen", erklärte der CSU-Politiker.

Alexander Dobrindt (CSU, r), Bundesinnenminister, spricht bei einer Pressekonferenz in einem Terminal des Flughafens Leipzig/Halle.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU, rechts) hat von einer "hohen Bedrohungslage" im Zusammenhang mit dem Fund einer Drohne mit Sprengstoff am Flughafen Leipzig/Halle gesprochen.

Es ist real, dass wir es mit einer hohen Bedrohungslage zu tun haben. Alexander Dobrindt | Bundesinnenminister

Es sei nicht auszuschließen, dass es künftig zu vergleichbaren Bedrohungen komme. "Die Herausforderung mit Drohnen wird bleiben." Es werde an entsprechender Drohnenabwehr gearbeitet. Vor neuen Angriffen müsse sich gerüstet werden, so Dobrindt.

Professionelle technische Umsetzung

Der Drohnenvorfall sei "professionell" umgesetzt worden, betonte der Bundesinnenminister. Das seien keine Laien, die solche Technik umsetzen könnten. Solche Täter seien sich zudem der Abwehrmaßnahmen bewusst. Deswegen sei es "ein technischer Wettlauf" zwischen Angriffs- und Abwehrtechnik. Ohne einen möglichen Urheber zu nennen, sprach der Innenminister von einem "Wettbewerb", der "möglicherweise auch fremde Mächte mit einschließt. Das wird Teil der Ermittlung sein."

Alexander Dobrindt (CSU, M), Bundesinnenminister, spricht bei einer Pressekonferenz in einem Terminal des Flughafens Leipzig/Halle.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU, Mitte) informierte mit Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU, rechts) über die aktuelle Lage nach dem Drohnen-Fund.

Drohnenabwehr sichert Flughafen weiter ab

Alle Maßnahmen zur Entschärfung der Drohne in Leipzig seien professionell umgesetzt worden, erklärte Dobrindt weiter. Drohneneinsatzkommando und -abwehr sichern demnach aktuell den Flughafen gegen weitere mögliche Angriffe. Nun sollten die Ergebnisse der weiteren Ermittlungen abgewartet werden. Spekulationen könnten in die falsche Richtung führen, so Dobrindt.

Innenminister Schuster: Auch Flughafen Dresden im Blick

Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) betonte den großen Unterschied zu vorherigen Vorfällen von Drohnen über dem Flughafen Leipzig/Halle. Einige dieser Geräte hätten in der Vergangenheit schon runtergeholt werden müssen. Nun sei erstmals in Deutschland eine Drohne mit Sprengstoff an einem Flughafen gesichtet und gefunden worden. "Es ist ein sehr, sehr ernster Sicherheitsvorfall für den Flughafen Leipzig."

Politiker bei einer Pressekonferenz am Flughafen Leipzig.

"Es ist ein sehr, sehr ernster Sicherheitsvorfall für den Flughafen Leipzig", erklärte Sachsens Innenminister Armin Schuster.

Schuster betonte, dass auch andere Orte in Sachsen von der Landespolizei beobachtet würden. "Gefahrenabwehr muss sehr weit gedacht werden. Wir denken auch an den Flughafen Dresden und viele andere Dinge, kritische Infrastrukturen. Das alles ist jetzt unser Job."

Auch Schuster betonte, dass nun die weiteren Ermittlungen abgewartet werden müssten, so etwa die Suche nach einer möglicherweise zweiten Drohne. Es werde in sämtliche Richtungen ermittelt. Auch andere Orte in Sachsen müssten bedacht und die Sicherheit geprüft werden, so Schuster. Er nannte dabei auch den Flughafen in Dresden.

Es ist ein sehr, sehr ernster Sicherheitsvorfall für den Flughafen Leipzig. Armin Schuster | Innenminister von Sachsen
Einsatzfahrzeuge der Polizei stehen in der Nähe eines ukrainischen Flugzeugs auf dem Flughafen Leipzig/Halle. Die sächsische Polizei hat die Ermittlungen zum nächtlichen Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle übernommen.

ARD-Terrorismusexperte: Ermittlungen sollten abgewartet werden

Es sei eine realistische Möglichkeit, dass der Vorfall mit der Drohne in Zusammenhang mit Russland stehe, sagte der ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt im Fernsehsender Tagesschau24. Es gelte jedoch abzuwarten, was die kriminaltechnischen Ermittlungen ergeben, bevor voreilige Schlüsse gezogen werden, betonte er. Bei der Entschärfung sei die Drohne so schonend behandelt worden, dass Spuren noch ausgewertet werden könnten.

Video: Holger Schmidt, ARD-Sicherheitsexperte, zum Vorfall am Leipziger Flughafen (1 Min)

Verteidigungspolitiker Kiesewetter fordert Konsultationen nach Artikel 4

Der CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter hat die Bundesregierung nach dem Drohnen-Vorfall aufgefordert, die Nato-Bündnispartner nach Artikel 4 des Nordatlantikvertrags zu konsultieren. "Deutschland sollte zumindest Artikel-4-Konsultationen in der Nato anstrengen", sagte Kiesewetter der "Augsburger Allgemeinen". Denn die Zunahme hybrider Angriffe und das "Austesten aus Russland" führe "immer mehr zu einer Gewöhnung und damit Unterminierung unserer Sicherheit".

Was bedeutet Artikel 4 des Nato-Vertrags?

Artikel 4 des Nato-Vertrags erlaubt es jedem Mitgliedsland, Konsultationen mit den Bündnispartnern zu verlangen, wenn es seine territoriale Unversehrtheit bedroht sieht. Er gilt als Vorstufe zum Bündnisfall nach Artikel 5. Dieser besagt, dass ein bewaffneter Angriff gegen ein oder mehrere Nato-Mitglieder in Europa oder Nordamerika als Angriff gegen alle gilt. Im Bündnisfall leistet jedes Land die Hilfe, die es für nötig hält, um die Sicherheit wiederherzustellen.

Flughafen Leipzig/Halle schon einmal Tatort eines versuchten Anschlags

Im Juli 2024 hatte es schon einmal einen relevanten Vorfall auf dem Flughafen Leipzig/Halle gegeben. Damals war Deutschland nur knapp an einem Flugzeugabsturz vorbeigeschrammt. Einem glücklichen Zufall war es zu verdanken, dass ein Paket, das einen Brandsatz enthielt, noch am Boden im DHL-Logistikzentrum Leipzig und nicht während des Fluges in Brand geriet.

MDR (phb,sat)/dpa/AFP